Abenteuer Ait Melloul, Schrottplatz und Snacks

Wir erwachten im Steinbuch nahe der Straße Richtung Agadir. Völlige Ruhe umschließt uns und wir gehen spazieren. Also Atlas und ich, wie üblich. Der dunkle Pfad von gestern Abend ist von Arganbäumen gesäumt und windet sich später den Berg hinauf zu ner anderen Abbruchstelle. Hübsche Gegend und der Ausblick ins Tal noch in Sonnenlicht getaucht, verschwindet zusehends in einer herein fließenden Wolke. Wie schon gestern ein Wunder der Natur und als mich der Nebel erreicht kann man die Feuchtigkeit regelrecht spüren.
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Wir lassen also wieder mal der Sonne etwas Zeit und starten den Tag ohne Stress. Das Bild vom Tümpel vor uns bringt echt Stimmung rüber. Der Teich muss hier dauerhaft sein, es schwirren unendlich viele Kaulquappen in allen Lebensstadien drin herum. Man kann in aller Ruhe sogar erkennen, wie die älteren, fast schon Frösche, an Land gehen und erste Versuche wagen.

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Nach der Abfahrt ist es dann vorbei mit der Ruhe, wir kommen recht zügig in einem der Zentren Marokkos an und haben eine Mission auf dem Schrottplatz in Ait Melloul einem Vorort von Agadir. Ich will einige Ersatzteile und Werkzeug veräußern und auch die Yamaha anbieten, suche gleichzeitig ein Fünfganggetriebe für unseren Bus. Schon auf den ersten Metern der 1,5km langen Piste durch Hallen und Garagen wird von jeder Seite Hilfe angeboten. Ich stoppe und erkläre meine Anliegen, prompt kommen viele weitere Interessenten und schauen sich mein Zeug an.

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Im Ergebnis werde ich zwar nicht das Motorrad los aber einen ganzen Haufen anderen Ballast gegen gutes Spritgeld. Die Suche nach dem Getriebe ergab auch Treffer und nen Mechaniker fand ich ebenfalls, der mir Morgen hilft das Teil einzubauen. Ich checke später nochmal Details im Internet. Ne Belohnung für Christie als Kompensation der Wartezeit fährt hier ebenfalls vorbei, eine mobile Saftpresse für Zuckerrohr mit Zitrone.

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Ein Paradies für Bastler, Jäger und Sammler und so einiges an Altblech steht hier in den Ecken rum. Die ganze Allee sollte man mal gesehen haben, nur ein Graus für Arbeits- und Umweltschutz. Der Videozusammenschnitt stammt vom letzten Jahr.

    Die Halle mit meinem Getriebe ist nach hinten knapp 150 Meter tief und weitet sich gigantisch aus. Der Besitzer ist hier schon seit 40Jahren aktiv und hat gefühlt alles. Nummer 67 aus über 250 Buden und Plätzen, der Wahnsinn.

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    So vergeht der halbe Tag in meinem Interesse, da es unser letzter Gemeinsamer ist und Christie morgen fliegt darf sie den Rest bestimmen. Snacken, was sonst. Ich weiß auch wo und suche uns einen Parkplatz auf dem ich erstmal wieder klar kommen muss. Mein Körper hat die ganze Sonne nicht vertragen und reagiert mit Kopfschmerz und Schüttelfrost. Sonnenstich oder Hitzschlag, keine Ahnung. Nen Tee, ne Runde Schlaf und noch vor der Dämmerung bin ich wieder einsatzbereit. Der Ausflug auf den Markt und die Umgebung am großen Rondel zwischen Ait Melloul und Inzegane kann starten.

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    Der weltgrößte Sardinenhafen Agadir ist nicht weit und frittierten Fisch bekommt man also frisch an jeder Ecke. Mein Favourit die kleinen Sardinenburger mit Zwiebeln und Semolagranulat, dazu nen Hauch Peperoni und dazu ne Blätterteigpizza wenn man das so nennen kann. Der Witz, das ganze zusammen macht zwei Leute satt für 10Dh Fisch und 5Dh Pizza knapp 1,50€

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    Nebenbei müssen wir auch noch Gemüse shoppen und Mitbringsel wie Datteln und Amlou was über den großen Teich fliegt. Im nahen Sous-Massa Delta wird alles angebaut und die Preise hier günstiger wie nirgends in Marokko. Gut beladen müssen wir uns ne Stärkung in der Patisserie holen, sorry für die Details, muss aber auch mal sein.

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    Creppe mit Cremfüllung 2Dh, SchokoBall mit Mandeln 1Dh und die Dattelnusspaste zwischen Oblaten mit Nusssplittern ebenfalls 1Dh. Heißt 1000Kalorien für 40ct. unglaublich, dass hier nicht jeder fettlaibig durch die Gegend rollt.

    kurze Pause am Bus zum Abladen, ich lasse mal Bilder von Harcha und weiteren Pfannkuchen mit Honig und Amlou aus, wir waren auch in ner Suppenküche und haben die klassische Harira genossen ich kann schon nicht mehr. Christie beharrt aber auf ihren letzten Abend in Marokko… und ich bin machtlos. Zum Abschluß finden wir die mit Abstand beste Bissara Suppe in einem kleinen Bistro an der Hauptstraße mit Blick aufs Rondel. Der Avocadoshake die Krönung und das definitive Ende.

