Alleine reisen … Selbsterfahrungstrip ?

Die letzten vier Wochen der Rückfahrt bin ich ja nun quasi schon auf mich alleine gestellt. Alleine oder einsam fragt man sich da manchmal schon. Wir alle leben von menschlichen Kontakten, lernen und tauschen uns aus, aber eigentlich tut es auch mal gut nur für sich zu sein.

In den folgenden Zeilen habe ich mal meine Gedanken und Erfahrungen zum Thema zusammengefasst. Heute mal ein Beitrag ohne Bilder, Selfies sind nicht so mein Ding. Anregungen oder Kommentare sind natürlich gerne gesehen. Was denkt ihr zum Thema?

Ich bin kein Typ der sich gerne abkapselt, man sagt mir nach immer und gerne im Rampenlicht zu stehen, ich bin halt kommunikativ. Tagelange Ruhe wäre für mich eine Geduldsprobe… die wohl nicht bestanden wird. Mein Vorteil ist der Schwarz-Weiße, nun schon seit 9Jahren an meiner Seite. Ein Hund ist also um nicht ganz gesellschaftlich ausgeschlossen zu sein der perfekte Begleiter. Ich kenne leider zu viele a-soziale Individuen, die zu lange von der Außenwelt abgeschottet waren und ihren Schaden davon getragen haben, oder gerade deswegen lieber alleine sind oder sein müssen.

Trotzdem kann für eine gewisse Zeit dies auch experimentell als Selbsterfahrungstrip gesehen werden. Was fängt man mit sich in der Freizeit an, was passiert wenn man sich nach nix und niemandem richten muss? Fängt ja schon beim Essen und Schlafen an. Ich bin Frühaufsteher und habe auch kein Problem vor der Sonne aufzustehen. Man sieht ne ganze Menge mehr Natur und hat diese noch ganz für sich alleine. Logisch fehlt dann am Abend die Energie und Müdigkeit setzt mit der Dunkelheit ein. Eigentlich ein normaler Biorhythmus… wenn da nicht ein Partner wäre nach dem man sich etwas richten muss. So kann ich also getrost behaupten sogar entspannter alleine zu sein und muss mir keinen Kopf über andere machen.
Ebenso beim Essen, was zur Nahrungsaufnahme reduziert wird, logisch gibt man sich selber keine Kerzen oder Tischdecken zur Deko und kocht nur was man mag (oder da hat). Bei vielen Singles ist das leider ein Problem und die Qualität der Nahrung lässt rapide nach. Ne Pizza in den Ofen ist auch simpler… aber ungesund. Dieses Problem habe ich dank Ausbildung zum Ernährungsberater sowie den immer reichlichen Rohkost-Funden natürlich nicht, trotzdem ein interessanter Ansatz im Gedankenspiel der Einzelgänger. Ne halbe Stunde kauend in die Gegend starren ist auch nicht mein Stil, da schleichen sich so Sachen ein, die deine Eltern dir verboten haben, Filme gucken oder Lesen soll man beim Essen nicht… warum eigentlich?

Da sind wir auch schon beim Thema Unterhaltung. Nicht nur der Zeitvertreib am Laptop oder die Beschäftigung mit dir selbst. Ich kann mich nicht an einen einzigen Tag in meinem Leben erinnern an dem ich nicht ein Wort gesagt hatte. Es gibt ja Leute die reden mit sich selber… ich hab dafür nen Hund. Was auch gut geht und dazu noch Aussprache schult ist Bücher in Fremdsprachen lesen und zwar laut. Kann man sonst bei nichtgebrauch von Sprache einrosten?

Anderes Thema: Hörbücher. Sehr tolle Erfindung, wenn dir die Zeit zum Lesen fehlt oder es in einigen Situationen wirklich unangebracht wäre… logisch beim Autofahren. Meine letzten Wochen waren ja eher nen Roadtrip in die Heimat, dafür kenn ich nun aber alle Sherlock Holmes Bücher, den Casanova, das komplette Niebelungenlied (obwohl dir Ferse nach einigen Stunden echt auf den Sack gehen) Homers Odyssee und Les Miserables uvm… Wer hierfür Ideen braucht sollte mal librivox googlen oder dank youtube-konverter nach free audiobooks suchen.

Musik ist eine klassische Ablenkung, jedoch selbst bei 25GB MP3s irgendwann nur noch ne Dauerschleifen. Und gute Filme am Abend tauscht man unter Reisenden auch gerne. Ansonsten hab ich wie erwähnt den Vorteil knapp 30Bücher auf die Reise mitgenommen zu haben. Lieber zu viel als zu wenige und immerhin die Hälfte davon geschafft.

Als Resultat meiner anfänglich aufgestellten These ist die Selbsterfahrung gerade heute im schnelllebigen Zeitalter eine verlorene Erfahrung. Wir alle sind sozial verbunden und auch ich war dank blog und fb nie wirklich weg von der Außenwelt. Übrigens ein interessanter Film über dieses Thema und livestyle— “into the wild”. Es war und ist also eine tolle Sache und ich würde immer wieder auch alleine aufbrechen. Zum Glück muss und kann Christie öfter mal in die Heimat fliegen und ich über meine Zeit frei verfügen.

