Zwischenmeldung, Zahlen-Daten-Fakten

Meine diesjährige Tour ist am Zenith angekommen, ich befinde mich nun quasi wieder auf dem Heimweg und das sollte doch mal nen Zwischenfazit wert sein. Seit Marokkos Süden bin ich in Begleitung von Olli und bis Mauretanien ziehen wir das auch weiterhin so durch, alleine ist Westafrika nicht unbedingt ein idyllischer Ort. Es ist ein großes Abenteuer mit so einigen Entbehrungen, am Meisten fehlt mir allerdings Christie, die seit Weihnachten in ihrer Heimat den USA war und ne Menge zu erledigen hatte. Aber ein Termin steht nun endlich und sie fliegt mir nach Agadir entgegen um noch etwas Frühling in Marokko mit zu erleben. So konnte ich auch mal wieder Dinge frei nach meiner Fasson erledigen und habe niemanden in Gefahr gebracht, außerdem war ich sehr viel sparsamer als sonst unterwegs, Zahlen interessieren vielleicht, Fakten folgen weiter unten.

Seit meinem Start in Deutschland sind nun knapp 10.000 Kilometer runtergespult worden. Genaues kann ich nicht sagen, eher noch plus 500km, da ich Ollis Tacho als Referenz nehme, da mein Kilometerzähler ausgestiegen ist. Dabei sind 1205 Liter Treibstoff durch meine Einspritzpumpe gelaufen und haben die höllischen 65PS mal mehr und mal weniger entfacht. Kann ich aber fast nicht glauben und denke eine Eintragung ins Logbuch vergessen zu haben, unter 13Liter fährt, wenn auch gemütlich, der OM616 nicht durch die Lande.

Ich habe knapp 3,5Liter Öl nachgekippt und ein Wechsel steht noch auf dem Heimweg an. Die Bremsen habe ich einmal entlüftet und knapp 5-6 mal die Vorderachse abgeschmiert. Zum abgefallenen Zusatztank gesellen sich ein Reifenplatzer in Spanien, eine undichte Einspritzdüse in der Westsahara, zwei verstopfte Schlauchfilter, einen neuen Hauptfilter und das defekte Mittellager in Mauretanien, alles also Kleinigkeiten und zu Glück keine weiteren Ausfälle. Das nicht exakt passende Ersatzteil macht aber nun unangenehme Vibrationen und ich bin auf der Suche nach nem Neuen. Ansonsten hält der Bus den Strapazen gut stand und dank der großen Räder und neuen Federn sowie Höherlegung echt angenehmes Fahren auch auf Pisten und Schlaglochstraßen. Alleine dafür hat sich der ganze Aufwand im Sommer gelohnt und war dafür nötig. Bei den Mopeds läuft es ähnlich gut, die sind zwar meist staubig und ab und an mal verhasster Ballast, aber in der Summe haben sich damit schon die schönsten Orte entdecken lassen.

