Tourstart ins Winterchaos

Ein herrliches Gefühl, quasi die Belohnung aller Entbehrungen des (nicht richtig vorhanden gewesenen) Sommers – den Schlüssel umzudrehen und zu starten. Endlich, es geht wieder los.

Für alle die die letzten Jahre nicht verfolgt haben. Ich berichte wieder über unsere Wintersaison im Warmen. LowBudget Reise, dumpster diving, freie Stellplätze und Geschichten von anderen Aussteigern und vanlifern erwarten euch regelmäßig als blog. Vorerst starte ich ohne Christie die noch Dinge zu erledigen hat und in die Heimat fliegt, irgendwann dann irgendwo zu mir stößt… bis dahin Abenteuer Männerurlaub.

Wer im DüDo reist muss Zeit mitbringen. Vor allem der kleiner motorisierte 407 ist keine Rakete und Etappen über 400km sind immer ein ganzer Tag am Steuer. Mein erstes richtiges Ziel ist Nürnberg um dem Olli von der letzten Tour einen Besuch abzustatten. Wir machen gemeinsame Pläne für diesen Winter, er ist aber noch nicht mit seinem Umbau durch und ich greif ihm etwas unter die Arme und fahre nach nem Tag Pause weiter. Auch kann ich später einen Vorsprung rausfahren, den er mit dem 613 später im Fluge einholt.

Die erste Nacht bei den letzten Verabschiedungen von guten Freunden war kühl und der Ofen kam erstmalig wieder zum Einsatz. Brandenburg an der Havel ist echt ein hübsches Nest und der Himmel verspricht einen schönen Tag. Ab nach Süden, durch Brandenburgs Wälder und vorbei an kargen Feldern. Einen Schwarm Gänse entdecke ich bei der Rast und wünsche auch nen Guten Flug Zugvögelkameraden, man sieht sich. Landstraßen im deutschen Herbst, eigentlich hübsch anzusehen.

Jedoch ist es damit bald vorbei und ich fahr rauf auf die A9, langweilig aber effektiv. Kilometer schrubben solange es noch kostenfreie Autobahnen gibt. Der einkalkulierte Vorteil, es war Sonntag und damit LKW-Fahrverbot. Endlich in Ruhe das eigene Tempo finden, der Bus läuft mit den dicken Reifen hinten echt ruhiger bei höheren Geschwindigkeiten. Es fehlt nur irgendwie zwischen drittem und vierten Gang an Schub, da die Drehmomentkurve nicht aufeinander abgestimmt ist. Ich hoffe, ihr versteht was ich meine!? Optimaler Schaltzeitpunkt (nach Gehör) ist nun bei 50km/h doch der vierte Gang bringt erst ab 55-60 wieder die volle Leistung. Immerhin 10% mehr Umfang an der Antriebsachse und damit auch Tachoabweichung. Meine Reisegeschwindigkeit ist aber somit von 65 auf 75 gestiegen trotz ähnlicher Drehzahlen.

Es läuft also, der sonst obligatorische Gassistop in Vockerode an der Elbe fällt aus. Auch Leipzig lasse ich schnell hinter mir, ich will noch bei Tageslicht ankommen…so der Plan. Außerdem ist es jetzt regnerisch ungemütlich… die Kehrseite des Herbst. Öder kann man eine stundenlange Aussicht glaub ich nur in einer Gefängniszelle “genießen”

Die ersten Hügel nehmen Wind aus den Segeln und Thüringen hat einiges an Höhenmetern zu bieten. Meine Vorahnungen lassen mich das Wetter checken, Schneeregen ist angesagt, na super. Bei Hof gibt es dann die ersten feuchten Flocken, bleiben seitlich an der Frontscheibe hängen und werden vom Scheibenwischer mit frostigen Kollegen zu ner Kruste zusammen gesammelt. Ich hasse es. Kalt, nass und damit auch gefährlich. Einige Gestrandete habe ich schon in den Leitplanken entdeckt, Übermut tut selten gut. Mittlerweile bin ich am Bindlacher Berg angelangt und freue mich im zweiten durchfahren zu können. Immerhin auch hier etwas mehr speed als mit den kleineren Rädern, hochschalten aber ausgeschlossen.

