Oase Tigmert – Bou Jerif

Wir standen also vor der ersten optisch anspruchsvollen Herausforderung, die sich aber doch als harmlos herausstellte. Die Querung des Oued an der schmalen Betonfurt, war nur aufgrund der steilen Winkel und dem Gefälle anspruchsvoll. Es schafften alle im Konvoi problemlos und auch der Peugeot mit Frontantrieb schaffte es rüber und damit der Oase Tigmert ein Stück näher.

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Als Belohnung gönnten wir uns auf der anderen Seite schon in Sichtweite der Palmenoase eine Mittagspause bei sengender Hitze. Die aufgestaute hier kalte Quelle eine willkommene Abkühlung und der Sprung ins angenehme Nass ein Luxus den ich mich nicht erinnern kann im Sommer in der Heimat genossen zu haben. Anbaden 2017 oder von mir aus auch Abbaden kurz vorm Jahreswechsel.

Die Truppe spaltete sich hier und die Busse mit weiblicher Begleitung suchten den nahen Campingplatz auf um einen Tag zu Duschen und zu Waschen. Die Kerle hingegen folgten mir durch das Dickicht der kleinen Ansiedlungen zu einer Rundfahrt in die Oase. Kleine verschlungene Wege und tief hängende Palmenwedel, eingefallene Lehmgebäude und zwischendurch immer wieder Bewässerungsgräben und Dreietagen Landwirtschaft unter dem Palmendach.

Wir hielten zu einigen Erkundungen und waren gleichzeitig auch immer interessant für die Anwohner. Verirren sich wohl wenige Touristen in solch farbenfrohen Bussen abseits der Hauptroute zum Camping. Grün, beige, rot und blaue Mercedes hatten wir gegen Palmengrün, Lehmbeige, Dattelrot und Himmelblau der Natur gegenzusetzen.

Ich kannte vom letzten Besuch hier noch ein verstecktes Museum am anderen Ende der Oase und den alten Führer von dort trafen wir schon auf dem Souk vor einigen Tagen, erkannte mich am Bart wieder, logo. Manchmal scheint es hier, hat niemand was zu tun auf jeden Fall sitzt der Kerl als wenn er auf uns wartet und erwacht nun zum Leben. Er führt uns durch die Oase und zu der Karawanserei. Die alte Kasbah hier kürzlich renoviert und innen mit allerlei altem Gerümpel vollgehängt, Museum nennt man sowas hier.

Er zeigt auf dies und das und erklärt meist mit nur einem Wort was es ist, oder wozu diente. Fast schon komisch zu verfolgen, doch auch interessant durch die Exponate selbst. Es geht ins zweite Stockwerk und die Decken federn bei jedem Schritt. Klassischer Palmen-Lehm-Bau und gegen den Staub überall zerfressene Teppiche an Boden und Wänden. Im Hof geht es dann weiter und auch einiges von der früher hier stattfindenden Rallye Dakar zeigt er stolz.

Auf jeden Fall endet solch eine Tour grundsätzlich beim Tee, hier im Nomadenzelt, welches auf dem Hof steht.

Der „blaue Mann“ mit sehr rauchiger Stimme von der Wüste wie er meint, fragt auch direkt nach meiner Gazelle und meint damit wie so überall die Frau an der Seite, und damit Christie die zu Weihnachten mit Schnee und Frost bei ihrer Familie in New York ist. Wir dagegen genießen süßen Tee unterm Kamelhaarzelt und hören westafrikanische Musik aus einem antiken Radio. Der Kerl ist ein echter Saharoui und hat dafür sogar nen abgegriffenen Ausweis, wohnt jetzt immer noch nomadisch meist hier und beglückt Touristen. Es gibt sogar ein Gästebuch, in dem wir uns neben allen möglichen Besuchern verewigen. Die 15dH waren den Abstecher auf jeden Fall wert.

Doch für heute müssen wir weiter, können nicht frei in der Oase stehen bleiben und treffen uns morgen mit dem Rest zum erneuten Einkauf auf dem Souk wieder. Team blau will auch nochmal nach Guelmim und so bleiben wir zu dritt kurz nach Einbruch der Dunkelheit abseits der Straße weit weg von Allem und mit Erlaubnis des Bauern der sich auf den nachhause Weg macht neben seinem Terrain für die Nachtruhe. Natürlich mal wieder für’n Arsch und irgendwie haben die Uniformierten uns doch gefunden. Sicherheit etc.. wir dürfen hier nicht übernachten, auch wenn der Bauer es erlaubt sind sie doch die Polizei… blabla. Wir sollen zum Parkplatz des Marjane und damit des gigantischen bewachten Supermarktes kurz vor der Stadt fahren und diskutieren auch nicht weiter. Neben der Option Parkplatz der Polizei ist das die meist akzeptierte Freistehen Option in Marokko. Hier treffen wir auch Team blau wieder und weitere Camper… na super.

