Roadtrip im Sandland Mauretanien

Es gibt von hier aus eigentlich auch nur zwei Richtungen. Den Gleisen des Erz-Zuges folgend nach Westen was hier hunderte Kilometer Piste weiter in die Wüste bedeuten würde, oder wir entscheiden uns für die Straße nach Süden Richtung Hauptstadt. Die RN4 auch Trans Sahara genannt gibt es erst knapp 10Jahre, wurde mit EU-Geldern finanziert und ermöglicht nun eine relativ entspannte Reise nach Nouakchott, was immerhin auch noch 400km entfernt liegt. Wir haben schon den fortgeschrittenen Nachmittag den wir aus Nouadhibou gestartet sind und haben im Ort Bou Lanouar unsere Wasservorräte aufgefüllt. Eine der wenigen und Guten Grundwasserquellen im Lande und Wasser wird von hier in Tankwagen überall hin transportiert.
Ein Foto vom Ort fehlt, nix besonderes, kleine Buden an der Straße und eine kleine Piste ins „Zentrum“ prompt habe ich mich da natürlich fest gefahren und dann später doch Wasser im Kanister geschleppt. Dank zweitem Fahrzeug und Slackline war die Bergung eine Sache von Minuten… und wieder der Gedanke „ohne Hänger hätte das vielleicht funktioniert“.
Unsere ersten Eindrücke von ländlichen Siedlungen sind hier vertraute kleine und verlassene Hütten unweit der Straße, die wohl als Heilsbringer betrachtet wurde. Da der meiste Verkehr aber zielstrebig durch braust bleibt wenig für die Nomaden am Rand, die immer wieder mit Herbergen oder ner Feuerstelle davor, also nem Restaurant werben. Ohne 4×4 gibt es aber abseits des Asphalts nichtmal ne Möglichkeit anzuhalten.

Der Verkehr besteht aus Lastern oder Kleinbussen bis zum bersten bepackt und oben aufgetürmt. Wunderlicher Weise alles moderne Toyota Hiace und damit ein Quantensprung zu den in Marokko genutzten Mercedes T1 „Bremer“. Was die Straßenverhältnisse angeht überleben die Dinger hier aber wahrscheinlich auch nur noch ein paar Jahre, Schlaglöcher in denen mal ganze Altreifen entsorgen könnte zu Hauf, wir haben definitiv nicht vor das in der Dunkelheit auszuprobieren. Geschwindigkeiten jenseits der 60km/h sind hier schon unangebracht für vorausschauendes Fahren. Wir halten also zeitnah Ausschau nach nem Platz für die Nacht und finden eine ebenere Region mit Steinchen statt sandigem Boden neben uns. Die Besichtigung bestanden wagen wir den Sprung in die Wüste.

Und werden mit zwei einzelnen Bäumen als hübsche Kulisse belohnt. Sehr stachelige Kameraden und viel anderes gibt es in der Umgebung nciht zu entdecken. Atlas tobt ne Weile im Sand herum und denkt sich auch schnell… „wie öde“

Aber wenn man schonmal die Möglichkeit hat, soll sie auch genutzt werden. Die Slackline mal nicht als Abschleppseil missbraucht in ihrer wahren Bestimmung genutzt.

Der Verkehr wird nachts merklich ruhiger, und der Mond eine minimale liegende Sichel. Totale Ruhe hier und massig Sterne zu gucken, leider nicht das richtige Equipment zum knipsen. Trotzdem mit den beleuchteten Bussen eine interessante wenn auch aufgehellte und verpixelte Ansicht.

Am nächsten Morgen dann ziemlich heftiger Wind, noch kein Sandsturm aber der üble beständige Träger kleiner Körnchen die alles liegengebliebene recht schnell in eine Düne verwandeln. Der Monat des Windes wird der Januar in Mauretanien genannt. Und er begleitet uns leider als Seitenwind den Großteil der Strecke. Fahren ist so eine Tortur und jeder entgegenkommende Laster ein gefährliches Manöver. Wenige Zentimeter dazwischen und ausweichen bedeutet die Räder möglicherweise am ausgefransten Asphalt aufzuschlitzen… Echt ermüdend und jede Abwechslung und Pause willkommen.

Wer meine homepage aufmerksam studiert hat weiß, dass mit solch einem QEK Junior meine Reiselust begann. Wie sich das GfK-Ei aus ostdeutscher Produktion hierher verirrt hat ist mir aber ein Rätsel, muss schon ne Weile her sein. Aktuell werden dafür in Deutschland Preise gezahlt, da lohnt sich die Ausfuhr nicht. Viel dran zu retten ist nicht, aber vielleicht nehme ich aber auf dem Rückweg die Kederschiene mit. Man kann auch super sehen wie sich der Sand durch den Wind bewegt seine Plätze sucht.

