Conakry – südlicher Wendepunkt des Trips

Wir sind also wieder ausgeruht und bereit für neue Abenteuer. Den freien Tag gestern habe ich mit weiteren Exkursionen in der Umgebung verbracht. Auch das Fahrrad wurde rausgeholt um den Ort Debele (nicht erwähnenswert) zu besuchen und mangels Einkaufsmöglichkeiten ebenfalls nochmal den Knotenpunkt an der Hauptstraße anzusteuern wo wenigstens Brot und Obst zu bekommen war. Eine Tortur in der Hitze auch nur ein paar Kilometer zu radeln. Die restliche Zeit verbrachte ich mit Wasser filtern und Bus aufräumen, eine Fahrt ins Flussbett und dortige Vollreinigung des MB407 habe ich mir dann doch verkniffen. Tolle Ecke hier, bleibt hoffentlich noch lange so.

Conakry war keine 70km also maximal zwei Fahrtstunden mehr entfernt und wir starten gegen 10Uhr. Die Lage der Stadt aber etwas ungünstig auf einer Landzunge und deshalb räumlich begrenzt. Die Vororte beginnen locker 30km vor dem Zipfel und haben zwar eine breite Asphaltstraße aber das übliche Chaos darauf. Schlimmer wurde es nur noch als eine Baustelle und Umleitung auf die Gegenfahrbahn den Verkehr vollends zum Erliegen brachte. Wir wollten eigentlich vor der Mittgaszeit ankommen. Wenigstens haben wir die Sonne nur im Rücken und seitlich kommt einfach das Rollo runter um die Scharen von Straßenrandverkäufern los zu sein. Wir schaffen es gegen 13Uhr zur Botschaft von Guinea-Bissau und sind dankbar noch und auch sofort ranzukommen. Visa ohne Wartezeit, dafür ziemlich teuer mit 900.000 GF. Immerhin kann ich auch mit Dollars bezahlen, Umrechnungskurs wohl veraltet und ich bekomme meinen 30Tage – Aufkleber für 100USD. Hoffentlich lohnt sich der Ausflug. Der Exkurs in die Stadt sonst erwartungsgemäß ernüchternd. Hier mal Ausblicke.

qualmender Müll, wenn er überhaupt irgendwo gesammelt wird.
Wenige Ecken weiter Viehherden und Markt am Straßenrand, sieht nicht nur temporär aus und die armen Viecher dort sind wohl den Straßenlärm gewohnt.

Nicht besser vom Platzangebot ergeht es den Minibus Passagieren. Da keine Überlandfahrt auch nur mit leichtem Dachgepäck.

Die Straßen trotzdem voll wenn mal nicht mit Blechlawinen, dann mit Menschenmassen die den Fahrzeugverkehr auch gut verhindern. Das Navi weiß zwar wo es lang geht, doch auch hier herrscht irgend eine zeitlich begrenzte Richtungsänderung. Unsere Route geht grad nur in eine Richtung und die Ordnungsmacht lotst uns durch den angrenzenden Markt.

Die Hauptstadt Conakry hat nix zu bieten, wir folgen der südlichen und nördlichen Straße am Wasser bis zum Zipfel wo sich auch die deutsche Botschaft befindet. Leider kein idyllisches Plätzchen in der Nähe, eher ne Neubauregion mit angrenzender Hafenanlage und riesiger Zollkaserne. Bloß raus hier, wir haben alles erledigt, Bank, volltanken, kleiner Einkauf im Supermarkt (da nur schweineteure Importprodukte) und Abfahrt. Immerhin gibt es hier mehrstöckige Gebäude, haben wir auch schon ein paar Wochen nicht gesehen. Die Gerüste ein Naturkunstwerk, wundert mich nur dass das irgendwie am Ende doch ein Wohnhaus ergibt.

Wir stecken nochmal in den Vororten fest und wundern uns über nix mehr. Immerhin kann ich vom Fahrersitz aus Obst kaufen und bei dem Stop&Go sogar ne riesige Papaya nebenbei in aller Ruhe auslöffeln.
Wir sind also am südlichsten Punkt des Trips angelangt und ab nun steht Norden auf der Kompassnadel anvisiert. Für heute haben wir noch keinen Plan, erstmal raus aus der Stadt und rein ins ungewisse. Das kommt auch schneller als erwartet, als der leicht defekte LKW die Straße vernebelt und man einige Sekunden die Hand vor Augen nicht entdecken kann. Niemand aufgefahren, nix passiert.