Bayreuth liegt etwas im Tal und die Wetterlage bessert sich, es regnet “nur” noch. Trotzdem fährt gerade direkt neben mir ein riesiger Schneepflug auf die Autobahn und lässt meine schlimmsten Befürchtungen wahr werden… Salzlake auf den Straßen, der arme Bus. Das gelb blinkende Ungeheuer ist langsam, doch am nächsten Berg zieht er an mir vorbei und saut mich einmal komplett voll.

Es geht wieder aufwärts und zu allem Überfluss damit in Richtung Schnee. Der zweite Pflug wartet für die bekannte Parade am nächsten Rasthof und schafft es kurz hinter mir auf die A9. Der fließende Verkehr schlängelt sich nun zwischen dem langsam fahrenden Schneepflug auf der linken Spur und mir ebenso langsam auf der Rechten hindurch. Einige davon hätten es mal bleiben lassen sollen, später sehe ich noch mehr Blechschäden auf dem Standstreifen. Ich bin also von blinkenden, schaufelnden, salzspuckenden Ungetümen eingekeilt und trotzdem grad glücklich, dass die Steigungen den Dritten Gang bei 50km/h zulassen. Irgendwie muss der voraus fahrende Pflug zurück beordert worden sein, er drosselt und ich, einem Elefantenrennen gleich, ziehe mit mäßigem Überschuss auf der rechten Spur dran vorbei… Wieder ne Salzdusche, doch dafür vor mir unberührte, fast schon malerische Landschaft.

Ein letzter Blick in den Spiegel zeigt, die Jungs haben hinten dicht gemacht und ich freue mich über Abfahrt oder Plateau und kann auf 60 beschleunigen und hab damit die ganze Autobahn für mich alleine.

Es ist schon fast gespenstisch so einsam auf einer der meistbefahrenen Routen der Republik. Die kleinen Siege und Fortschritte im soeben gefochtenen Kampf der Straße wurden zeitnah dank facebook in die Außenwelt getragen und ungläubige Anfragen treffen ein, ob ich durch die Alpen fahre… nein, auf keinen Fall, kurz vor Nürnberg reicht heute schon um den Wintereinbruch in Deutschland live zu erleben. Es schneit volles Rohr, die Scheibenwischer schaffen es nicht mehr und es bildet sich ein Schneebrett auf der Motorhaube… ich muss mal kurz anhalten, Vorsprung sollte ich genug haben. knips…

Meine Füße berühren seit Jahren mal wieder 5cm Neuschnee. Zuletzt 2015 in der Dadesschlucht und 2014 auf dem Ätna erlebt, wird diese weiße Masse mir dieses Jahr hoffentlich fern bleiben. Hübsch anzusehen ist der Bus aber doch mit weißem Käppchen. Ich fahr weiter bevor wieder gestreut wird, vereinzelte Autos finden schon wieder ihren Weg und die einsame Reise auf der A9 hat damit ein Ende. Immerhin 10Minuten war der große Grüne in Führung… wo wir sind ist vorne. Die letzten Kilometer nach Nürnberg runter wird es zum Glück wieder milder. Die ersten 8Stunden Abenteuer hab ich hinter mir, Tausende werden folgen, ich freue mich. Auch auf die Luftmatratze bei meinem Kumpel, heute Nacht soll es Frost geben, das wird im Bus dann doch zu ungemütlich. Doch erstmal zum Sport, die lange Sitzerei macht völlig Banane. Aktiv und gesund. Today is a good day.

Die Bilder sind mal nicht alle für die Galerie, aber Geschichten die das Leben schreibt… gehört halt dazu.

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7 thoughts on “Tourstart ins Winterchaos

  1. reiselisa says:

    Genial, deine Ausführungen (km/h, Berge, welcher Gang) erinnern mich sehr an mein altes, erstes WoMo. Aber es ist eben ein REISE-Mobil und kein RASE-Mobil, hab ich immer gesagt 😉 In welche Richtung gehts, südöstlich oder südwestlich? Gute Fahrt noch! 🙂

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