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    Zur Vervollständigung: Suppen kosten 3-5Dh und der Shake lag bei 10. Marokko is “the place to be” um ein Schlemmermäulchen mit 6,-€ für nen ganzen Abend glücklich zu machen. Würden wir Fleisch essen gäbe es unendlich viele Grillstände und Sandwiches für Portionen zwischen 10-20Dh.

    Der Schlafplatz ist eine große befahrbare Parkregion zwischen Schrottplatz und Flughafen. Klingt unentspannt, aber nachts ist nix los und auch den ganzen kommenden Tag über verbringen wir hier relativ abgeschieden. Flugzeuge hört man alle paar Stunden mal, noch keine Hochsaison. Die Schlemmerei von gestern Abend hält noch ne ganze Weile vor. Mittags folgt aber das frische Obst vom Einkauf gestern. Erdbeeren im Februar, halt heute ist der 1.März und zusammen mit Birnen und Bananen wertet es Orangen und Mandarinen schnell auf.

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    Für heute steht nur Packen an und der Weg zum Flughafen, ich mache mich danach solo auf ne zweite Runde Schrottplatz. Meine Recherche hat dank BusfreaksForum ergeben, dass das Getriebe nicht plug and play passt, sondern der Kardan gekürzt werden muss. Da ich hier keinen Ersatz finde und den Schweißkünsten nicht traue ist die Mission Umbau gescheitert. Falls ich aber ein günstiges Getriebe finde kann man es ja schon mal mitnehmen. Dem ist leider nicht so und die Preise ähnlich der Heimat, nu da gehe ich von besserer Qualität aus und hab noch jemanden zu Greifen, falls es doch nicht rund läuft. Trotzdem ein weiterer Spaß durch die Gegend zu schlendern.

    Christie also bald in der Luft, es gab noch etwas Probleme mit der Busregistrierung, die in ihrem Pass gelandet ist. Sie wollten sie ohne Van nicht raus lassen, haben dann aber doch verstanden und ich musste nicht nochmal vorbei. Mein Weg nun also nach Norden. Ich hab mir nen zeitliches Ziel gesetzt, heißt aber auch Reisestress, wie kann ich nur. Die letzten Tage Atlantik werde ich aber noch genießen. Heute geht es quer durch Agadir zum Surferstrand nördlich Taghazout. Die Großstadt dann zum “Feierabend” ein Chaos aber nix verglichen zu Rom, Paris etc. Ich bahne mir also meinen Weg und entdecke den ersten Unfall, überfällig bei der Fahrweise einiger Marokkaner. Der hier hat aber gesessen und der Dacia Höhergelegt.

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    Hinterm Berg dann endlich wieder ruhiger Verkehr und weniger volle Straßen. Ich weiß wo ich heute schlafen will, die eintretende Dunkelheit stört mich nicht weiter ist nicht mehr weit. Eine zweispurige Kurve und vor mir schleichen zwei Taxis mit 20kmh auf der Hauptstraße rum, ich ziehe rüber und fine hinter der Kurve Verkehrshütchen die Straße versperren. Nix akutes also keine Vollbremsung um den Bus nicht in Unordnung zu bringen. Die Plastikdinger schleifen unterm Bus mit und wenige Meter weiter erkenne ich nun auch den Grund dafür. Ne Polizeikontrolle mit sehr fahrlässiger Absperrung, war wirklich kein Schild vorab. So bin ich natürlich erstmal Mode und die Herren in Uniform wollen mal näher gucken, gleich den vollen Kram mit Papieren und Zetteln. Es gab dann viele Worte und doch wohl zu viel auszusetzen, er wollte sich den Papierkram sparen, schickte mich dann mit ner Ermahnung weiter. Das war das erste mal in 6Monaten Marokko, dass jemand meine fehlenden Sicherheitsgurte monierte und nach ner internationalen Versicherungskarte fragte, die ich natürlich auch nicht habe. Rücklicht kaputt und Nummernschild vom Anhänger nicht lesbar weil dreckig und verdeckt, nagut, das sollte ich wirklich mal regeln.

    Die nächsten Meter also etwas ruhiger. War auch gut so, denn die Hauptstraße ab Aourir existiert quasi nicht mehr. Es sieht nach ner gepflegten Wohngebietsstraße aus mit netter Bepflanzungen und Dekoration auf den vielen Verkehrsinseln und kurzen Kurven zur Verkehrsberuhigung. Die Gegend im letzten Jahr noch ne Baustelle soll wohl mit Villen und Resorts ausgebaut werden. Ne Umgehungsstraße folgt dann wohl anschließend. Ein weiterer Schlenker führt mich dann direkt nach Taghazout und hier ist was los. Surfmekka war ja klar aber auch am Abend ein sehr “chilliger” Ort und die ganzen coolen Kids hängen in den Cafes und auf der Straße ab. Sollte man mal gesehen haben.

    Ich passiere und hab’s nicht mehr weit zum Arganwäldchen neben der N1, finde jedoch die Einfahrt nicht auf Anhieb und zweifle schon ob auch hier die Baustelle zuvor der früher beliebte Stellplatz für Vans und LKW gewesen war. Am Leuchtturm nahe Tamri war ich definitiv zu weit, also nochmal zurück und die erstbeste (oder einzige) Abfahrt genommen. Niemand hier, die Steilküste und das tobende Meer direkt neben mir, toller Platz. Gute Nacht.

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