Die Entscheidung weiter nach Süden zu fahren war in diesem kalten und regnerischen Winter eine gute Entscheidung, selbst in sonst gemäßigten Regionen Marokkos gab es Schnee. Die Fahrt durch die Westsahara lohnt aber wirklich nur wenn man den Abstecher nach Mauretanien wagen will. Der wiederum lohnt nur abseits der Hauptstraßen und dafür braucht man dringend 4×4, denn wo kein Asphalt, da Sand. Viel Sand und wenig Abwechslung sonst, die alten Karawanenstädte sind das größte Highlight des Landes, kann man auch ohne Allrad hin, ist dann aber eine lange Sackgasse. Unsere Tour ging weiter nach Mali auch um die korrupte Grenze zum Senegal aufzuschieben und das Land dann von unten kommend zu passieren. Mali und die Sahelzone lässt die Natur erwachen und afrikanisches Feeling aufkommen. Baobabs und Steppenlandschaften später mehr grün um den Bereich des Niger. Bamako als Hauptstadt noch unattraktiver als Nouakchott, jedoch mit jeweils netter Herberge ein guter Ausgangspunkt für Erkundungen gewesen. Ab Mali ließ das Sicherheitsgefühl nach, in Marokko ist man gut überwacht und auch noch in Mauretanien werden überall deine Personendaten freundlich und gratis aufgenommen. Darum schert sich nun keiner mehr und wichtiger sind die richtigen Stempel und Passierscheine, alle natürlich irgendwie zu bezahlen. Malis Osten ist tabu für Reisende, wir haben einige Berichte live von dort bekommen und die Zukunft des Landes steht auch auf der Kippe. Im Westen hatten wir auch ne schöne Zeit und einige Durchreisende nach Süden getroffen. Elfenbeinküste oder Burkina Faso werden gerne zum Transit genutzt. Unseren Umweg nach Guinea würde ich im Nachhinein auslassen. Das Land zwar mit echtem Dschungelgefühl aber das dafür fast überall gleichsam. Die bisher dreistesten Abzockversuche hinterlassen ein schlechtes Gefühl, die schlechten Straßen obendrauf. Wir ließen die Bergregionen mit den Wasserfällen aus, können es aber auch nicht retten. Strand sucht man vergebens an der Küste, unser Glückstreffer (im nächsten blog) ein Zufall. Wir sind auf den Rückweg gespannt, dieser geht durch Guinea-Bissau, die Casamance (südlichen Senegal) durch Gambia und den Senegal bei Dakar, dann rollen wir Mauretanien auf und wohl etwas flotter durch die Westsahara.

Bisher hat mich der Trip 1450,- Euro gekostet. Man bedenke, dass ich einiges an Treibstoffkosten gespart habe und dieser Posten trotzdem mit 600,- der Größte ist. Gefolgt von Visakosten bei 240,- und Fähre/Maut bei 213,-. Mit Reparaturen und Ersatzteilkosten nochmal 100,- ist also der Transit alleine für vierstellige Ausgaben zuständig. Lebensmittelpreise in Marokko am Niedrigsten, da in Europa ja umsonst, ab Mauretanien gibt es nicht mehr viel und die Verpflegung besteht aus schneller Küche und Verwertung von Konserven aus dem Lager. Mali und Guinea bieten mehr Obst zu günstigen Preisen und einige Restaurantbesuche mit sehr überschaubaren Preisen halten diesen Posten bei 130,-€ an Unterkünfte und Duschen/Hammam sind bisher 27,- geflossen. Da ist der Posten Deko und Zubehör mit über 50,- schon voluminöser. Für Internetverbindung liege ich bei 25,- und damit gleichauf wie der Spaßfaktor Motorrad mit Sprit für selbige Summe. Bleibt noch Kleingeld für Kleinigkeiten und ich liege gut im Budget. Hoffe natürlich wieder auf eine weiterhin pannenfreie Fahrt, Tauschgeschäfte und günstigen Treibstoff, später Recycling-Öl aus Gibraltar und Südspanien sowie Containern in Europa um mit nem weiteren 1000er wieder nach Berlin zu gelangen. Mit weiblicher Begleitung wären alleine Visakosten 350,-höher (Amerikanerinnen zahlen mehr) und die Ausgaben für Lebensmittel, Fähre, Mitbringsel und Internet wären auch umfangreicher, mindestens doppelt soviel. Freue mich auf die gemeinsame Zeit im Süden Marokkos, wenn auch nur 2Wochen, da sie dann in Berlin zu tun hat und ich die Rückreise mal wieder alleine durchziehe. Die Flüge kosten knapp 150,- geht aber auch noch günstiger wie ich gehört habe.

Resume: Man braucht Zeit in Afrika. Die Wege sind schlecht und man kommt immer weniger voran als man plant. Zeitdruck ist kein guter Begleiter, bei Kontrollen gelassen bleiben und keine Schmiergeldzahlungen akzeptieren. Dauert dann zwar und ist anstrengend auszudiskutieren aber gegen die Korruption wird in vielen Ländern schon angegangen und echte Beamte scheuen sich vor falschen Quittungen oder schriftlichen Nachweisen. Das Abenteuer geht weiter und ich berichte wie gewohnt.

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