Malis Westen, rein in die Natur

Wir wollen heute an einem Montag wo alles wieder offen hat Bamako verlassen und schnell noch zur Botschaft von Guinea um ein Visa zu organisieren. Der Verkehr unglaublich und die 750m zur Ambassade von Senegal waren aufwändig und unnütz. Lieber habe ich es aber direkt bestätigt, als später dumm da zu stehen oder mich zu ärgern warum wir das nicht in Bamako gecheckt haben, aber als Europäer brauchen wir für den Senegal kein Visa und bekommen freien Eintritt. Hübsches Logo mit Löwen und weiter geht’s.

Knapp 3 Kilometer und die Umgebung an der Guinea Botschaft hatte ich vorher schon mit dem Fahrrad ausgekundschaftet, nette Seitenstraße und sichere Parkmöglichkeit. Die Herren drin auch recht freundlich und hilfsbereit, die Visa Gebühren von 50.000 CFA (ca 80,-€) für 30Tage hauen zwar ganz schon ins Budget rein, aber was soll’s man lebt nur einmal. Wir erhoffen uns die tollsten Strände und etwas Dschungel dort unten.

Was mir am WE hier keiner sagte und erst auf der Tafel zu erkennen war, 24h Wartezeit, mindestens… wir hängen also doch nochmal in Bamako fest. Mehrere Anläufe und Erklärungsversuche zwecklos, ich frage ob man das irgendwie beschleunigen kann (ohne Schmiergeld zahlen zu wollen) Erkläre ihm dann auch das wir ungern unseren Pass für 24h hier lassen, was nötig ist und wollen deshalb direkt vor der Tür übernachten. Es ist kurz nach Mittag und wir müssen also irgendwie Zeit totschlagen. Ich gehe mit Atlas ne Runde zum Fluß.

Der Niger, einer der größten und wichtigsten Ströme in Afrika, beginnend in Guinea passiert er Mali und auch andere Länder im Südosten von hier. Idyllisch ist das alles aber auf keinen Fall. Spätestens hier, nach der ersten Großstadt ist das nur noch eine giftige Dreckbrühe. Alle ungeklärten Abwässer landen hier, bei Regen sicherlich auch aller Dreck von den Straßen und öligen Werkstätten, jeder Bewohner wäscht seine Wäsche an den Ufern, die auch gleichzeitig mit Landwirtschaft zugepflastert sind. Unglaublich.

Das große Problem dieser Stadt und damit auch Ursprung vieler Mücken sind diese wirklich schwarzen Kanäle die immer wieder ihren Weg in den Fluß finden. Das Wasser ist nicht irgendwie trübe oder es schwimmt Dreck drin herum, nein es ist tiefschwarz und leider kein Scherz.

https://player.vimeo.com/video/256064879

Die Einheimischen sind aber drauf angewiesen und neben besagter Landwirtschaft ist auch der Fischfang eine wichtige Nahrungsquelle in dieser Stadt, ekelhaft…

Vor einigen Dekaden ging es großen deutschen Flüssen noch ähnlich, die Elbe und Oder waren totgeglaubt, mal schauen ob die Bevölkerung hier noch aufwacht bevor es zu spät ist. Ich hab genug gesehen, etwas Hunger und plane mit Olli eine Runde in die andere Richtung. Wir suchen noch eine Bank, Geldwechsel aus Euros ist hier unüblich in Banken schon gar nicht und Automaten spucken auch nicht immer was aus. Und wenn dann nur Kleckerkram. Immerhin genug zum Tanken und auch beim Restaurant werden wir fündig. Von Außen schwer zu erkennen, vor allem findet Kochen, Essen und Bezahlen direkt an der Straße statt.

Man erkennt sowas meist an schattigen Plätzen und großen Alutöpfen auf Glut. Hier haben mich die zahlreichen Besucher gelockt, spricht von guter Küche. Die Portion war gigantisch, roter Reis mit Gemüsekelle obendrauf, auf sauberem Blechteller und sogar mit Löffel. Und der ganze Haufen für 500CFA, also nicht ganz nen Euro.

Ausruhen am Bus nun nötig, doch als wir zurück sind steht auch schon der Botschaftsfritze vor uns und meint er hat eine gute Nachricht… unsere Visa sind fertig und wir können sofort los. Die wollten wohl doch nicht, dass wir vor deren Tür übernachten. Today is a good day.

