Savannenlandschaft Richtung Grenze Mali

Die reparierte Antriebswelle machte sich beim Fahren nun nicht mehr bemerkbar, also alles im Lot und die Reise geht weiter. Unsere Steppenfahrt Richtung Osten hat am Straßenrand nix Neues zu bieten. Es dauerte noch viele weitere Kilometer, bevor mit Bergen endlich Abwechslung am Horizont auftauchte. Die Region ab Kiffa zeigt dann Ausläufer von Gebirgen, sandig bleibt es trotzdem.

Laut Maps.me wurden uns sogar Oasen angekündigt, jedoch bedeutet das hier ein ausgetrockneter Flusslauf und dementsprechend Überbleibsel von Palmen. Ein kleiner Spaziergang direkt zur glühenden Mittagssonne musste trotzdem kurz sein. Hier stehe ich dann mitten im Fluss.

Die Felsen erodiert und wie Plateaus nach unten abgebröckelt. Der Bruchstein bleibt liegen und formt solche Hügel.

Kiffa als wichtige Stadt der Region hier aber nicht der Rede wert. Die Herberge „Phare du desert“ eine reine Wüste. Als Einziges weit und breit vielleicht vor Jahren mal ein Stop wert gewesen. Leider damit wieder mal keine aktuellen Informationen im aktuellen Reiseführer.

Der Ortskern mal wieder ein heilloses Durcheinander, enge Straßen und überall Marktstände. Der Verkehr schlängelt sich irgendwie durch. Uns hält also nix weiter und wir bleiben on the road. Nächster Stop ein kleines Dorf namens Foum el Cherat. Für mein Vorhaben in der Region ist es aber heute leider schon zu spät also fahren wir auf die nächste Anhöhe und haben einen super Sonnenuntergang.

Die Straße bald recht verlassen und wir hatten fast Ruhe. Ab und an muss doch jemand halten und uns beobachten und interessiert anquatschen. Es ist immer noch zu warm um im Bus zu kochen, also gibt es heute mal ganz simpel Spaghetti mit Pesto, Feierabend. Und das ist die Attraktion hier schlechthin. Schlimmer noch wurde es erst am nächsten Morgen, als wir im Dorf etwas zentraler und dadurch sicherer parkten um die Mopeds abzuladen.

Gefühlt war der ganze Ort bei uns an den Bussen obwohl man denken müsste hier kämen öfter Besucher und Touristen durch. Denn nur sechs Kilometer nördlich sollen Krokodile ganzjährig zu sehen sein. Ein Guelta also eine Felssenke ermöglicht Wasser das ganze Jahr über. felsig war es heute Morgen beim Spaziergang schon gewesen, tolle Aussichten. Kleine Kletterei.

Dass sich Wasser dort länger hält als auf sandigem Boden ist auch klar und ermöglicht solche interessanten Strukturen im Fels.

Gut ausgerüstet mit Fernglas und Wasser machen wir uns also auf den Weg um groben Punkten auf dem Navi anzusteuern. Leider will Ollis Motorrad heute nicht und er muss umkehren, ich nehme die Fahrt alleine auf mich. Voller Enthusiasmus ignoriere ich alle Wegpunkte und mache mich direkt Luftlinie auf zum Ziel. Ob nun sandige Piste oder Mitten durch die Savanne, was soll passieren?

Logisch, irgendwann türmen sich Felsen auf, auch kein Problem mit dem Allroundtalent und wieder mal total korrekte Wahl meines diesjährigen Zweirades. Ein Traum von Trials und es ist möglich Wege zu fahren welche ich mir niemals erträumt hätte. Im Zweifelsfalle folgt man den Ziegenpfaden, die werden schon nicht in Sackgassen enden.

Wie das Panorama aber zeigt schon, denn ich bin oben am Rande des Plateaus und mein Ziel liegt da unten wo das Grün dichter wächst. Es gibt wirklich keine ungefährliche Abfahrt die ein Zurückkommen auf ähnlichem Wege nicht kategorisch ausschließt. Ich habe es auf der Südseite fast die komplette Breite versucht und mache mir nun Gedanken über meinen geringen Tankinhalt. Da ich nicht weit vom gestrigen Schlafplatz bin, nehme ich kurz eine weitere Fahrt nach Gefühl auf mich und steuere die Straße an um im Dorf kurz nachzutanken und Olli Bescheid zu geben. Etappe zwei dann ordentlich den Pisten folgend, Vollgas im letzten Gang, macht auch Spaß. Ich erreiche also den Eingang zum Tal und fahre noch einige Meter, lasse der Geräuschkulisse wegen das bike aber später stehen und muss zu Fuß weiter.

