Steppe in Mauretanien

Wir haben alles erledigt und auf geht es mit wenigstens einer minimalen Richtungsänderung seit Wochen. SüdOst heißt es in Zukunft und damit Landeinwärts. Die Straße raus aus der Stadt wieder chaotisch. Später hinter der Stadt jedoch wird dem Ganzen noch die Krone aufgesetzt. Die Straße ist ne Baustelle und bleibt während dessen in Nutzung. Da kommen dir Pistenschieber und Planierraupen entgegen und jeder überholt wo er persönlich ne Möglichkeit sieht.

Ein Stück weiter waren die Arbeiten noch nicht ganz so weit, hier wurde erstmal der alte Asphalt aufgerissen, Warnschilder Fehlanzeige… Ich hab mich dann mal für die Gegenfahrbahn entschieden und hatte Glück dass niemand kam.

Aber die Jungs haben alles im Griff, Profis im Straßenbau würde ich behaupten. Ich weiß zwar nicht, warum der Kipper hier in sich verdreht und verbogen sowie halb von der Baustelle gerutscht am Rand parkt, aber kann ja mal passieren.

Oder die Lieferanten vom Baumaterial behindern sich gegenseitig und bringen alles zum Stillstand…

Aber irgendwann war auch diese Erfahrung als unbeschadet überstanden abgehakt. Wenigstens wird sich in Zukunft die Qualität der fertigen Straße deutlich vom vorherigen Zustand abheben (müssen) / schlechter ging auch nicht. Bei uns rollte es also… aus. Ich bekomme keine Gänge mehr rein und typisch Düdo, kleine Ursache, große Wirkung. Die Buchsen vom Schaltgestänge, die ich Allen immer als Ersatzteile empfehle haben sich verabschiedet. Innerhalb 10Minuten getauscht und weiter.

Doch irgendwie macht meine Technik nicht ganz das was sie soll, hakelige Schaltung immer noch. Ich fette den Schaltbock und Schalthebel, danach läuft es besser, fast wie neu. Ein komisches Geräusch macht sich nur bemerkbar, wimmert leicht. Ist schon ne Weile da und wird stärker, sollte noch ein paar Tage so bleiben…
Die Straßen hier verlangen nicht nur der Technik alles ab. Ich musst sogar meine Federbrieden nachziehen, da sich die selbstsichernden Muttern mit Limesringen gelöst haben, uncool. Werde in Zukunft also nur noch Kontermuttern verwenden. Wie gesagt, nicht nur Fahrzeuge müssen hier dran glauben. Auch haufenweise Viehzeugs, meist Ziegen, Esel und Rinder verenden am Straßenrand. Vereinzelt als Gerippe mit Lederummantelung in der Sonne getrocknet und keiner räumt hier auf. Hunderte in den letzten Tagen gesehen, keine Seltenheit und großes Unfallrisiko. Doch diese Gruppe hier musste ich mal ablichten.

Eine lebt und liegt entspannt zwischen ihren alten Kameraden… oder hat sonst Gesellschaft nötig, traurig anzusehen. Vor allem weist keines der Kadaver Verletzungen auf, also wahrscheinlich den Transport nicht überlebt oder zu schwach gewesen und hier ausgesondert? Tierrechte kennt hier niemand. Solche Transporte im LKW sind hier nötig und üblich, die Herden werden zum Weiden raus in die Steppe gefahren. Überall finden sich solche sandig aufgehäuften Rampen neben der Fahrbahn.

Die Laster muss man sich mal genauer ansehen, oder lieber nicht wenn man weiterhin optimistisch auf der Hauptverkehrsstraße Richtung Mali unterwegs ist. Ich glaub hier darf im Straßenverkehr sowieso jeder machen was er will. Anzahl der Mitfahrer egal, Zustand des KFZ egal, Beladung kennt keine Grenzen… überladen dementsprechend auch nicht. Der hier hat mich überholt und hörbar geschliffen. Ersatzrad und Sitz mit nem Seil an dem anderen Zeug verschnürt… ich halte Abstand.