Wir verlassen die Stadt Richtung Westen und das relativ zügig. Die Vororte mal wieder lang und dreckig. Doch irgendwann wieder dörfliches Idyll am Rande und Frauen die Obst am Straßenrand verkaufen. Fast schon ein Abenteuer für sich, wenn man anhält ist der Bus sofort umringt von Angeboten, jede will die erste sein, da müssen sie auch durch dass ich das knipse.

Auf dem Bild komische Früchte und die Dinger rechts mit den Nasen sehen aus wie Cashews, ist das möglich? Auf jeden Fall bleiben wir bei Papaya und Mangos in sehr erschwinglich, Orangen gibt es sonst, aber nicht besonders gute. Mein Frühstück sieht dann meist so aus, etwas Chia-Samen und nen Schluck Wasser zu Papaya-Mango-Brei.

Beschriebenes Frühstück nehme ich nahe Siby zu mir, wir haben es gestern noch bis her geschafft, eine Region in der sich Berge nahe der Straße auftürmen. Es soll Grotten geben und auch was zum Klettern. Die Gassirunde ist schon mal eine Herausforderung am Morgen.

Grotte Nummer eins mit Klettereinlagen und einem tapferen Begleiter gefunden und markiert.

Aussicht dank etwas diesiger Verhältnisse aber nicht sehr weit. Andere Straßenseite kann ich überblicken, dahinter wieder flaches Land wie etliche Hundert Kilometer zuvor.

Wir beschließen einen Tag zu bleiben, hatten ne ruhige Nacht und auch noch nen Tag bis zur Gültigkeit unseres Visa Zeit. Das Moped kommt also runter und auf geht’s zu Erkundungen. Die Felsen sind das Ende eines Plateuas, dort oben überall kleine Pfade und größere Pisten, ein Traum mal wieder und Olli muss auch mit.

So lassen wir also am Nachmittag die Busse stehen und haben 20km nördlich einen Wasserfall anvisiert. Quer durch die Pampa und immer ordentlich Zug am Gas. Mein Tank beinhaltet 4Liter, ne Flasche hab ich noch dabei, sollte reichen. Abschleppseil im Rucksack. Wir fahren durch sehr abgelegene Dörfer und werden wie üblich nett begrüßt aber angesehen als kämen wir vom Mars. Die Tour war ein richtiger Exkurs in die Wildnis wie man es sich hier in der Gegend vorstellt. Videomaterial dank GoPro enorm und bedarf einiger Bearbeitungszeit… folgt dann wohl im Sommer 🙂 Auf jeden Fall finden wir fließendes Wasser und ein Becken zum Baden.

Eine Wohltat bei dieser Hitze und die trockene staubige Luft macht auch ein Bad nötig. Wassertemperatur naja 25grad auf jeden Fall. Die Umgebung hier 20km nördlich von Siby wäre ein paar Tage Erkundung wert. braucht man aber kleinere 4×4 um her zu fahren. Tief wachsende Bäume, ne enge Wasserquerung und sehr kurvige Strecke durch kleinhügeliges Terrain. Ideal für Mopeds und man fühlt sich wie im Dschungel.

Doch irgendwann müssen wir aufbrechen und haben die untergehende Sonne gut im Auge, dunkel wird es hier schneller als in der Heimat, die Sonne steht tagsüber auch fast senkrecht und sticht am Abend schnell durch den Horizont. Licht hab ich am Moped, muss aber nicht in der Dunkelheit hier rumirren. Toller Ausflug, mal wieder ganz oben auf der Liste des unvergesslichen.

Am nächsten Morgen dann eine erneute Kletterpartie und etwas klarere Sicht. Die Nächte sind lau und bei offenen Fenstern erträglich, ab 9Uhr ist es wieder T-Shirt Wetter und zum klettern auf der Südseite echt schon zu warm. Wir ziehen weiter, der letzte Blick auf die Felsen von der Straße aus, das kleine Dorf dazwischen echt gemütlich und einige Herbergen haben wir auch entdeckt, wer also mal in der Gegend ist…

2 Gedanken zu “Malis Westen, rein in die Natur

  1. Cervicek Harald schreibt:

    Hallo!
    Wirklich wirklich toll eure Berichte.. aufpassen stehende und schwach fliessende Gewässer = Bilharziose!!!
    Mit Malaria und Gelbfieber nicht sehr angenehm.
    Freu mich u a auf euren Bericht Senegal 🙂 !!!
    Nächsten Winter für mich interessant. Überwintere heuer wieder im Süden Marokkos.
    Nochmals Danke für deine Mühen, dass all diese Erfahrungen uns zugute kommen können.
    Harald

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