Und dann, ganz am Ende sehe ich von Weitem schon etliche Krokodile auf den Felsen liegen. Sehr scheue Kameraden denn beim Versuch näher zu gelangen um ein ordentliches Foto zu schießen sind viele im Wasser verschwunden. Der Tümpel von drei Seiten mit Felsen umgeben und nur an einer mit einem Strand. Es gibt auch eine kleine Quelle aus dem Plateau welches für frischen Nachschub an Wasser sorgt. So haben die Krokos hier einen idealen Lebensraum inmitten der Wüste. Und bei Gefahr verziehen sie sich auf den Grund oder in eine der gegrabenen Höhlen darunter. Dann kann ich also auch gleich bis ganz ran und mich auf dem Stein direkt neben dem Tümpel für eine Weile ruhig verhalten.

Meine Geduld wird belohnt und es tauchen nach und nach immer mehr Krokos aus der Tiefe auf, 18 Stück zähle ich zuletzt und einige wagen es langsam wieder an Land um sich zu sonnen. Immerhin 2,50m lang und mit ausreichend Zähnen bestückt, wie ein sich sonnendes Exemplar demonstrativ mit geöffnetem Kiefer präsentierte. Die Wasserstelle hier ist Tränke für etliche Viehherden aus der Umgebung, Rinder sollen auch auf dem Speiseplan stehen.

Als ich dann vielleicht eine halbe Stunde fast regungslos sitzend einige meiner Extremitäten nicht mehr spüren konnte machte ich mich wieder auf den Rückweg. Wenn man bedenkt, dass die locker ne Stunde unter Wasser ausharren können, wäre hier eine größere Anzahl im Tümpel möglich. Schreckhaft sind aber die meisten wieder untergetaucht. Ich hab genügend beobachtet und auch einige Videos gemacht die vielleicht folgen.

Krokodile in bewegt… folgen.

Zum Abschluss noch ein Blick aus der Perspektive, die für einige Weidetiere bei genüsslichem tränken die letzte Aussicht war. Man sieht die etlichen Hufspuren im Schlamm. Krokospuren auf dem Sand habe ich leider nicht gesehen, die Jungs haben es wohl nicht nötig aus ihrem Schutztümpel heraus zu kommen.

Ein herrliches Gefühl und eine unvergessliche Erinnerung. Mit einem Geländegängigen Fahrzeug findet man unweit sicherlich einige ruhige Plätzchen und hätte mehr Zeit zum erkunden, andermal… Ich muss zurück und kann nur kurz die schroffen Felsen des Canyons bestaunen. Olli wartet am Bus und ist wahrscheinlich dort selber die Attraktion. Doch mit Geduld und nichts tun verliert die Bevölkerung schnell das Interesse und geht dem täglichen Leben nach, er hat in der prallen Sonne ausgeharrt. Weiter geht es, Fahrtwind von Nöten. 30grad aufwärts. Einen Trip mit meinem Moped wollte er dann nicht alleine machen, Alligatoren hat er schon in Florida gesehen, kann nicht viel anders sein.

Wir machen noch ordentlich Strecke mal wieder mangels Ablenkung entlang der Route. Aioun ist die so ziemlich letzte Stadt und wird als schönste in Mauretanien beschrieben. Die teilweise zwischendurch wieder verschwundenen Felsformationen tauchen dort geballt wieder auf und sich auch sehr auffällig. Nach den Kontrollposten im Stadtkern auch immer wieder vereinzelt zwischen den Naturstein-Häusern zu entdecken. Wäre ein ideales Revier um Klettern zu gehen, erschlossen sind diese Felsen aber definitiv nicht. Hier mal einer unweit unseres späteren Nachtlagers.

Die Stadt mit sehr enger Durchfahrt und belebtem Markt. Danach zweigt die Straße nach Mali ab und geradeaus geht es weiter in Richtung Osten. Wir hatten erst überlegt hier auch wegen der letzten Möglichkeit schlechtes Internet zu nutzen, zu bleiben. Die beschriebene Herberge aber gibt es mal wieder nicht mehr und als einzige Alternative stünde ein hübsches Hotel im Ort, dass aber keine Einfahrt für Wohnmobile ermöglicht. Wir bleiben also für Besorgungen am Straßenrand, schlendern etwas durch die Gegend und kosten die in Fett frittierten Teigbällchen am Straßenrand. Es gibt ne Süße runde Variante und ne plattere ohne Zucker, dafür mit nem Löffelchen glasierter Zwiebeln drauf. Zwiebeln sind hier sowas wie das gängigste Gemüse.