Die Aussichten jenseits des Straßengrabens teilweise idyllisch, wer auf sandige Dörfer steht. Straßengraben wäre übertrieben… neben der Piste liegt feinster Sahara-Sand und sollte tunlichst nicht befahren werden, bei der Fahrbahnbreite immer ein Angstspiel mit dem entgegenkommenden LKW.

So ziehen sich also die Kilometer bis ein Schlafplatz her muss. In Boutlimit fanden wir nix essbares außer pur gegrilltes Fleisch am Straßenrand.. hängend und mit Fliegen vor dem Sand konserviert…oder so ähnlich. Hinterm Ort fanden wir immerhin ein schön abgelegenes Plätzchen, per Piste in die Savanne. Gute Nacht.
Doch der knurrende Magen verlangt vorab was Vollwertiges. Zeit wird es mal die Reserven anzutasten. Heute gab es handgemachte Semmelknödel mit Rotkraut und Gulasch… typisch deutsch bei sommerlichen Temperaturen die Nachts nur noch ein Laken erfordern. Das Leben ist schon hart…

War schon schwer gestern Abend überhaupt nen Weg von der Hauptstraße in die Natur zu finden. Spuren findet man überall, wer abbiegen mag braucht halt nur nen 4×4. Wir hatten gestern aber noch Glück und morgens dann nochmal diese Aussicht.

Irgendwie deutlich besser zu fahren als die kommenden Kilometer Straße. Ein einziges Rütteln und klappern, Reisegeschwindigkeit diesseits der 50 und auch nur wegen meines recht weichen Fahrwerks und der sanften Reifen. Alleine dafür hatte sich der Umbau gelohnt. Olli im 613er musste es langsamer angehen lassen um nicht sein Innenausbau zu opfern.

kann man sich echt nur in bewegt vorstellen. Und sichtbar am Überholenden, auf dem ausgefahrenen Randstreifen fährt es sich besser als auf dem Asphalt.

https://player.vimeo.com/video/253106564

Wir tuckern also durch die Gegend und wenn man nicht auf Schlaglöcher achtet könnte die Umgebung interessant sein. Die Landschaft ändert sich, es wird zwar nicht weniger sandig, nur die Dünen fehlen langsam und dafür gibt es vermehrt Bäume und trockene Gräser. Viehherden machen diese aber meist sofort zunichte und brauchen noch viel wichtiger nen Haufen Wasser, doch woher nehmen? Eine Ansammlung von allen möglichen Herden entdeckte ich hier. Die Gegend zwischen Sangrafa und Kiffa hat mehr Vegetation zu bieten, Ergo mehr Vieh und das braucht Wasser.

Ein locker hundert Meter tiefer Brunnen, der mit Eselkraft per Seil über eine Holzrolle eine betonierte Tränke füllt. Artig warten die Herden bis sie ran kommen. Interessantes Schauspiel und die Akteure freut mein Interesse.

Tagsüber ist es nun richtig heiß, man muss entweder im Schatten ausruhen oder den Fahrtwind im Bus nutzen. Ein Mittagsschläfchen also unmöglich. Zu sehen gibt es auch nicht viel, also kommen wir obwohl langsam trotzdem stetig gut voran. Das Leben hier auf dem Land ist eher karg. Kein Wunder warum Gemüse nicht in der einheimischen Küche vorkommt. Ein Garten eines hübschen Häuschens sieht so aus.

Umzäunt und sandig, frei von Ziegen- oder Kamelscheiße. Dadurch auch der Baum mit etwas grün als Schattenspender tauglich. Die Familie nimmt Mahlzeiten und Pausen aber nomadisch im Zelt vor dem Haus ein. Keine Seltenheit, sondern häufiger auf Grundstücken zu sehen als Häuser. Hübsch wie hier als Pyramidendach, oder klassisch und aus Plane oder Wellblech mit Satteldach. rein kommen dann Polster und Teppiche und ebenso sehen Restaurants am Straßenrand aus. Ausprobieren konnten wir es aber noch nicht. Das Fleisch hat uns entweder roh nicht zugesagt oder zubereitet zwar Fliegenfrei aber auch nicht besser ausgesehen.
Zur Abwechslung und für das gute Gefühl liegt mal wieder Wind und Sand in der Luft. Man sieht den Horizont kaum und der einheitliche Farbton nervt langsam.

