Geschichten vom Roadtrip

Vorwärts kommen hieß also die Devise… fahren, fahren, fahren. Und ich lasse auch Valence schnell hinter mir. Es ist früher Morgen, aber nur für einen Samstag kurz nach 8 und am Straßenrand steht ein Daumen mit Anhang. Ich hab nen Platz frei, mal gucken wo er hin will. Montelimar und damit 30km auf meiner Route. Eric ist aus dem Ardeche Tal und will nach Hause, hat also den Freitag Abend anderswo verbracht. Findet den Bus natürlich cool und ist interessiert, mein Französisch reicht noch für Konversation obwohl einige Worte fehlen, das wird schon wieder. Die durchzechte Nacht ließ bei ihm später die Müdigkeit siegen und die letzten Kilometer war ich einfach ein ruhiger Chauffeur. Die Straße schon fast majestätisch anzusehen.

Ich überlegte den Abstecher nach Nizza zu Mike und Lily von der letzten Tour zu machen, jedoch wären das 400km Umweg und bringt mich aktuell auf dem Weg nach Süden nicht voran. Also halte ich mich noch vor Orange westlich und passiere später Bagnols sur Ceze. Ich bin auf der Suche nach Wasser um meine Filteranlage mal wieder anzuschmeissen. Der Camper Parkplatz im Stadtzentrum bietet eine Entsorgungsstation und frisches aber hier unten üblich gechlortes Wasser. Zum Glück bleibt nach dem Durchlauf in der Osmose davon nix übrig, Mission erfüllt und Mittagspause schlemmend beendet. Neben mir zwei mit Graffiti besprayte LKW, aus einem dröhnt dumpfe Elektrische Musik, Technopunks… wie ich die vermisst habe. Egal, ich konzentriere mich auf die Berge von Essen.

Ja, ich hab’s schon wieder getan, ich kam an einem Bio Supermarkt vorbei und die Neugier war stärker als die Vernunft. Der Laden hatte geöffnet und die Tonnen standen direkt vor der Tür. Ein kurzer Blick hat gereicht, da hätte ich ne Weile sortieren können und mich kurzerhand entschlossen kein Aufsehen zu erregen und die ganze Tüte einzupacken.

Ja, so weit ist es schon gekommen, aber fein säuberlich war kein Müll versteckt, sondern nur die ausrangierten Tofu und Co.

Als ich mich wieder bewegen kann und die Reise fortsetze steht die Sonne mal wieder ungünstig… der Nachteil wenn man ihr hinterher fährt. Bis Nimes werde ich das nicht durchhalten, wen auch die üblichen Platanen eine schöne Allee bilden. HEll-Dunkel, Hell-Dunkel, da wird man ja verrückt.

Ablenkung zeigt sich auf dem nächsten Straßenschild – eine Sehenswürdigkeit, ok, Zeit für ne Runde Gassi. Pont du Gard hab ich bisher noch nix von gehört. Der Beschilderung folgend geht es aber zu einem kostenpflichtigen Parkplatz ohne Alternative und angeschlossenes Museum bevor es überhaupt zur Brücke unter UNESCO Schutz geht. Das kann nicht sein und jetzt ist der Ehrgeiz geweckt.

Auf dem Weg aus der Sackgasse passiere ich eine kleine edle Wohngegend, da ist Platz am Straßenrand, maps.me zeigt mir die Richtung der Brücke, wir starten und Atlas freut sich auf die Entdeckungstour durchs Unterholz. Zum Fluss gelangen kein Problem und dort einen Pfad suchen eigentlich auch nicht, müssen vor mir schon einige Füße breit getreten haben. Bei Hochwasser nicht zu empfehlen, wir waten durchs ausgetrocknete Flussbett und haben so einige Hindernisse zu umschiffen. Der Hund hat Spaß.
Beim ersten Ausguck werden wir mit tollem Panorama, wenn auch direkt gegen die Sonne belohnt, das Wasser klar und die Abbruchkante im Fluss liegend gut zu erkennen, etliche stattliche Fische tummeln sich da unten, hätte ich Zeit ideales Plätzchen zu bleiben und angeln.

Doch zufrieden bin ich noch nciht und weiter geht die Suche nach dem Pfad bis an die Brücke. Da lass ich mich doch nicht von Stacheldraht aufhalten, bin auch hier nicht der Pionier und folge nur den Spuren. Es lohnt sich, denn dieser Steinbruch hier diente wohl zum Abbau der benötigten Brocken.

Das frühere Pförtnerhäuschen direkt in die Wand gemeißelt wäre eine gute Übernachtungsstelle für Backpacker, falls ihr mal in der Gegend seid. Die letzten Meter dann mit doch tollem Anblick auf ein Viadukt von erstaunlichem Ausmaß. Wer Eintritt zahlt kann wohl auch drüber laufen und hat die selbe Perspektive vom anderen Ufer. Doch hier bin ich ganz allein und Atlas findet Beschäftigung während ich ne halbe Stunde diesen Anblick genieße… ok, eigentlich dachte ich die Sonne verschwindet schneller hinter einem Bogen, das nicht perfekte Bild also meiner Ungeduld geschuldet.

Bissel Strecke muss ich heute noch machen. Ich glaub es war mal wieder ein Schlafplatz zum vernachlässigen, ruhig an nem Einkaufszentrum, wo morgen (Sonntag) nix los sein wird. Komischer Weise denken so doch einige und ich wurde in der Nacht von Mechanikergeräuschen geweckt. Nicht all zu weit auf dem sonst leeren Platz stand ein Kleinwagen aufgebockt und zwei Franzosen sägten per Hand am Auspuff herum… Auf Ideen muss man kommen. Aber irgendwann störte es nicht mehr und die nächste Etappe steht in den Startlöchern.

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