Nouadhibou …

Die ersten Kilometer in Mauretanien waren also nicht anders als die letzten in Marokko, wie auch, Sand kennt keine Grenzen. Wir machten den Abstecher auf de Halbinsel nach Nouadhibou und mussten dafür von der Hauptroute abbiegen, hier mal wider ein Kontrollposten von Militär, Polizei, Zoll oder sonst einer Truppe. Das hält auf aber wir waren mit vorbereiteten Formularen gut vorbereitet. Zeitdruck haben wir zwar nie aber ich sah vorhin was am Horizont, was ich gerne einholen würde. Einer der schwersten und längsten Züge der Erde hat hier am Hafen seine Endstation um Erz aus dem 700km entfernten Bergbaugebiet stundenlang geradeaus zu ziehen. Vollgas und Rückenwind, in freier Wildbahn müssen die Bilder gigantisch sein. Wir schaffen es und halten strategisch günstig, fast schon wie perfekt organisiert, da der Zug genau dort zur letzten Weichenstellung vor der Stadt anhält… besser geht mal wieder nicht.

Vier fette Loks und unzählbare Waggons soweit das Auge reicht. Bremsweg sind wohl drei Kilometer hab ich gelesen. Eine bessere Kulisse kann man sich für das Bild oben wohl nicht vorstellen. Erwähnenswerte Besonderheit noch, entlang der Strecke gibt es eine sandige und auch reifenmordende Piste die man begleitend fahren könnte. Oder mit dem Auto Huckepack auf dem Zug, nur dort ist quasi Endstation, gibt nicht viel zu sehen und ohne Allrad kommt man auch nicht wieder raus.

Ebenso ist Nouadhibou eine Sackgasse, doch wir haben geplant für eine Nacht einen CP anzusteuern und unsere Besorgungen zu machen. Unser Visa zum Glück für 30Tage ausgestellt müssen wir nur Geld wechseln und eine KFZ-Versicherung abschließen. Viel Verkehr ist vor der Stadtgrenze nicht, wohin auch. Es besteht die Option zur Grenze oder in die 500km entfernte Hauptstadt zu fahren. In der Stadt allerdings ist die Hölle los. Wir folgen der Hauptstraße zuerst durch einen stinkenden Vorort wo Ziegen und Schafe am Straßenrand gezüchtet und verkauft werden. Dann wie überall Bautätigkeit an jeder Ecke. Chaotischer Verkehr ist milde ausgedrückt, Anarchie schon eher.

Lieber wachsam hab ich kaum was geknipst, neben Eselkarren und Schrottautos fährt jeder wie er will. Spontanes Abbiegen oder Ausparken und bis zum einordnen die Gegenfahrbahn nutzen völlig normal hier. Ampeln nur grobe Empfehlungen und Vorfahrtsregeln Situationsbezogen, heißt der stärkere, größere oder vehementere gewinnt. Quasi der Gesamtsieger aller Klassen.

Wir finden (wenn auch mit versteckter Einfahrt) den empfohlenen CP der eigentlich nur ein sandiger Hof ist. Der Kerl war mir auf den ersten Blick unsympathisch und hatte eher keine Lust auf „Arbeit“ Entgegen der Preise aus dem Führer verlangte er aktuell auch das doppelte und damit umgerechnet 12Euro für eine Nacht… nö Danke! Wir ziehen ab und versuchen Option B. Auch dieser Campingplatz Abba, existierte irgendwann mal. Die Mauer mit Zeichnungen steht noch, dahinter Sand und Schutt, Reste eines rostigen Tores… hier stand schon jahrelang niemand mehr… Also kümmern wir uns hier im Zentrum um Geld und suchen was freies zum Stehen.
Jedoch scheitern wir schon an der ersten Hürde, die Banken haben zu, logisch Freitag Nachmittag… aber auch die Automaten spucken nirgends was aus. Wir haben eine Versicherung gefunden, aber ohne Moos nix los. Also verschieben wir diese Pläne auf Morgen und wollen zum Strand. Doch im Süden erstmal Industrie, wir sind vorgewarnt und sehen etliche Schiffswracks in der Bucht die hier illegal entsorgt wurden. Laguera zeigt meine App einige Ruinen und ne alte Festung an, sightseeing wenn schon nix anderes lockt. Jedoch kommen wir nicht so weit, militärisch abgeriegelt… wir sind nun schon bei Plan E.

Es gibt südlich ein Kap mit Strand und Leuchtturm, doch auch irgendwie keine Straße hin ohne wieder durch Hafen und Industriegebiete zu fahren. Wir machen mal Pause an einem ruhigen Stück Küste bei Cansado.