Es ist bald Dunkel und dank LED-Leiste leuchten wir uns den Weg etwas raus nach Süden um nicht nochmal durchs Zentrum zu müssen. Wir schlafen ziemlich ruhig am Straßenrand, da der Verkehr auf dieser Route nur noch in einem Dorf oder an der Grenze zu Mali enden könnte. Unser Visa gilt erst ab Übermorgen, also müssen wir noch etwas Zeit totschlagen und ich mache mich auf in den Ort zu Besorgungen, hauptsächlich Wasser. Touristen kommen auch hier wenige durch und erst recht keine mit langem Bart, ich werde überall begrüßt als ich zu Fuß auf die Suche gehe. Die beidseitig der Straße liegenden Geschäfte haben meist das gleiche Angebot, Trockenmilchpulver, Wasserflaschen und importierte Konservendosen, etwas Brot und Zwiebeln…fertig. Einkaufen brauch ich also nicht. Ich Nutze die Eselkarre von zwei Jungs die gerade ins Zentrum fahren und sitze mit ihnen hinten drauf. Etwas französisch können sie schon, ist grad aktuell in der Schule… heute aber anscheinend nicht, sie müssen arbeiten. Ob der lustige Kerl hier beim „Arbeiten“ ist oder mit all seinem Klimbim an der Uniform nur den Schein wart… er stellt sich als General vor und passt hier auf die Ordnung auf. Den musste ich ablichten, und nur für das Foto ist sein breites Dauerlächeln verschwunden.

An der Kreuzung finde ich dann endlich jemanden, der Wasser abgeben kann welches nicht schon wochenlang in Tonnen auf dem Dach steht. Durch Zufall ist es ein Arzt in dessen Praxis bei dem ich lande, von außen nicht zu erkennen. Ich hole also den Bus per Anhalter und wollte mal bei nem PickUp auf der Ladefläche mitfahren, höflich bietet man mir aber für die 500m den Beifahrersitz in einem alten Toyota an. Ich habe nur 5Kanister zu befüllen, 70Liter für Olli und mich sollte ein paar Tage reichen. Der Arzt ein netter Kerl in meinem Alter und sein Arbeitsplatz in einem sonst leeren Raum eine Pritsche, ein paar Stühle und ein Schreibtisch auf dem sein Stethoskop liegt. Dazu ne Blutdruckmanschette, das war’s. Die Apotheke nebenan, das reicht hier anscheinend. Er hat gleich Feierabend oder Mittagspause und wir haben uns bisher über vieles vom Alltag in Mauretanien unterhalten. Ich wollte was vom Ort sehen und er bietet mir an mich etwas zu begleiten. Wir reden über Schulen und Wasserversorgung, Lebensmittel und Mangelernährung, Wohnsituationen und Müllprobleme, Bevölkerungsgruppen und etwas Politik. Er wollte mich gerne zu seinen Eltern zum Essen einladen, ich will aber Olli nicht zu lange warten lassen und wir tauschen noch emails aus.

Endlich geht es raus aus der Stadt, die Grenze noch knapp 100km vor uns. Ein letztes Dorf folgt nur noch, deshalb bin ich besonders verwundert als ich mal einen Fahrradfahrer vor mir auf der Straße entdecke. Ich halte ihn an und rechne schon mit einem verrückten Europäer der gen Süden radelt. mit Lampen und Ersatzrädern ausgestattet, Warnweste und Fahrradhelm, aber nein, ein Einheimischer der in sein Dorf will… noch 70Kilometer!

