Komplettrestauration eines MB 407 zum Reisemobil Teil 1

Das „Last minute Projekt“ ist der Hauptgrund, warum es immer noch keine neuen Reiseberichte gibt und ich mich noch in den kalten Gefilden aufhalte. Die Geschichte dazu ist es einfach wert gesondert angesprochen zu werden. Auf dem Vanlife gathering in Berlin (Bericht dazu folgt) traf ich einen alten Kunden aus dem Studio wieder, der mit seiner Freundin auch aus der Gesellschaft ausbrechen will und die ihre 60Stunden-Wochen gegen Freiheit auf vier Rädern und eine zeitlich unbegrenzte Tour durch Mittel-Amerika tauschen wollen. Klarer Fall ein abgelasteter Düdo mit Stehhöhe und simpler Technik muss her.

Prompt gab es die ersten Inserate zu bewerten und das Angebot war im damaligen Hochsommer überschaulich und teilweise unveschämt. Nach knapp einer Woche kam aber Kollege Zufall zu Hilfe und von einem Freund dank sozialem Netzwerk und entsprechenden Gruppen fanden wir folgendes Angebot:

Auf den ersten Blick eine Grotte, aber der Preis unter 1000,- unschlagbar und die zauberworte „läuft“ dabei. Dass eine gründliche Überarbeitung der Technik bevor steht und auch das Innenleben neu muss steht sowieso fest. Also Meins… und wenn die Frende nicht wollen finde ich schon jemand anderen, manchmal muss es schnell gehen und die Kommunikation mit dem Verkäufer war auf wenige Worte begrenzt: ZUSAGE und zur Untermalung mit Geld per Überweisung gedroht.

So kam es also, dass wir drei Tage später zusammen die Landstraße nach Fürstenberg nahmen und rätselten was uns erwartet. Der Plan sieht vor wenn alles „läuft“ den mb407 zum 10km entfernten Hof von Freunden zu überführen. Die Bitte an den Verkäufer doch wenigstens mal mit dem Lappen über den Bus zu gehen wurde zum Glück erhört und so sah die Grotte bei unserer Ankunft echt passabal aus.

Die Überraschung folgte sofort, auf den ersten Blick kaum Schweißarbeiten nötig, alle Radläufe wie sie sollen und auch sonst echt in passablem Zustand. Der Scheibenrahmen dicht und die Einstiege vorhanden, Hilfsrahmen intakt und genaues findet man sowieso erst mit dem Schraubendreher. Glücksgriff und echt blöd vom Verkäufer nicht vor den Bildern mal die Bürste über den Scheunenfund gefegt zu haben. Schnell ist klar, meine Freunde nehmen den Bus und vertrauen in mein Urteil den wieder flott zu bekommen. Innen ist es echt eine Höhle, die altmodische Wohnmobilausstattung zerfällt an allen Ecken und der Begriff Gummizelle ist mein erster Eindruck vom Fahrerhaus. Noch nie habe ich so viel Teppich als Geräuschdämmung verklebt gesehen. Damit ist er auch der leiseste Düde den ich je unterm Hintern hatte. 12 Lagen fanden sich beim raussreissen…

Nach Bezahlung und Check vom Reifenluftdruck machen wir uns auf eigener Achse auf den Weg und hoffen die kurze Distanz ohne Komplikation zu schaffen. Die Erfahrung sollte mich zwar mit Werkzeug, Kabeln, Schläuchen und Dieselfiltern ausstatten… die schnelle Aktion heute aber mal auf Risiko. Wir wurden bestraft und fanden uns mit bekanntem Gefühl der Verweigerung der Gasannahme auf halber Strecke im brandenburgischen Wald ausrollend wieder. Logisch ist irgendwie ein Filter oder Sieb dicht, die Karre stand einige Jahre… wurde aber zuvor anscheinend gut durch die Welt geschippert. Aufkleber aus allen europäischen Ländern samt der DDR und anscheinend eine Runde durch die USA und Kanada wurden auf der Hecktür verewigt.