Es reicht für heute, die Gegend ist ruhig, wir haben die Besorgungen auf Morgen verschoben, dann bloß raus aus der Stadt. Hier ist ein für hiesige Verhältnisse gepflegter Vorort, ich war mit Atlas die Gegend erkunden. Ein Hotel mit 70er Jahre Charme in Sichtweite, wir dürften als Plan G sogar bei denen an der Mauer stehen falls uns jemand von der Küste wegschickt. Aber es interessiert niemanden und wir haben einen ruhigen Abend mit Blick auf hunderte rückkehrende Fischerboote und etliche größere Kähne, gut was los hier auf dem Wasser.

Viele Chinesen haben hier investiert und geben Entwicklungshilfe. Es soll auch ein Chinarestaurant geben, das wäre mal ne tolle Abwechslung, leider ist das auch keine aktuelle Info und der Laden nur noch am alten Schild zu erkennen. Wir starten also erneut durch die Stadt und hatten an der ersten Bank kein Glück, geschlossen obwohl eigentlich offen, aber kein Strom… keine Bank.

Die nächsten 2-5 Banken können uns auch nicht helfen. Olli scheitert mit seinen Karten, ich mit meinem Bargeld… echt wahr hier kann/will niemand Euros tauschen. Mir wurde mehrfach empfohlen Geld auf dem Schwarzmarkt zu tauschen, marche noir versteht mein französisch doch richtig? Immerhin finden wir eine Versicherung wo auch Euros direkt getauscht werden. Ich lass das aber erstmal und schaue was bei raus kommt. Viele Zettel und für 10Tage knapp 20,-Euro. Der Wechselkurs 1:415 oder 1:41,5 je nachdem wie man es sieht…

Das kuriose hier aktuell, zum Jahreswechsel stand ein Währungswechsel an, der Ouguiya ist nun anders gewertet und es gibt neue Scheine mit weniger Nullen. Die alten jedoch behalten noch ein halbes Jahr ihre Gültigkeit und man denkt sich einfach die letzte Null weg. Zur Zeit also ziemlich leicht jemanden um den Faktor 10 zu bescheißen.

Deshalb mein Beharren auf eine Bank und endlich auch mit Erfolg. Ich werde freundlich empfangen und sogar auf den Tee eingeladen den einige Mitarbeiter/Kunden? dort gerade trinken. Der Wechselkurs 1:43 und man zeigt mir alte und neue Scheine, ich nehme von allem etwas und bin nun gewappnet, falls die Info im Hinterland noch nicht durchgedrungen ist. Wir können also wieder starten.

Irgendwie gibt es in der Stadt wirklich nix zu sehen. Wir machen ein paar Einkäufe und sehen hauptsächlich marokkanische Erzeugnisse, polnische Milch, Chinesische Fertigmahlzeiten… spanisches Obst. Alles importiert und relativ teuer. Auch Telefon ist nun wieder in Funktion und mit Karte bei nur 2Gb knapp 4000 also 400 Ouguiya und damit fast 10,-Euro teuer. Der Empfang zwar 3G aber die Verbindung bescheiden. blogs müssen wohl etwas warten.

Wir halten noch an einer ruhigen Ecke mit Kunsthandwerk. der gelbe Bus davor wirkt irgendwie deplatziert. Eine Truppe werdender Lehrer aus einem europäischen Projekt reist damit grad nach Gambia und hat interessantes zu berichten und in Planung. Nicht die erste Tour und auch der Gelbe musste durchs holprige Niemandsland.

Wir tauschen uns ne Weile aus, sie leben ebenfalls in diesem Bus und haben ein interessantes SetUp. Die Sitze sind klappbar und abwechselnd ergeben sie ein Bett unten und eines drüber. Jedes zweite Gestell klappt hoch und ergibt also Etagenbetten. Mit zusätzlichen Matratzen etwas bequemer gemacht auch für dauerhaft. Ebenso wurde im hinteren Eck eine Sitzbank quer und eine Küche installiert. Etwas Chaotisch aber so sind wir auch manchmal.

Wir lassen die Stadt hinter uns und kehren zurück zur Kreuzung Grenze oder Hauptstadt… Es kann nur besser werden und wir geben Mauretanien noch ne Chance… auf in den Süden.

4 Gedanken zu “Nouadhibou …

  1. Hof Schwarzes Moor schreibt:

    Diese Bussitze, die du da beschreibst, gab es schon vor 35 bis 40 Jahren in der Fernreisebusbranche. Nur nicht in der BRD, da dort der Liegendtranport von von Menschen noch nicht erlaubt war. Wir haben damals solche Reisebusse hauptsächlich aus Frankreich getroffen. War ein gutes Konzept. Aber wann passt schon eine gute Idee nach BRD?

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