Abenteuer Flohmarkt – Zeug verramschen

Sicherlich jeder hat schon mal irgendwie einen Flohmarkt besucht, ob in der Innenstadt entlang eines Straßenzuges oder auf einem Baumarkt-Parkplatz außerhalb. Doch wie sieht es hinter den Kulissen aus, wer war selber mal als Händler vor Ort? Früh aufstehen nötig, ist ja bekannt und den Rest hier als Erfahrungsbericht zusammengefasst.

Ich räume ja aktuell gerade meine Garage und habe mit ordentlicher Vorarbeit kistenweise Zeug aussortiert und in U-Kartons gepackt, die in der Summe die Kapazitäten meiner Garage im Bus übersteigen. Vor Ort ne Bierbankgarnitur vom Kumpel aufgestellt und den Rest als Kramkisten auf dem Boden, so ist der Plan, das sollte reichen. Meinen Bus will ich natürlich direkt daneben stehen haben, also fällt solch vorbereitetes Standzelt mit einheitlichen Maßen aus und ich brauche auch nicht reservieren. Außerdem sind die Freiflächen geringfügig billiger. Zwischen 6-8Uhr sollte es zum Aufbau gehen steht auf der homepage, ist mir eigentlich auch noch zu früh und so beschließe ich am Abend in aller Ruhe auf dem Baumarktparkplatz zu Übernachten und früh mir schon irgendwie meine Ecke zu suchen.

Ich komme gegen 23Uhr an und bin erstaunt, dass gerade die Marktstände mit ordentlich gepolter aufgestellt und mit Planen überdacht werden. Das Spektakel ist trotz Hunderter Stände aber innerhalb einer Stunde vorbei und keiner stört sich an meiner Anwesenheit. Dann kann ich ja die Nachtruhe antreten. >home sweet home<

Drei Uhr dann… in Worten DREI hab ich die ersten Motorengeräusche neben mir ausgemacht. Der Versuch es zu ignorieren hat nicht lange gefruchtet, es folgten weitere und nicht zu glauben, aber vor 4Uhr nachts wurden schon Tische aufgestellt und Kisten drapiert. Ich glaub ich muss nochmal umdisponieren und jetzt einen Platz finden, eigentlich ideal wo ich zur Zeit stehe, aber umdrehen muss ich den Bus noch, die Tür zur Kundschaft natürlich.

So kam es dann, dass ich mich in der Dunkelheit bei den neuen Nachbarn über die Abläufe informierte. Zu Sonnenaufgang ist hier alles schon besetzt heißt es… Soviel zum Thema ruhige Nacht aber Mission Flohmarkt scheitert zumindest nicht am fehlenden Stellplatz und startet noch weit vor Sonnenaufgang.

Christie freut sich mit 6Stunden Zeitunterschied mich mal zum dortigen Abend ans Telefon zu bekommen. Ich gehe mit Atlas Gassi und schlendere durch das wuselnde Treiben auf dem Parkplatz. Bis auch mich kurz vor 7Uhr der Arbeitswahn packt und ich starte mein Revier abzustecken. Biertischgarnitur mit Laken verhüllt und mehrere Etagen mit Angeboten vollgestopften. Das Marketing Studium hat sich ausgezahlt und der Gebrauchtkonsument kann kommen. Vorne unten die Kisten zum Wühlen für die Schnäppchenjäger. Auf den Bänken in Kniehöhe die größeren Stücke und die Schätze auf dem schwarzen Laken genau im Blick der "mal kurz drüberschauen Kunden" Seitlich neben meiner Tür ein kleiner Tisch mit Kleinkram und Spielzeug, Leute ins Gespräch bringen…

Ich bin startklar, die Kunden können kommen, doch erstmal beobachte ich den Stau in der Einfahrt neben mir, die “Normalos” mit Standreservierungen versuchen in der online beschriebenen Zeit zwischen 6 und 8Uhr (eher gegen 8) einzureiten und ihren Plunder zum Stand zu bekommen. Unglaublich wie viele Leute das Thema Wiederverwertung und Gebrauchtgüter umschlagen endlich ernst nehmen. Doch bei der Größe hier ein vorprogrammiertes Chaos. Es wird um Parkplätze gestritten und andere Nichtigkeiten die unsere Gesellschaft mal wieder zum Aufruhr bringt. Jungs und Mädels, es ist Wochenende und kein Überlebenskampf.

