Chefchaouen

Der Grenzübertritt in Ceuta ist vergleichbar mit Tanger Med. Die Ersparnis der Passkontrolle auf dem Schiff bringt dabei keine Erleichterung und eher war Ceuta am Morgen bei der Ausreise recht leer. Die Abwicklung jedoch gewohnt marokkanisch chaotisch. Hier nen Stempel, dann dort noch einen holen, die selben Unterlagen wieder zurück zum ersten Stempelgeber, noch mehr Schriftzeichen auf die ZollZettel… Bei mir noch etwas verwirrend, da ich Bus, Anhänger, Motorrad und Moped dabei habe. Ende gut alles gut, sie haben einmal grob ins Auto reingeschaut und fertig. Keine Drogenspürhunde wie in Tanger Med.

Das Wetter prächtig, die Gegend bekannt, voller Vorfreude geht es südwärts. Blöderweise ist Freitag Mittag und alles hat zu. Kein Geld gewechselt, keine Telefonkarte bekommen aber dafür auch freie Straßen. Selbst der Abschlepper pennt in seiner Kabine.

Der noch bequemste Einstieg in marokkanischen Straßenverkehr mit einer sehr europäischen Straße Richtung Tetouan. Zweispurig mit Markierungen, Bordsteinkante und sogar Straßenbeleuchtung… abwarten das ändert sich bald.

Vorbei an der „Cote d’azur“ des Landes mit Ortschaften wie M’Dig wo der König eine Villa am Strand stehen hat machen wir Stop beim Marjanne, doch auch da hat der HandyShop schon zu. Dann also die erste Nacht ohne Grüße in die Heimat.

Wo geht es überhaupt hin? Die Mittelmeerküste… zu kalt. Der Atlantik kommt weiter im Süden dran. Wir machen erstmal ne Tour durchs Rif-Gebirge. Natürlich mit Abstecher in der malerischen Stadt Chefchaouen. Es geht also aufwärts und wir haben keine Eile, einige Stops und erst zur Dämmerung in die Stadt welche von 2000er Gipfeln umgeben ist.

Zentral gelegen an einem großen Platz haben wir letztes Mal vor zwei Jahren schon genächtigt. Einbahnstraße am Bordstein mit Guardian und 5Min Fußweg in die Medina. Wir wollen uns nur eine Nacht hier aufhalten und die Gebühr für beide Busse ist eine Dose Bier. Freitag wie schon erwähnt und ein Haufen Menschen auf den Straßen. Der gewohnte Trubel um die FressStände und Leckereienverkäufer sind herrlich anzusehen. In der Medina dann volles Programm Touriangebote. Klamotten, Teppiche, Lederwaren, Kunst und an jeder Ecke „maroc chocolat“ und die dazugehörigen Holzpfeifen.

Schon ein Kulturschock für die Beiden Begleiter, mit etwas Erfahrung aber ein großer Spaß. Wirklich ein sehenswertes Örtchen.
Dies hab ich mir auch am kommenden Morgen auf die Agenda geschrieben. Zeitig aufstehen und in der verlassenen Medina Fotos schießen.

Kalt ist es hier in den Bergen auch bis die Sonne erst einmal rauskommt. Bewegung hilft und der Sonne entgegen auch, also rauf auf den Berg und raus aus der Altstadt von Mauern umgeben. Erst Recht ne tolle Aussicht hier.

Wer mit nem etwas wendigeren Van ne ruhige Ecke zum Übernachten sucht ist hier oben nördlich der Stadt mit Anfahrt vorbei am Hotel Atlas ideal aufgehoben. Einige kleine Nieschen die öfter mal zum auf die Stadt gucken genutzt werden idealer Parkplatz und sonst kaum Publikum. Das Revier wird wohl öfter für Begräbnisse genutzt. Die weißen oder meist auch blauen Mauern auf dem Boden sind dann belegte Plätze. Der Blick auf die erwachende Stadt und die Geräusche aus den Minaretten kann von hier in Ruhe beobachtet werden.

Wer mehr Bilder von der blauen Stadt sehen will muss mal im Blogarchiv forschen…
Kalt ist es im Schatten immer noch, ich will weiter, meine Begleiter schlafen länger und haben somit diese Aussichten verpasst. Wir machen uns gegen Mittag auf den Weg nach Ouazzane um dort endlich Empfang zur Außenwelt zu bekommen, da auch hier der Laden am Samstag nicht öffnet. Wir cruisen also durchs Rif und die Vegetation voll von Oliven, Korkeichen, Mandeln und vereinzelten Palmen. Auf dem Bild vielleicht nicht aufregend, aber eine tolle grüne Landschaft.

Irgendwo im Nirgendwo plötzlich Passanten aus allen Richtungen, Eselkarren und vollgestopfte MiniBusse. Indiz für einen nahen Souk. Mitten im Nichts auf einer brachen Fläche dann dieser Wochenmarkt ohne richtige Ortschaft in der Nähe. Wir parken am Straßenrand und folgen den Menschenmassen. Für Lukas und Sascha ein Novum und staunende Gesichter, was hier alles angeboten wird. Klassisch in die Bereiche alltägliches, Lebensmittel, Werkstattbedarf und Fressmeile unterteilt gibt es wie üblich alles erdenkliche. Die Hühner sind frisch und noch warm, vom Kunden vorne unterm Sonnenschirm in Empfang genommen. Vorher wurde seitlich eins ausgewählt, geköpft und in der rotierenden Maschine (brauner Kasten) geräuschvoll gefedert, die Krallen und Köpfe dann den wartenden Hunden hingeschmissen und falls nicht gewünscht auch die Innereien weiterverteilt. Alles bio, regional und ohne Plastik.

Sehr erstaunlich fand ich noch den Fischmarkt schattig unter großem Eukalyptus gelegen. Für die Entfernung von der Küste echt groß und auf Eis ebenso frisch. Jeder Händler bot das Gleiche und wahrscheinlich wie üblich auch zum gleichen Preis, funktioniert aber schon seit Generationen so.

Der Kulturschock für meine Begleiter endete glücklich mit einem halben gefüllten Brot voll frittiertem Fisch und Pommes mit scharfer Sauce… fish&chips Kebap…oder so ähnlich. Satt für 50ct, auf zur nächsten Etappe.

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