Ich habe schon von einigen Ausbruchswilligen gehört, die diesen Lebensstil gerne mal ausprobieren möchten, sich aber nicht trauen alleine los zu ziehen. Hier kann ich nur bestärken: Probiert es und seid erstaunt wie viele Gleichgesinnte man unterwegs trifft was wiederum als Pärchen nicht ganz so einfach ist. Solche bleiben auch gerne mal unter sich.

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5 thoughts on “Alleine reisen … Selbsterfahrungstrip ?

  1. Cale says:

    Hi Philipp, interessanter Artikel. Wie gewünscht, ein paar Gedanken auch von mir, sozusagen meine 2 Cent zum Thema….
    Ich stimme dir voll und ganz zu, dass Zeit alleine eine gute Möglichkeit zur Selbsterfahrung und -erkundung bietet und so sehr lehrreich sein kann. Da ich, wie du weißt, seit einigen Monaten selbst einen Hund habe, kann ich aber sagen, dass MIT Hund NICHT alleine sein bedeutet. Wie du schon sagst, redest du immer mit deinem Hund, und wenn es nur ein paar Worte am Tag sind (meist aber deutlich mehr). Ein Hund ist im Endeffekt wie ein Mensch oder jedes andere Tier: Er bringt dich dazu, deine Aufmerksamkeit (zumindest zeitweise immer wieder) nach außen zu lenken, nicht nach innen. Das nimmt viel Potential vom “Selbsterfahrungstrip”. Das ist auch der gleiche Grund, weshalb man beim Essen keinen Film schauen oder Buch lesen sollte (obwohl ich das natürlich auch gerne mache): Du kannst nur maximal eine Erfahrung wahrhaftig wahrnehmen. Wenn du zwei gleichzeitig versuchst zu erfahren, bekommst du von jedem nur die Hälfte mit.
    Mein Tipp: Solche “einsamen” Tage und Stunden lassen sich optimal nutzen, um wirklich wahrzunehmen, was du tust. Im Beispiel aufs Essen: Klar, der Geschmack, aber selbst diesen kannst du – bewusst – so vielfältig wahrnehmen, wie es die meisten nur selten tun. Dazu kommen die verschiedenen Geruchsnuancen, die Handbewegung, die das Essen zum Mund führt, das Gefühl der Nahrung auf der Zunge, am Gaumen, das Gefühl des Schluckens, wie das Essen Richtung Magen wandert – und selbst von hier aus kannst du die Reise noch mitverfolgen…

    Du kannst dich an keinen Tag erinnern, an dem du nicht gesprochen hast. Das können wohl die wenigsten in der westlichen Welt – weil das nur wenige überhaupt erleben. Aus eigener Erfahrung kann ich das aber nur empfehlen, wenigstens einen Tag mal komplett zu schweigen. Besser aber länger. Bei mir hat mein 10-tägiger Meditationskurs in Schweigsamkeit Wunder bewirkt…

    Liebe Grüße
    Cale von inspiritana.org

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    • mb407 says:

      Ja, gibt Potential zum Nachdenken und danke für den Beiträge. Interessante (andere) Ansichten und Meditation ist mir so noch nie in den Sinn gekommen. Aber man entwickelt sich und ich war auch beim Fasten z.B. sehr erstaunt über die Ergebnisse. Mal sehen was noch kommt.

      Bis bald.

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  2. cartoonage says:

    Mir gefällt, wie Du schreibst. Es klingt immer aufrichtig und schnörkellos, versucht nicht, zu beschönigen und ist immer interessant, niemals belanglos.
    Ich selbst bin meistens allein und kann das ganz gut. Mit mir selber sprechen auch. Oder mit meinem Körper. Ich achte ja viel zuwenig auf ihn und stoße mir zb. im Bus oft den Kopf.
    Dann entschuldige ich mich bei ihm und gelobe, beim nächsten Mal besser aufzupassen.
    Liebe Grüße und danke für Deine zahlreichen Anregungen.

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  3. malebenlos says:

    Als “Alleinreisender” bin ich ja nun auch gestartet. Zweifel und Ängste hatte ich natürlich. Aber was soll letztlich schon schief gehen? Wenn einem so sehr die Decke auf den Kopf fällt, fährt eben wieder heim. Dann sollte man sich aber fragen, warum man damit nicht klar kommt.
    Jeder Mensch sollte diese Selbsterfahrung im Leben machen. In dieser Zeit habe unheimlich viel über mich selbst gelernt. Teilweise war es deprimierend 4 Wochen am Stück allein zu sein, aber zurückblickend hab ich vieles über mich selbst gelernt.
    Ich denke heutzutage haben es viel zu viel Leute verlernt mit sich selbst zu sein, zu reflektieren und auf ihre innere Stimme zu hören.
    Alleinreisen, also wirklich komplett allein ist nichts für Ewig und auch nicht DIE Form des Reisens, wie es manchmal von einigen angepriesen wird, aber für eine gewisse Zeit kann es sehr heilsam sein. Ich denke die Mischung machts! 😉
    Am Ende gilt für mich “Glück ist nur echt, wenn man es teilen kann”.

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