Die ersten Interessenten sind natürlich die Nachbarn und Händler sowie Flohmark-Experten. Hoffen auf ein Schnäppchen, soll mir recht sein mein Ziel heute: mit so wenig wie möglich wieder abzufahren. Wenn dabei noch Tankgeld rauskommt und die Standmiete bezahlt ist hab ich alles richtig gemacht. Meine Schätze gebe ich aber noch nicht günstig her also gibt es nur einige Pakete mit Werkzeugkleinkram, die ersten Euros rollen.
Der Markt füllt sich kurz nach 8Uhr rapide mit Ausflüglern, ein Kumpel besucht mich und berichtet, dass der Parkplatz hinterm Baumarkt gerammelt voll ist. Ich habe aber keine Zeit und Lust mir die andern Stände anzusehen, will auch nicht in Versuchung geraten meinen Plunder aufzustocken. Gelegentlich werfe ich ein paar Worte in den Raum um scheue Interessenten aus ihren Gedanken zu holen und sich gefälligst auf meine Auslagen zu konzentrieren 🙂

Es fruchtet anscheinend und teilweise muss ich mit drei Kunden gleichzeitig verhandeln. Unglaublich aber am Meisten gefragt sind jetzt Werkzeug und meine Matchbox-Autos. Ersteres wird von Zuwanderern und Gastarbeitern Kistenweise weggeschleppt. Die Afrikaner sind an allem mit Kabel interessiert die Araber an Zeug zum Schrauben und die Polen am Rest für Bau und Renovierung. Klischees in Realität. Meine Matchbox-Sammlung hingegen wird von Herren ab 35 (also meinem Alter) genauer ins Auge genommen. Ich hatte gehofft Kindern eine Freude zu machen und mal weg vom Plastik zu kommen. Doch die Kundschaft hier ist mir auch recht und zahlt besser. Ausgewählte Stücke und sicherlich auch Sammler drunter die die Preise kennen, keine Skrupel für drei Autos auch mal 5,-Euro zu verlangen. Ü-Eier Zeug geht dafür gar nicht.

Es ist ein Spaß und man muss dafür geboren sein, der Opa nebenan macht das zwar schon ne Weile, mich wundert aber wie. Wie oft der Interessenten anschnauzt und sich über deren Preisangebote echauffiert… da geht nicht viel. Die anderen Nachbarn verkaufen auch wenig, sitzen still daneben und wundern sich warum es nicht läuft. Meine Angebote lichten sich und ich muss nachlegen, nun kommt das weniger interessante Zeug aus den Kisten und wird plötzlich zu Goldstaub. Ich werde Zeug los, was ich gar nicht zu besitzen glaubte.

Um die Mittagszeit gibt es kurz Ruhe und ich setze mich mit meinem marokkanischen Hocker (der nicht zum Verkauf steht) an den Bambustisch und schäle meinen Spargel von gestern. Küche hab ich ja dabei und Hunger auch. Da stellt sich wirklich ein Türkenpärchen neben mich und schaut zu. Die dachten ich verkaufe Schäler und haben noch nie Spargel gegessen. Können in 20Minuten wiederkommen, dann ist er fertig. Und schmeckt, beim Kochen berate ich die Leute aus dem dampfenden Küchenfenster. Der Neid der Nachbarn ist nun vollends mein. Hier meine Aussicht zur Essenszeit. Die Kiste ganz am Anfang meines Standes lockt nun mit “zu verschenken” und alle paar Minuten schmeiße ich irgend einen Ramsch hinein.