Im Windschatten vom Tür- und Fensterlosen Wohnwagen versteckt sich ein grüner Kumpel, mit ganz schön beweglichem Kopf und höllisch bewaffneter Arme. Fliegen wäre heute auch eine dumme Idee, also lassen wir ihn in Ruhe sitzen.

Mit Chami eröffnet sich vor uns eine Oase im Nichts. Stundenlang nur Asphalt, Sand und vereinzelte Büsche. Doch dann plötzlich breite Straße, Gehsteige und solarbetriebene Laternen. So ziemlich die einzige Ortschaft auf der Strecke bis zur Hauptstadt.

Im Zentrum natürlich Tankstelle und Markt, Umschlagplatz für Waren und Passagiere. Wie wir vorgewarnt wurden aber kaum Möglichkeiten nen Snack zu sich zu nehmen. Imbissbuden Mangelware und das Einzige wie bisher überall gesehen nen Grill belegt mit Fleisch, ohne Alles. Nichtmal eine Sauce dazu. Hier im Bild sogar mit dem Grillgut der nächsten Wochen und dem Nachwuchs der es dann wohl im nächsten Jahr schafft.

Der Markt dann mit dem üblichen Ramsch, Viel Zeug aus Plastik, etwas Obst und Brot auch zu finden. Nebenan Werkstätten und Ersatzteilverkauf, abwechslungsreich ist anders, jeder zweite Stand hat quasi das gleiche im Angebot… und davon gibt es hier Hunderte. Volltanken und Weiter geht es bis die Langeweile wieder zu einem Stop nötigt. Die Sonne steht zum Glück hoch über uns, scheint nicht frontal ins Fenster und trotzdem sind die Temperaturen schon sehr sommerlich. Die 30 Grad sind geknackt und am Nachmittag ist es am schlimmsten. Sonnencreme nötig und nur der Wind bringt etwas milde. Wir sind definitiv in der Wüste, Sand ist überall auch im Bus natürlich. Wenn man den Mund aufmacht knirscht es danach… Turban wäre echt sinnvoll. Unsere nächste Pause mal wieder da wo es machbar ist die Straße zu verlassen. Anzumerken noch die etlichen Autowracks am Rand der Straße. Viele schon komplett ausgeweidet und Jahre alt. Schnell fahren war den Mauretaniern vor dem Bau der Straße wohl noch unbekannt. Wracks bergen lohnt wohl nicht und in der Summe haben wir ohne Übertreibung schon hunderte passiert. Locker jede Minute findet man eines in seinem Blickfeld.

Ein Schläfchen wäre jetzt angebracht, Bewegung tut aber auch mal gut und so mache ich mich mit Atlas auf den Weg weg von der Straße. Bin gespannt was es dort so zu entdecken gibt… Ernüchterung. Wüste halt und genauso wie direkt neben der Straße sieht es auch nen Kilometer weiter aus… bis zum Horizont in alle Richtungen. Spuren von Leben fand ich wenige. Und selbst die Ameisen bauen hier windgeschützt eher unterirdisch als nen Haufen.

Der Tag neigt sich schon wieder dem Ende, wir hatten auch nciht vor heut ins Getümmel der Großstadt einzusteigen, heben uns dass für Morgen Mittag auf und haben keine 100km mehr vor uns. Schlafplatzsuche also. Wir kommen wieder der Küste näher und die ist hier Nationalpark und auch so richtig nur mit Allrad zu erreichen. Einen interessanten Punkt habe ich aber auf der Karte gefunden, die alte Route nach Nouakchott und damit ist die Ebbsandpiste am Strand gemeint. Mehr dazu im nächsten Blog, der Einstieg von Süden endet auf der RN4 und damit für uns ein Stück machbar.

Ein Stück nicht nur wegen der sehr buckeligen Fahrbahn die die ganze Karre durchrüttelt… Das wäre ja noch auszuhalten und mit Geduld irgendwann überstanden. Wieder mal ist Sand der Grund und das Übel hier zu scheitern. Eine 50cm hohe Verwehung mit knapp 5Metern Länge… sportlicher Ehrgeiz und das heißt nicht beim Wegschaufeln… Ich schau mal was der Bus ohne Anhänger machen würde.

Naja, Wüstenschiff war dann wohl doch ne sehr optimistische Benennung vom Dicken, es fehlt einfach an Leistung, und mindestens zwei weiteren angetriebenen Rädern. Mit nem Düdo ginge das vielleicht mit 1000kg weniger Zuladung, kurzem Radstand und 200Nm mehr Drehmoment, dann könnten sich meine fetten Schlappen schön durchwühlen. Experiment selbst wenn missglückt aber lehrreich.

und bitte spart jetzt mit Tips und Ratschlägen wie Luft ablassen und Sandbleche nutzen etc… ich wollte mal total blauäugig probieren. Und hab dafür nen sehr Exklusiven Schlafplatz gefunden.

Ein Gedanke zu “Roadtrip im Sandland Mauretanien

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