Unser Nachtlager irgendwo zwischen Aleg und Kiffa. Wir konnten die Straße verlassen und in einer Ebene an einem Zaun entlang was abgelegenes finden. Ein Zaun im Nirgendwo, schaue ich mir beim Gassi am nächsten Morgen genauer an. Die Umrundung dauert über eine Stunde und es gab nicht ein einziges Tor hinein. Hier hat nur jemand sein Land vor Abgrasung schützen wollen. Und wie man mit leichtem Farbschimmer erkennt sind hier verdorrte Gräser auf der unerreichbaren Seite. Nach der Regenzeit wahrscheinlich sattes Grün.

Feuchtigkeit gibt es noch nicht viel und deshalb auch kaum Mücken. Meine Malaria-Prophylaxe hab ich aber mal aufgebaut. USAid sponsorte wohl diese Netze und wurden in der Hauptstadt überall am Straßenrand verkauft. Olli hat eine Konstruktion aus China, ähnlich einem Wurfzelt im Bus stehen.

Die Gegend hat zwar eigenen Charme aber leben wollen würde ich hier nicht. Flach, trocken und sandig. Auch diese selbstmordgefährdeten Esel sehen das anscheinend so. Der eine dreht sich wenigstens etwas weg als ich dran vorbeifahre. Die standen sonst einfach nur da.

Ortschaften sind doch vereinzelt anzutreffen, Ansammlungen von Hütten und Zelten, nomadisch geprägt immernoch. Wer von A nach B will nutzt die Sammeltaxis oder findet mit seinem Krempel irgendwo noch Platz. Und wenn man denkt alles gesehen zu haben geht immer noch was oben drauf, hier ne Eselkarre.

Wir schnuppern immer mal in den Geschäften vorbei und sind erstaunt. Meist Zeug aus Dosen oder Trockennahrung in Säcken. Brot gibt es einheimisch, sonst nix außer Fleisch, frei am Straßenrand. Ich kauf mal ne Handvoll aus den Auslagen eines zahnlosen Metzgers mit stumpfem Messer und abenteuerlichem Hackklotz. Kein Wunder warum wir wirklich noch nix probieren wollten.

Ich kenne da aber jemanden der sich tierisch freut mal weg vom Trockenfutter zu kommen, Atlas hat seine Freude und muss seine Beute sogar vor Krähen beschützen. Wir haben einen notgedrungenen Stop einlegen müssen. Mein zuletzt bemerktes Geräusch ist jetzt zwar weg, dafür aber Gummigestank anwesend. Ich ahne es und habe Recht, mein Mittenlager der Kardanwelle hat sich verabschiedet. Gefressen und die Vibrationsdämmung weggerissen und krümelig verteilt. erstaunlich ruhig lief die Karre trotzdem, oder ich habe es aufgrund der Straßenverhältnisse überhört.

Zum Glück habe ich Ersatz dabei, gut vorbereitet auf Reisen, denn ohne ginge es sonst nicht weiter! Die Kardan also ausgebaut, das Kreuzgelenk runter gezogen und siehe da… Scheiße, das Ersatzteil ist zu groß. habe eines vom 508 erwischt, die haben nen größeren Durchmesser als der 407. Es hilft nix, muss so verbaut werden, mangels Alternativen.

Buchsen drehen kann man hier vergessen, mit anderem Material auffüllen würde es eher schlechter machen, die Passung ist in verbautem Zustand besser als gedacht, ich halte zukünftig nach Ersatz auf von Bremern Ausschau. Es läuft wieder. Der Bastelplatz auch ein ruhiger Schlafplatz und dank vereinzeltem Baum auch Slackline möglich. Herrliche Weite..,

Uns hält also nicht viel, wir kommen gut voran und machen trotzdem gemütlich. Die nächsten Blogs werden etwas auf sich warten lassen, die Verbindung mit Internet ist wenn existent doch sehr bescheiden. Telefonempfang gibt es aber überall entlang der Strecke, nur mit Daten hapert es gewaltig. Es geht aber weiter… versprochen.

2 Gedanken zu “Steppe in Mauretanien

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