Das mit der “Zu Verschenken Kiste” gefällt auch meinem direkten Nachbarn der eigentlich auch seinen ganzen Plunder los werden wollte und schmeißt ebenfalls dazu, einmal im Jahr ausmisten war sein Plan. Er versucht mir sogar den ganzen Stand aufzuschwatzen aber meine Sorgen sind die Gleichen und ich mache das nicht zum Nebenerwerb. Die Ersten in der Umgebung packen zusammen. Ich traue meinen Augen nicht, erst vor zwei Stunden war die Platzmiete mit 7,- pro laufendem Meter fällig und nun werfen sie das Handtuch? Ein netter Opi, der noch Spieltiere für seine Enkel kauft erklärt, das ist hier so, früh kommen und früh abhauen. Nicht mit mir, ich bleibe bis zum Schluss. Der ist offiziell mit 16Uhr angegeben, mal sehen was noch geht.

Die Besucher werden weniger und ich nutze nun die Zeit ausgewählte Stücke im nie endenden online-Flohmarkt anzubieten. Bei bestem Wetter, das man sich Mitte April für so eine Veranstaltung wünschen kann ein Traum und Atlas chillt hinterm Bus auf der Wiese in der Sonne.

Einige Platzintensive Schätze habe ich gar nicht erst hierher mitgebracht und die Anfragen häufen sich zur Zeit für Gartengeräte, Lego und anderes Nützliches. Der Metallbaukasten “construction” aus DDR-Zeiten geht dank facebook an einen Bekannten und die Erinnerungen (leicht verblasst) kommen hoch. Sentimentale Bindung an Dinge… doofe Sache wenn man Platz braucht.

Noch schlimmer ist es mit meinem Lego, was auch früher schon teuer war und heute für Normalverdiener unbezahlbar ist. Der Truck mit dem Heli war eine Investition meiner Eltern in meine Bastlerkariere und liegt trotzdem recht wenig bespielt im Originalkarton aus erster Hand seit Jahren mit Andere in einer Kiste. Anfragen aus ganz Europa, da waren 60,- wohl recht niedrig angesetzt. Der erste Anrufer aber aus der Nachbarschaft und mein Favorit zur Übergabe die Tage nach dem Flohmarkt. Ein Australier in meinem Alter, der seine ganze Kindheitserinnerung dort gelassen hatte und sich tierisch freut. Mir sogar einen großzügigen Bonus gab und meinen Abschiedsschmerz damit bestechlich linderte.

Die Kiosk-Stände werden schon wieder zusammengefaltet und auf Anhängern verladen, es verirren sich aber immer noch vereinzelt Kunden, nun zwangsläufig zu mir, da ich der letzte bin. Mich schickt keiner weg, ich hätte noch bis zum nächsten Morgen stehen können. Interessante Menschen dabei und man kommt über viele Dinge ins Gespräch.

Der Flohmarkt also langsam am Ende angelangt und meine Ausbeute kann sich sehen lassen… in Spritgeld umgerechnet komme ich damit wieder bis ans Mittelmeer. Erstaunliches Ergebnis und weit über meinen Erwartungen.

Besser noch, ich bin vier U-Kartons leichter und habe nochmal drastisch aussortiert. Mein nächster Stop beim Berliner Büchertisch… Belletristik los werden. Bücher interessieren irgendwie niemanden mehr. Und die Guten davon gehen die Tage zu booklooker.de, und für die ganzen Ü-Eier gibt es sicherlich auch noch jemanden, hier mal ein Teil:

Außerdem findet sich die nächsten Tage so einiges an Ramsch und Plunder wo es immer noch nen Abnehmer für geben könnte auf Kreuzbergs Straßen wieder, der inoffizielle Flohmarkt da jeder Ungenutztes vor die Haustür stellt und sich dies innerhalb weniger Tage in der Umgebung verteilt. Drei Kisten sind für einen weiteren Flohmarkt übrig geblieben, einer muss noch mit Christie durchgezogen werden um viele Klamotten zu verscherbeln. Und es findet sich sicherlich noch mehr zum Weggeben…

Das war also mein Erlebnis Flohmarkt und ich kann stolz behaupten es voll ausgekostet zu haben. Als erster gekommen, als letzter gegangen… wie früher. Was bleibt ist nur ein Berg Müll wie üblich… selbst von dem könnte man noch Zeug verwenden, das aber wieder ne andere Geschichte.

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