Fahrräder hier ne Seltenheit, im Sand auch echt doof zu nutzen und den anderen Grund lerne ich hautnah am nächsten Tage kennen. Die Steppe ist echt nicht cool, findet auch Atlas. Kleine Fuckers hab ich sie genannt, das sind 5-8mm kleine mehrstachelige Sterne die barfuß gehen hier unmöglich machen. Mein armer Hund hat alle paar Meter einen davon zwischen den Pfoten und öfter schon habe ich ihn in den letzten Tagen tragen müssen. Die Dinger sind so stabil, die stechen sich sogar in Schuhsohlen und bleiben dort, der ganze Bus ist auch schon voll. Und bei meinem Fahrradausflug am nächsten Morgen hatte ich die Reifen voll damit, einige sind durchgegangen und ich kam mit zwei Platten zurück.
Wir campierten die letzte Nacht in Mauretanien auf dem Grund eines Sees. Ja richtig, Wasser, zumindest laut Karte.

Ein sehr weitläufiges Gebiet mit einem Wäldchen in der Mitte und eine Dorf auf der anderen Uferseite. Dazwischen Trampelpfade und Weideland für eine Vielzahl an Tieren. Und im Wäldchen gibt es wirklich noch einige Wasserläufe sogar mit Seerosen, was dauerhaftes Nass bezeugt.

Möglichkeit zum tränken und damit haufenweise Ziegen und Schafe sowie Esel und Kamele in der Umgebung, selbst richtige Pferde sehe ich. Der Wald aber teilweise auch abgestorben und mit dem etwas diffusen Licht heute eine sehr düstere Angelegenheit. Der Boden immer wieder schlammig und deshalb sicherlich auch nicht ideal.

Atlas‘ Interesse wird auch immer wieder von stinkendem Fisch geweckt, der vertrocknet den Weg aus dem Schlamm gefunden hat, nur leider den falschen… auf’s Trockene.

Der Seegrund wird immer wieder gut mit Gestrüpp geschützt zum Anbau von Gemüse genutzt, erstaunlich. Die Pflanzen alle noch nicht groß, heißt noch nicht alt, Wasser zum bewässern gibt es in nahegelegenen 1m tief gegrabenen Löchern.

Auf der anderen Uferseite neben dem Dorf sogar ein richtiges Maisfeld, das anscheinend die halbe Dorfbevölkerung arbeiten lässt. Ich sehe und höre überall dazwischen Menschen, die mit Rasseln wohl Fressfeinde verscheuchen, Wasser schleppen und anderweitig pflegen und bewachen. Die Hütten am Rand zeugen von rund um die Uhr Service.

Im Dorf dann einige Nutztiere auch in sehr sehenswerte Gatter gesperrt. Die meisten Tiere bewegen sich aber frei. Nur die Kleinsten brauchen wohl noch Schutz.

Denn hinter diesem hübschen Verschlag aus massig Holz, welches hier sonst keine Verwendung findet, freut sich dieser kleine Kerl über Abwechslung. Genauso an einem Bein angebunden wie das Kälbchen daneben, ohne Aussicht auf einen grünen Halm in der Umgebung.

Das Leben ist hart und karg hier, ein typisches Grundstück wie schon einmal beschrieben, eingezäunt und nomadisch geprägt mit Wohnzelt und Terasse.

Der Gesamteindruck vom Dorf sehr ursprünglich, kaum Müll (sie leben wohl wirklich von ihren Erzeugnissen und es fällt kein/kaum Plastik an), keine Straße (das hier ist der Hauptweg) und mit einigen Schattenspendern. Die Häuser alle ähnlich.

Ab hier war mein Ausflug mit dem Fahrrad dann ein Heimwandern… 2-3Kilometer… und nach dem Frühstück für unsere kleine Reisegruppe wieder ab auf die Piste. Straße kann man das hier echt nicht nennen. Immer wieder Schlaglöcher und halb aufgerissenen Asphalt. Zu häufig um unkonzentriert oder schneller als 50km/h zu fahren. Bremsbereit sein und um auf den Seitenstreifen ausweichen zu können.

Weit ist es nicht mehr…

2 Gedanken zu “Savannenlandschaft Richtung Grenze Mali

  1. Oliver Marx schreibt:

    Lieber Philipp,
    vielen herzlichen Dank für Deine interessanten Berichte! Wenn ich sehe, was Du Deinem 407D alles zumutest und mit ihm alles unternimmst, dann könnte ich das mit meinem 308D (Baujahr 1989) auch noch machen. Vielen Dank noch für die Mühe, die Du Dir mit Deinen Berichten und Fotos machst. Auf jeden Fall wünsche ich Dir und Deiner Freundin allzeit gute Reise und gute Fahrt und auf das Düdo noch lange durchhalten wird!
    Viele Grüße aus Herrenberg,
    Oliver

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