Volubilis – die Römer sind los.

Ich muss mal etwas vorspulen… wir starteten gestern in Chefchaouen und machten nen Zwischenstop in Ouazzane, Hammam stand auf der Agenda und Telefonkarten gibt es nun auch einsatzbereit. Hübsches ähnlich konzipiertes Städtchen an einem Hügel gelegen, nur viel weniger Touristen dort. Quasi das Tor zum Rif, denn dahinter beginnt von hier aus eine Ebene mit Millionen von Olivenbäumen.

Wir hielten auch auf unserem Weg mal an einer der zahlreichen Olivenpressen an. Ich durfte die recht moderne Anlage bestaunen. Vor dem Eingang stapeln sich triefende Säcke mit frisch geernteten Oliven aus der Umgebung. Mit Eseln oder auf Handkarren angeschleppt warten die Besitzer auf die Umwandlung in Öl. Neben dem Gebäude stapelt sich der trockene Trester, der zu Düngezwecken genutzt wird. Die bunt gemischten Früchte, ob schwarz, rot oder grün, gehen alle durch eine Waschanlage und über Förderbänder in voll automatische Kutter und Pressen. Das Ergebnis fruchtig, gelblich und frisch. Es gibt zahlreiche solcher Zentren, denn nicht jeder hat eine Presse auf der Farm. Ich sah aber auch am Straßenrand eine mit Eselantrieb für den großen Mahlstein und Palmenmatten zum Trester pressen über Hebel und Schwerkraft ähnlich dieser Abbildung.

Wir schafften auf jeden Fall noch kurz vor Dunkelheit unsere Fahrt zur römischen Ausgrabungsstätte Volubilis. Auf dem Parkplatz durften wir nicht übernachten, war auch vor zwei Jahren schon so, kannte aber eine Stelle südlich davon, abgelegen in den Oliven. Der Boden leider nicht ganz trocken, keine Lust auf Experimente, wir bleiben einfach auf der Brücke stehen, genug Platz und ganz wenig Verkehr in dieser Richtung. Auch mal ein interessanter Stellplatz mit leichtem Plätschern des schwarzen Baches. Tiefschwarz, wahrscheinlich von Olivenresten.

Der Gassigang am Morgen dann der erste Vorgeschmack auf die angrenzende Ausgrabungsstätte. Der Zaun nebenan hat ein Loch und so gehe ich mit Hundchen schonmal kurz gucken. Der Bereich hier unten wird noch als Ziegenwiese benutzt wie es scheint, Atlas im Gerüche Paradies. Meine Begleiter schlafen etwas länger und so nutze ich die Gegebenheit
zum Bettwäsche auslüften und Teppiche klopfen. Hausputz bei Sonnenschein, der die Nachtfrische schnell vertreibt.
Gegen Mittag stoßen wir dann zu den anderen Touristen auf den Parkplatz der immerhin halb so viel kostet wie der Eintritt in dieses große Freilichtmuseum. 1,-€ um genau zu sein und jeden Cent wert. Ich war mit Christie schonmal gegen Februar oder März hier und die Säulen und Ruinen waren komplett von frischen Frühlingsblühern umschlossen. Jetzt eher Dürre nach dem Sommer und auch passend zur überwiegend sandfarbenen Szenerie. Volubilis mit damals 10.000 Einwohnern eine der südwestlichsten Ansiedlungen im Römischen Reich.

Wir bewegen uns frei und gegen den Strom, es kam grad eine Truppe geführter Motorradreisender und auch sonst ist es ratsam sich die Kracher bis zum Schluss aufzusparen und rechts herum zu gehen. Wir starten also unseren historischen Rundgang mit gut erhaltenen Mosaiken ohne jeglichen Schutz vor Umwelteinflüssen. Tolles Bild.

Wer auf viele bunte kleine Steinchen steht wird erstaunt sein, was hier alles mythologisch dargestellt wird. Mosaiks gibt es so einige.

Diesmal können wir sogar Arbeiter bestaunen die etwas zum Erhalt beitragen. Ohne Pflege wäre das ganze Areal wohl in wenigen Jahren zugewachsen oder vom Winde verweht. Ein Großteil der Säulen und Steine wurde früher schon zum Bau von Palästen und Moscheen entwendet. Viel ist nicht mehr übrig. Meine Fotoanfrage an die Restaurateure wurde stolz akzeptiert und die Herren mit wichtigem Auftrag wie das Plakat schreibt werfen sich gerne in Pose.

Von den einst herrschaftlichen Wohnhäusern ist nur noch wenig übrig, die Gegebenheiten aber lassen Rückschlüsse ziehen. Tolle Hütte damals. Und nebenan gleich eine Therme mit Unterirdischer Wasserversorgung und Fußbodenheizung.

Eine interessante Skulptur hatte uns noch Rätsel aufgegeben… was es darstellt steht ausser Frage, aber warum hier? Mitten drin und gut abgegriffen.

Wie sich später durch einen Führer herausstellt war das wohl die Werbetafel für ein Bordell, andererseits erzählte er auch was von Fruchtbarkeit und Nachwuchs produzieren. Wer dazu vielleicht historisches Wissen hat, rein in die Kommentare. Abschließend noch ein Überblick mit dem großen Tempel. Echt sehenswert und sollte nicht verpasst werden.

Wir ziehen weiter und wollen Richtung Khemisset. Als Option stünde die Hauptroute vorbei an Meknes, weil niemand so richtig in die Stadt möchte. Dann würden wir aber einen Schlafplatz suchen müssen. Alternativ hab ich den Stausee vom letzten Mal noch gut in Erinnerung und auch nur 40km durch die Einsamkeit bis dort hin.

Die Vegetation beschränkt sich hier auf spärliche Büsche und Gräser, vereinzelt Plantagen von Oliven und Mandeln müssen wahrscheinlich aufwändig bewässert werden und sind von massiven Zäunen umfasst. Der Rest sieht größtenteils so aus wie auf dem Bild oben. Marokko endlich wie ich es kenne und mag. Die Felder sehen aber alle frisch gepflügt aus, könnte also bald mit etwas Regen ganz anders aussehen.

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