Europa… und deine Verschwendungen.

Ich muss mal wieder einen kritischen Beitrag loswerden. Wie viele wissen haben wir die letzten drei Monate in Marokko, einem für europäische Verhältnisse unterentwickelten Land verbracht. Obwohl auch dort der China-Plastik-Müll in großen Schritten einzieht sehe ich aber nicht warum man von unterentwickelt spricht, wenn regional und saisonal sowie landestypisches Handwerk die meisten Verbrauchsgüter ausmachen.
Es gab im Vergleich zum Jahr davor sogar schon eine umwelttechnisch großartige Neuerung, Plastiktüten sind so gut wie verboten worden. Alles Ansichtssache.

Zurück in Europa ekelt es mich schon regelrecht an, was ich hier wieder zu sehen bekomme. In den Discountern gibt es alles und das reichlich, am liebsten nochmal günstiger als beim nächsten Markt direkt gegenüber. Ende Februar schon massenhaft Dekoration und Süßkram… den Ostern steht vor der Tür, dazu komme ich aber später nochmal. An der Grenze Spanien-Frankreich in einer sonst verlassenen Gegend ein El Dorado von Outlet Geschäften… auf beiden Seiten. Welchen Sinn macht das, da zollfrei einkaufen ja kein Argument mehr sein kann. Kilometerweit leben beide grenznahen Ortschaften nur vom Durchgangsverkehr und hoffen Klamotten, Alkohol und Tabak in Bezahlmittel vergütet zu bekommen mit denen wiederum der eigene Bedarf an Kommerzware gedeckt werden kann.

Die Umwelt ist mal wieder der Verlierer, auch wenn es abgedroschen klingt. Jeder weiß es und schaut trotzdem weg, die Entwicklung von technischen Gerätschaften ist exponentiell beschleunigt und wo früher alle paar Jahre mal ne Neuauflage das Vorgängermodell ablöste sind es heute nur noch Monate und mit dem Alten kann man sich ja nicht mehr sehen lassen. Das Neue hat jetzt nicht mal mehr Knöpfe… na super.

Ich gehe containern, kein Geheimnis, und entnehme der Wegwerfgesellschaft die Überbleibsel um irgendwie auch meinen Teil beizutragen nachhaltiger zu leben. Ich habe oft genug schon beschrieben, dass es alles zu finden gibt. Die Vernunft und das beschränkte Platzangebot sind mein Limit. Ich fand ja mal ein Fahrrad, ne einmalige Sache denkt man. Heute war es wieder so weit, der unabsichtliche Blick in einen Container hinterm Decathlon, (großes Sportgeschäft) ließ meinen Atem stocken. Ein modernes Mountainbike, Scheibenbremsen formschöner Alurahmen. Doch bei genauer Ansicht noch gegen Leute wie mich “gesichert”. Wirklich jedes noch erdenklich brauchbare Ersatzteil zerstört, mit Wut oder einfach nur aus Neid. Jede Speiche durchgezwickt, die Bremsscheiben verbogen, der Rahmen mehrfach angesägt, Sattel und Reifen mit dem Kuttermesser geschlitzt… da hat jemand richtig Arbeit investiert. Warum nur, selbst wenn abgeschrieben hätte sich doch jemand drüber freuen können. Aber dann wäre ein potentieller Kunde weniger auf der Welt, was für eine Logik.

Der Zufall fand doch noch einen Nutznießer, der polnische Kleinlasterfahrer neben mir hämmert am Tretlager seines alten Mountainbikes herum. Ich zeig ihm schnell was er ungläubig und dankend annimmt. Ohne Zerstörungswut hätte ich jetzt zwei neue Laufräder für ein defektes MTB zuhause. Über mutwillige Zerstörung bei Lebensmitteln hinterm Supermarkt habe ich ja auch schon mal berichtet. Es reicht nicht nur wegwerfen anstatt zu spenden oder sei es nur den letzten Kunden am Abend die abgelaufenen Lebensmittel als Bonus mitzugeben. Man muss es noch zerstechen, -schneiden, -treten oder mit Waschmittel überschütten um Lebensmittelretter fern zu halten. Daumen hoch mit Verachtung. Es geht aber auch anders, hier fand ich alles sortiert in saubere Tüten eingepackt. Große Auswahl, gute Beute.

Zum Thema Kommerz noch die letzten Worte. Denkt daran, bald ist wieder Ostern. Der Hintergrund dieses Festes schon lange nicht mehr wichtig. Kaufen – kaufen – kaufen ist angesagt. Dass die ganzen leeren Kalorien aus hauptsächlich Zucker und Fett weder gesund sind noch Kinder-Zähnen gut tun oder die Geschmacksnerven sensibilisiert ist völlig egal. “Schokolade” mit so wenig Kakao, dass es eigentlich braune Zuckermasse heißen müsste in allen erdenklichen Formen im Angebot. Der Unterschied zum Weihnachtsangebot nur die Form und Verpackung. Was mit den Resten dann passiert könnt ihr euch denken. Hier waren wohl noch die Lager voll und die Osterwaren fanden keinen Platz. Kurzerhands muss beim hochmodernen Intermarche in Frankreich alles in die Tonne.

Unglaublich aber neben völlig intakten und noch haltbaren (weil Zucker nicht schlecht wird) verpackten Weihnachtsmännern in Kompaniestärke gab es Tütenweise Bonbons und anderes Zeug was bei vielen Begehrlichkeiten wecken würde. Zum Glück bin ich darüber schon ne Weile hinaus und mache nur diese Fotos.

In Tonne Nummer vier dann zur Abwechslung mal Austern, Dekadenz muss sein. Aber davon lasse ich lieber die Finger – Fisch nur an der Küste.

Immer lohnenswert mal hinter den Markt zu schauen, wie es dort aussieht. Eigentlich so unscheinbar, ich frage mich nur ob die Mitarbeiter das mit ruhigem Gewissen tun können wie müssen.

Also mehr Schein als Sein und schon die Aufmachung des Konsumtempels wirkt auf mich nun wie ein gehäßisches Lachen mit den Worten… Mir doch egal, Profit haben wir trotzdem gemacht. Denkt daran, wen ihr unterstützt.

Die Schande ist, dass die Überproduktion von euch geschaffen wird, den vielen einzelnen Kunden die schnell mal, wenn auch gar nicht auf der Einkaufsliste stehend an der Kasse schnell noch ne Tüte bunte Schoko-Eier.. kostet ja nur nen Euro… mitnehmen. Braucht man sowas? Naja. um im System der Hamsterräder zu funktionieren und mundtot gemacht zu werden schon. Frohe Ostern.

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