Aber egal, zweckdienlich und am Morgen stehen wir schon abfahrbereit für den Markttag bereit. Auch diesmal wieder Treffpunkt für die nächste Zusammenkunft denn der Jahreswechsel steht an (ich hänge wie üblich eine Woche mit dem Schreiben hinterher) Weitere Mitglieder der Vanlife Gruppe folgen und wir haben einen Platz am Fort Bou Jerif zum Silvesterabend ausgemacht.

Die Fahrt dahin erst auf Asphalt Richtung Plage Blanche und dann 9km holprige Piste bis zum alten Fort in Ruinen liegend. Die Strecke durch hügeliges und nur mit Kakteen bewachsenes Terrain echt außergewöhnlich öde. Atlas weiß wo es lang geht… Gassi

Das Ziel eine kleine Oase am Oued das später in Foum Assaka endet und damit auch im letzten Jahr schon Ziel war. Tolle Gegend dort und dank einiger Vorräte können wir ne Weile bleiben.

Man verteilt sich und der Platz ist super, abwechslungsreich fürs Auge und sowas von abgelegen, Ruhe in der Nacht garantiert. Das nächste Dorf locker 10Kilometer weg und auf dem abgelegenen Campingplatz um die Ecke auch nicht viel los. Paradies.

Olli testet seine Sandblech-Aussenküche und wir laden das gesammelte Brennholz vom Anhänger ab, hier gäbe es hauptsächlich Palmenwedel und Haben ist besser als Brauchen. Soll ja auch ein Feuerchen geben damit bis Mitternacht draussen verbracht werden kann. Der Plan wieder ein Buffet und jeder macht mit. Silvester wird ein gemütliches und besinnliches Fest. Auf viel Krawall hat keiner Bock, es gibt auch etwas Alkohol, hauptsächlich zum Anstoßen, was wir frei nach Schnauze einfach ne Stunde früher, also zu europäischer Zeit tätigen… um relativ zeitig ins Bett zu kommen. Man könnte meinen wir werden alt, haben aber einfach die Ruhe weg und erfreuen uns an jedem Tag, egal was der Kalender sagt. Bilder gibt’s auch nicht, war dunkel, kein Feuerwerk sowieso, Frohes Neues und das übliche wie Gesundheit und mehr Freizeit…

2018 begann dann herrlich und ohne die üblichen Nachwehen der deutschen zu diesem Termin. Hier kann man sich echt entspannen, wäre da nicht die weit und breit einzige Querungsmöglichkeit des Flussbettes und damit Verkehr von Offroad-Touristen, die sich im Gegenzug denken werden, was bloß die ganzen Hippies hier machen. Die Piste P1300 dann als Alternative zum Asphalt nach Plage Blanche gerne genutzt und auch eine kuriose Truppe passiert das Camp. Eine Schar von Enten italienischer Abstammung holpert die steinige Auffahrt hoch. Das muss ich mir näher angucken und werfe mich auf die Schwalbe um Enten zu jagen. Kein Problem und das Zweirad sucht sich seine Spur.

Wenn schon mal unterwegs, kann ich auch gleich den Anlauf bis zum Ozan nutzen und holpere weiter durch die einsame Gegend.

Sprit hab ich genug, vor nem Platten keine Angst und genug Wasser dank des Trinkrucksacks auch dabei. Was soll passieren und ich kann mich hier nicht verirren, genieße die Einsamkeit. Doch bis Foum Assaka komme ich nicht ganz, obwohl ich das Meer schon sehen kann. An den letzten Bergen schon Leistungsverlust, nun bis hin zum Totalversagen. Diagnose Vergaser zieht Luft und der optische Check bestätigt sich mit einer kleinen Pfütze auf dem Motor. Der Benzinschlauch ist drauf, die Holperei hat nur leider das Winkelstück zum Einlauf nicht überlebt und knickt bei bloßer Berührung ab, na super. Kleine Ursache, große Wirkung, ich werde dann mal schieben bergab rollen, das Camp nur 9km entfernt.

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