Der Motor lief bis dahin rund und sauber, das Getriebe schaltet und Gimmicks wie Tempomat wurden nachgerüstet. Eine tolle Basis, die trotzdem die letzten Meter zum Bastelhof am Kabel folgen musste. Meine Freunde im großen Gelben, wo auch schon der Innenausbau von unserem Reisemobil gemacht wurden, waren schnell hilfsbereit zur Stelle und ermöglichen so erst dieses schnelle, letzte Projekt vor meiner herbstlichen Abreise in den Süden.

Wir quatschen also die nächsten Schritte ab, ich kümmere mich zuerst um die Wiederinbetriebnahme, sprich Dieselsystem und Bremsanlage,

aus alt mach neu und am Fahrwerk muss auch gewerkelt werden.

Ob Dämmung und Innenausbau hier auf dem Hof folgen wird sich am Zeitplan zeigen, auch meine Freunde hier wollen bald weg und die Neueigentümer haben immerhin sporadisch bis zum Januar Zeit trotz Jobs und bevorstehender Wohnungsaufgabe… Doch nun war erstmal ne Wochen Urlaub und damit klotzen angesagt. Das sonst gut durchdache Einrichtungskonzept weigerte sich arg gegen die Demontage.

Doch mit teilweise roher Gewalt aufgrund hunderter Schrauben im Holz nahm auch das Seinen Lauf. Zu retten war hiervon nix und wurde alles ordentlich getrennt entsorgt.

Darunter dann Entsetzen und Staunen, Glasfaserdämmung jedoch mit Dampfsperre drüber und konnte so kein Unheil am Blech anrichten, musste aber jetzt auf alle Fälle weichen.

Der neue Stndard heißt Armaflex, Kaiflex oder ein ähnlicher Extremisolator mit Kleberückseite. Wir witzelten schon, wie die Generationen nach uns über diese Marotte bei der Restauration rummeckert, aktuell gibt es aber nix besseres auch wenn die Kosten dafür echt immens sind.

Ein Umzug stand wie erwarte an und kleinere Karosseriearbeiten waren dadurch möglich. Fenserumbauten und stopfen einiger sinnloser Löcher, ausserdem musste eine vormals schlecht reparierte Stelle an der Seitenwand erneuert werden.

Der Haupt und Hilfsrahmen bedarf hier nur etwas Kosmetik mit Drahtbürste und Farbe, auch unter der Bodenplatte (Siebdruck zog ein) alles ok, echt gute Basis für eine Komplettrestauration.

Der Eigentümer freut sich und entschleunigt schon bei der gestaltung dieses Projektes. Die kommenden Wochenenden sind zwar verplant, aber der sich einstellende Erfolg belohnt täglich.

Auch wenn das Wetter nun im Herbst nicht mehr auf unserer Seite scheint gibt es doch Möglichkeiten sich anzupassen.

Als nächstes großes Zwischenziel steht die Lackierung an, dafür muss noch ne Menge vorbereitet werden udn der Dachgarten runter.

Im Bild zuvor sieht man, was solch Monster in der Regenrinne anzurichten droht… rechtzeitig gegengearbeitet war dies zu retten und hier in Halbzeit abfotografiert. Es folgten Dichtmasse und ein sauberes finish mit Harz ausgegossen, darauf dann den Lack.

parallel immer wieder Arbeiten im Inneren, Dachluken einpassen udn Dämmung vollenden. Volumen braucht es und die ausgeschachtelten Träger mit Armaflex verklebt geben guten Halt für 2x20mm Styrodurplatten exakt zusammengeschnitten.

Soviel zur Halbzeit des Projektes, die Arbeiten sind aktuell in den letzten Zügen und das Ergebnis folgt im nächsten „blog“ Bericht. Die beiden sind happy und der 407 hat sich als sehr gute Basis heraus gestellt… seid gespannt.

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