Ceuta – Spanien in Afrika

Der letzte Tag in Europa… nicht ganz, denn ich habe entschieden mal über Ceuta zu fahren und warte am Einkaufszentrum vor Algeciras auf Lukas und Sascha im blauen 407. Wir werden zusammen ein paar Tage durch Marokko reisen. Die Beiden sind das erste mal überhaupt unterwegs und so kann ich etwas Erfahrungen verwerten. Die Geschichte unseres Kennenlernens hab ich im Sommer mal grob angerissen. Auf einer Rückfahrt von Dresden stand der damals grüne 407 auf dem Standstreifen und eine Gruppe Menschen an der Leitplanke. Ich kam gerade von einer Wartung zurück und hatte Werkzeug einstecken, wollte also mal wissen was denen fehlt und ggf. helfen. Die Kupplungsleitung war gebrochen und somit nix mehr möglich, der ADAC schon verständigt und der Ausflug für die Gruppe quasi gestrichen. Ich hatte alles Nötige dabei und der Abschlepper hatte nur bis zum nächsten Parkplatz zu tun, dort hab ich dann die Leitung getauscht und entlüftet und binnen 15Minuten ging es wieder zusammen auf Tour und das Wochenende war gerettet.

Etwas Wartung hatte die damals “grüne Minna” nötig und wir verabredeten uns noch ein zwei Male um die Bremse zu überarbeiten und die Karosse sowie den Unterboden zu konservieren und neu zu streichen. Der Bus gehörte mal nem Forenkollegen und ist nun wieder in guten Händen. Lukas wollte unbedingt auch dem Winter entfliehen und sein Kumpel Sascha hat mitmachen wollen. Nun stehen wir in Algeciras und schmieden Pläne.
Ich habe keine Termine bis Weihnachten, wo es ein Vanlife Gathering in Tafraoute geben wird. Bis dahin gerne ab und an etwas Gesellschaft. Heute gibt es also nix weiter ausser Tickets holen und Reisevorbereitungen, das hier muss ich irgendwie noch verstauen.

Neben den üblichen Tauschobjekten ist das dann wohl wieder begehrtestes Zahlungsmittel und der einfachste Weg sich nen ruhigen Stellplatz für die Nacht zu sichern. An Lebensmitteln mangelt es drüben nicht, nur aus Erfahrung hab ich etwas mehr Müsli eingepackt. Wir entscheiden uns für die erste Fähre am nächsten Morgen und verbringen die Nacht auf dem Hafengelände in der Schlange hinter anderen WoMos, praktisch sein Bett unterm Arsch zu haben. Das Boarding wie auch nach Tanger Med. reibungslos, das geordnete Chaos im Bauch des Schiffes stimmt schon auf Marokko ein. Umgeben von Weißware und weißen Transportern durch die Meerenge.

Auf der anderen Seite dann liegt unser Ziel noch im Schatten von Wolken verborgen, kann aber nur besser werden… sind ja erstmal immernoch in Spanien.

Wir erreichen die spanische Enklave auf dem anderen Kontinent nach einer viel zu langen Fährfahrt für diese Entfernung. Ungeduldig sehen wir unser Boot eine Hafenrunde drehen und sind erstaunt über die pulsierende Stadt dahinter. Dicht bebaut bis an den Rand der Berge, könnte uns an Gibraltar erinnern nur die Flaggen sind spanisch. Wir befahren Festland, gute Entscheidung in der Schlange übernachtet zu haben, das Boot war voll.
Es gibt hier alles wie “drüben” Supermärkte, Tankstellen (90ct-Diesel) und einen Decathlon mit Internet. Wir wollen uns Zeit lassen und Ceuta erkunden. Eine Runde mit den Bussen Richtung Festung, kleiner Spaziergang und später mit Blick auf Europe nen Schlafplatz für die Nacht gefunden.

Es ist noch zeitig und ich habe eine Mission. Ich will mit dem Fahrrad Ceuta “umrunden”. Die Küstenstraße bis hinter zum Leuchtturm dabei aber nicht das interessanteste. Im Westen gibt es noch eine weitere Ortschaft, bevor offiziell Marokko beginnt.

Ein Wachturm am Strand und die Mauer mit Zaun bis in die Brandung gebaut. Europa zum greifen nahe. Ich befinde mich am Anfang eines knapp 10Kilometer langen Befestigungswalles der sich durch die Berge zur anderen Küste schlängelt und somit die Halbinsel sichert. Die Versorgungsstraße nebenan mit etlichen Warntafeln nur für autorisierte Fahrzeuge zugelassen, von Fahrradverbot steht da nix und ich mache mich auf zur Trainingseinheit. Die ersten Kilometer geht es echt steil bergauf, die selben Berge muss man jedes Mal von Tanger Med in Richtung Tetouan erklimmen, haben wir uns diesmal also mit dem Bus gespart.

Zwischendurch immer mal kleine Schlenker in den Wald und auch abschüssige Etappen zum verschnaufen, tolles Revier für Radsport, würde als Einheimischer hier jeden Tag meine Runde drehen. Was ich sehr interessant finde… ich passiere alle 500m einen Wachturm und habe nicht einen einzigen Wächter darin gesehen. Dachte die ersten Meter noch mich in Sperrgebiet zu befinden und gleich die Alarmglocken losheulen zu hören. Nur einmal stand ein Auto zwischen den Zäunen, wo es einen Fahrweg gibt. Die Anlage sonst mit Stacheldraht gesichert und 5-6Meter hoch…unüberwindbar.

Auf der anderen Seite ab und an vereinzelte selbstgebaute Hütten aus Stämmen und Stöckern mit Folien umwickelt. Man muss jetzt nicht auf Flüchtlinge schließen, auch Grenzsoldaten haben wir so schon “hausen” sehen. Jedoch sahen wir im letzten Jahr von besagter Straße über die Berge aus einige Gruppen Schwarzer, die in den Büschen verschwanden.
Meine schweißtreibende Einheit endet auf der anderen Seite nahe des Grenzübergangs und mir begegnete auf der Fahrt nur eine Patrolie im Geländewagen, den ich in einer Abfahrt überholte. An der Grenze hingegen ist Hochbetrieb. Bin gespannt wie der Übertritt Morgen von statten geht.

Doch meine Runde ist nur zur Hälfte absolviert, die BEine machen ncoh mit und ich passiere die Küstenstraße bis um den hintersten Zipfel am Leuchtturm. Auf dem Rückweg dann Gegenwind, mein bester Trainingspartner, wie mein Trainer damals immer sagte… super. kurzer sehenswerter Zwischenstop.

Erneut am Hafen vorbei und ein zwei Kilometer hinter dem Trubel ist an der Küste eine ebene Freifläche die sich super eignet um z.B Zeit für die Überfahrt totzuschlagen. Am Abend nur Besuch der üblichen Autos, die auf Wasser gucken oder eher mit sich selbst darin beschäftigt sind. Viele Jogger nutzen die Route bis zum Ende, also Anfang des Zaunes im nächsten Ort. Mission erfüllt, einmal drum herum.

Die Sonne lacht, der Abend dann in Gesellschaft lustig und ich fühle mich endlich angekommen. Ziel erreicht, der Winter kann kommen… ich hab Urlaub.

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