Gibraltar mal wieder, irgendwie besonders.

Ich verbrachte also vor Marbella eine ruhige Nacht und begrüßte einen bedeckten Morgen. Mein Reifenschaden von gestern Abend glimpflich ausgegangen, mache ich mich jetzt ans aufräumen. Ich pack den benötigten Krempel zur Reifenreparatur aus, bin aber pessimistisch es alleine hin zu bekommen. Beim letzten Versuch schon mal gescheitert die zu breiten Gummis runter zu drücken um den Sprengring auszuhebeln. Mal gucken.

Wie erwartet versagt, blöd. Wenn ich aber schon einmal im Blaumann stecke und das Werkzeug draußen ist, gibt es Service am DüDo… Öl nachfüllen, Achsen abschmieren und Federn einsprühen, hat etwas geknarzt und das nervt. Der Reifen kommt also rein und ich suche einen “Neumatico” Der nächste nicht weit und wohl Einzige hier im Ort. Er macht nur PKW und traut sich nicht an die Sprengringe, kann auch nur spanisch und ich somit nicht nach Hilfe fragen. Er weist mir den Weg zurück nach Malaga oder weiter nach Marbella. Na dann… humple ich mal los.

Das Fahren etwas ungewohnt, hinten einseitig etwas wegen dem Größenunterschied hängend, zum Glück hab ich kein Sperrdifferential und der Abrollumfang kann ausgeglichen werden, genügend Öl in der Hinterachse hoffe ich meine Planeten machen das auch auf längerer Strecke mit. Vor Marbella ist ein großes Industrieviertel mit vielen Werkstätten, ich versuche es dort bei einer kleineren Mechanikerbude und werde prompt bearbeitet. Der alte Meister geht erstaunlicher Weise sehr versiert mit der Spitzhacke an meine Felge und danach ohne Probleme an den Ring. Erfahrung zahlt sich aus. Der Schlauch echt der länge nach geplatzt.

Ein weiterer Ersatzschlauch hatte ein kleines Loch, welches hier auch noch durch nen Flicken gestopft wurde, Zusammen hab ich dann schnell alleine hinbekommen, nen Zwanziger Trinkgeld hielt ich für angemessen und er hat sich darüber gefreut. Rad montieren kann ich so abschüssig geparkt hier aber nicht, kann warten.

Der Tag ist noch jung und jetzt gibt es nur ein Ziel. The Rock… und heute mit Sahnehäubchen.

Ich lasse also auch La Linea links liegen und fahre direkt ins Commonwealth, die Einreise nach dem allmorgendlichen Pendler Verkehrschaos auch unkompliziert.

Und kaum in Großbritannien ist hinter der Querung der Landebahn des Flughafens auch schon die Sonne weg. Die Leute essen fish & chips und Touristenbusse sind rot, es gibt auch vereinzelt noch rote Telefonhäuschen und auf den schwarzen Mülleimern steht Litter.

Jedoch bin ich nicht deswegen hier. Wie üblich habe ich noch vor meine Kapazitäten an Frittenöl auszufüllen. Die Suche hier einfach und gut sortiert.

Pappe, Glas, Kunststoff, Frittenöl und Kleingeräterecycling. Alleine die rosa Tonnen rechts im Bild wären vor einer Überfahrt nach Afrika lohnenswert zu plündern. Da kommt alles rein was irgendwie recycled werden kann, Computer und Drucker, Lampen und Mikrowellen… zum Glück ist mein Anhänger schon voll und ich überladen. Wären aber gute Tauschmittel in Marokko. Ich beschränke mich also auf der Rundfahrt an den orangen Tonnen zu halten. Wer mehr darüber wissen mag…

Frittenöl im 407

Ausbeute heute dreistellige Litermenge und mit dem großen Gespann konnte ich in der engen Stadt nicht überall halten. Verschnaufpause finde ich am Europapunkt, dem südlichsten Zipfel der Halbinsel.

Ab und an lässt sich doch die Sonne blicken und ich beschließe eine größere Wanderung mit Atlas durch die südlichen Distrikte am Westhang bis hoch zur Altstadt vorzunehmen. Hübsche Häuschen und die meisten davon nicht ganz billig, der Großteil der Bevölkerung wohnt aber in Mietskasernen wie hier im Hintergrund von nem kleinen Weihnachtsmarkt zu erkennen.

Irgendwie ein tolles Städtchen mit besonderem Flair. Eines der am dichtest besiedelten Länder der Welt, tausende Motorroller und Chaos auf den Straßen. Aber sonst eigentlich alles was man zum unabhängig sein braucht. Es gibt neben dem Flughafen und Hafen einen Haufen Industrie und sogar eine Whiskey Destille. Das große Geld wird hier aber wohl online gemacht, Paradies für Serverstandort und dubiose Webseiten. Fehlen würde mir nur ein richtiger Strand. Was hier als Beach gilt ist eine betonierte Fläche mit Palmen und nem Pool direkt an die Wellenbrecher grenzend.

Dafür hat “The Rock” oder auch “Jib” genannt sogar einen Wasserfall zu bieten, zu erkennen weiter rechts im oberen Bild und hübsch sogar bei genauer Betrachtung.

Das Highlight der Stadt ist und bleibt aber für mich der Hafen und die Meerenge zu Marokko. Ein Meilenstein schon damals als ich 2002 das erste Mal noch zu Zeiten des Dienstes bei der Marine hier mit dem grauen Kahn durch bin. Fasziniert, dass der Kontinent Afrika doch nicht so weit bin… und ich nun schon zum dritten Winter in Folge dort meine Zeit verbringe und selbst mit dem Fahrzeug angereist bin. Der sehnsüchtige Blick übers Wasser.. nicht mehr lange.

Ich beschließe, ziemlich entspannt vom Spaziergang zurück, doch hier meine Nacht zu verbringen. Campen in Gibraltar eigentlich verboten, auch ist nirgends dafür Platz bis auf den Parkplatz am europe point vor der großen Moschee. Hat letztes Jahr mit der Gruppe geklappt, und die Einstimmung auf den allmorgendlichen Weckruf des Muezzin kann auch nicht schaden. Im schlimmsten Falle ist mein Reifen im Auto die Ausrede, hab ich immer noch nicht gewechselt.

Es wurde eine stürmische Nacht und die Böen schütteln den Bus und lassen erneut Marineerinnerungen hochkommen. Gegen Morgen fängt es dann auch noch zu tröpfeln an…später schüttet es aus Eimern. Wird echt Zeit hier weg zu kommen, leichter kann man mir einen Abschied auf Zeit von Europa nicht machen. Ran ans Steuer und weg.

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