Meine Karte zeigt eine Attraktion mit Wasserbecken nicht weit hinter der Stadtgrenze. Die Gegend zwar noch gut bewohnt, aber ein Ausflugslokal findet sich dort mit geräumigem Innenhof. Nach ersten Verhandlungen können wir für um die drei Euro dort übernachten. Als der Chef später jedoch 10,- verlangt und wir zeitig abhauen sollen weil wir sonst die Mitarbeiter am Morgen stören könnten wird uns das zu blöd und wir hauen sofort ab.
Die Fahrt geht also in die Dämmerung und nach dem üblichen Schema auf eine Seitenstraße und dann mal gucken was kommt. Dafür ist meine LED-Lichtbank ein Segen, erleuchtet die Umgebung taghell und knapp 2km von der Hauptstraße entfernt finden wir hinter einem Dorf mit Pfad in die Wildnis eine abgelegene Stelle.

Wie sich am nächsten Morgen heraus stellt eine alte Palmöl Plantage, seit rund 10Jahren sich selbst und somit den fleißigen Einwohnern der Region überlassen. Unsere Nachbarn, bei denen ich mich gestern Abend noch nett vorstellte bewohnen also das ehemalige Haus des Plantagenbesitzers und leben sonst wie jeder zweite Einheimische von Palmöl, das auch überall als rote Brühe in Plastikflaschen verkauft wird.

Mein 5km langer Morgenspaziergang bot dann logischer Weise immer die selbe langweilige Aussicht. Palmen… ohne Datteln oder Cocosnüsse, dafür wild verwachsen mit anderem Gestrüpp und Lianen. Man kann echt erkennen, dass das alles mal gepflegt war, nun aber Wildnis pur.

Weder Schnitt noch Brandrodung wird hier zur Pflege betrieben. Letztere dafür überall sonst. Der rußige qualmende Geruch mein Andenken an Guinea, erst Recht am Abend ein Anblick, wenn neben dir der Straßenrand brennt. Man stelle sich sowas neben bundesdeutschen Autobahnen vor.

Wir folgen der N3 und damit einer für hiesige Verhältnisse vielbefahrenen Straße, die mehrere Flußarme überspannt. Meist mit sehr maroden Brücken. Wenn 40Tonner es aber schaffen ohne in den Sarg-großen Löchern zu versinken, dann wir auch.

Das Meer ist nicht weit, Küste hat Guinea ja ne ganze Menge, nur ein Rankommen ist kaum möglich. Erklärung bietet die folgende Karte.

Wir machen also Halt in Boffa und folgen hier der Sackgasse bis zum Hafen. Übertrieben wer sich jetzt Mauern oder irgendwas vorstellt. Da ist nen Steg auf dem Netze gesammelt und die Boote liegen im Schlamm. Das Meer erreicht man dann über den Fluß.

Interessante Einblicke in Fangmethoden und Bootsbau, aber alles nicht sehenswert. Das nächste Foto jedoch zeigt mal wieder den Zufall pur. Wir treffen einen Kerl aus der Heimat, der mit seiner alten Straßenhonda auf dem Weg nach Südafrika ist. Entgegen der voll ausgestatteten Endouristen klassisch in Leder unterwegs und wieder mal ist die Welt klein, er kennt auch 50% unserer in Bamako getroffenen Nachbarn. Reisende treffen sich unterwegs und tauschen Erfahrungen aus. Er zieht uns leider auch den Zahn, dass wir der N3 bis nach Bissau folgen können. Die Straße eher eine schmale Buckelpiste und kaum mit seinem Motorrad zu machen, außerdem eine Fähre die eher ne Schute ist und schon mit der Honda ein Abenteuer war… Planänderung also mal wieder. Danke!

Erst einmal haben wir aber nen Stop an der Küste geplant, irgendwo muss es doch ein rankommen geben. Ab Balandougou sind es nur 25 unbefestigte Kilometer nach Doupourou und damit fast am Cap Verga welches wir somit komplett von Süden aufrollen wollen. Problem nur, dass wir auf den letzten Tropfen Wasser laufen und auch in der Hauptstadt nix ansprechendes gefunden hatten. Das Glück des Tüchtigen erwartet uns im nächsten Dorf, wo eine Brunnenpumpe durch Entwicklungshilfe installiert wurde, die echt sauberes Wasser per Fußbedienung fördert. Ein Erlebnis für alle Beteiligten und Schaulustigen. Knapp 100Liter zapfen wir und bedanken uns mit einer Spende fürs Dorf.

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Die Piste machbar und ab jetzt auch idyllisch. So stellt man sich das vor im Dschungel Afrikas. Der Bewuchs aber auch mal wieder spärlich, dafür fallen dann solche Bauwerke ins Auge.

Locker drei Meter hoch und niemand zu Hause. Termiten wahrscheinlich und ich weiß ehrlich gesagt nix weiter über diese Baumeister. Es gibt dann auch noch weitere fotogene Momente und zur Abwechslung mal wieder was für die Altblech Fetischisten. Düdos in Szene gesetzt.

Mal schauen wohin uns der Weg noch führt.

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