Abschied aus Tafraoute

Wir wollen noch einen letzten Tag in Tafraoute verbringen und Parken hinter der ganzen französischen Weißware in der Palmerie in Gesellschaft von angenehmeren Reisegenossen. Ein ganzes Rudel 4×4-LKW, ein paar Rundhauber, nen Leipziger T3 Bus und holländische Düdos, das sind Nachbarn wie man sie wünscht.

Die Sonne knallt heute wieder und die Schlechtwetterperiode ist vorbei. Die einmalige Umgebung kommt so erst richtig zur Geltung, schade dass der Rest der Truppe es nicht abwarten konnte und den herrlichen Anblick verpasst. Christie hat auf den umliegenden Wanderwegen Spaß auf dem Moped und ich bereite unser Heim für eine Nacht vor. Der Weg in die Stadt später aus Bequemlichkeit natürlich motorisiert. Leider hat unser kleines Restaurant vom letzten Jahr immer noch nicht geöffnet, bei der Nachbarin erfahren wir aber dass es dem Betreiber gut geht und ordern bei ihr gleich Pfannkuchen.

Heute bleibt die Küche im Bus mal wieder kalt und wir schlendern wie die restlichen Touris die Hauptstraße entlang und snacken uns durch die Gegend, wie es Christie gefällt. Hier ne Bissara-Suppe, dort nen Teller Bohnen. Man vermisst die Straßenstände wie in größeren Städten aber wenn man abseits der Restaurants sucht findet man auch kleine heimische Angebote. In der Marktgegend werden am Fischstand direkt Sardinen frittiert, ein ofenfrisches BerberBrot dazu, ein simpler Traum. Zum Abschluss nen dicken reichhaltigen Obstsaft beim Bäcker, der eher nem smoothie gleicht. Und süße Naschereien gibt es sowieso überall.

Die Straßen am Abend bunt beleuchtet, die meisten Geschäfte offen und so frönen wir mal dem Kommerz und kaufen neue Schuhe. Babouches sind berühmt für diese Gegend, meist in knalligen Farben sind meine eher schlicht braun, dafür aber aus Ziegenleder mit Recyclingsohle aus Autoreifen. Sollte ne Weile halten und 8,-Euro für Handarbeit in Größe 45 ist mehr als vertretbar.

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Glücklich und satt zurück am Bus kann der Ofen heute aus bleiben, es ist auch nachts nun deutlich wärmer. Wir wollen in Ruhe noch nen Film schauen, als es an der Tür klopft. Unglaublich, aber hier werden 10Dh Parkgebühr verlangt. Im letzten Zipfel der Freifläche neben der Stadt kurz vor der Kletterwand befinden wir uns trotzdem noch im Einflussbereich zweier mit offiziellem Ausweis ausgestatteter Wächter der Palmerie. Naja, keinen Bock auf Diskussionen heute. Das ist es wert.

Wir wollten auch unbedingt hier stehen um am Morgen mit Kletterequipment zur nahen Wand zu gelangen. Doch erstmal wie üblich ganz in Ruhe. Ausschlafen ist schwer machbar in dieser Gegend. Die Palmerie von jedem zugänglich und so schreit der Bäcker kurz vor 8 seinen monotonen Text in französisch und englisch herum und hofft auf frühe Kundschaft aus den Wohnmobilen. Es ist sowieso Zeit für meine Runde mit Atlas, mal gucken wie es hinterm nächsten Hügel aussieht, da war ich noch nie. Oben angelangt mit Blick zurück auf die hübsche Stadt und das gigantische Feld von schillernden Wohnmobilen davor ist es ein komischer Anblick. Aufs Foto dann lieber die Gegend ringsum, etwas diesig noch, die ganze Feuchtigkeit im Boden wird die nächsten Tage noch verdunsten.

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Auf der anderen Seite dann nichts als rote Felsen und übliche Natur nur durchbrochen von einem Nomadenzelt. Hier wohnt ein Ziegenhirte der lautstark seine Herde vorantreibt. Die umliegenden Arganbäume werden sofort erklommen und nach Nüssen abgesucht.

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Öfter schon gesehen und trotzdem selten aufs Foto gebracht. Arganprodukte sind auch hier in der Region ne wichtige Nummer. Als kurze Erklärung: Die Nüsse werden zu Öl gepresst und gelten als bestes Speiseöl der Welt, teilweise auch zu kosmetischen Produkten umgewandelt bekommt man sogar die Pressreste als Fladen zu kaufen. Das besondere daran, traditionell werden die Nüsse von Ziegen geerntet und mit dem Kot vorverdaut wieder ausgeschieden. Das setzt nicht nur spezielle Enzyme frei, sondern entfernt auch die grüne äußere Schale die sonst mühsam von Hand in immer populärer werdenden Kooperativen abgeschält werden muss. Marokko gilt als größter Arganproduzent der Welt und der Liter Öl ist ein Haufen Arbeit, mit nichts anderem zu vergleichen. Preise zwischen 10-25,-€/l sind normal.
Der Geschmack außergewöhnlich herb und nussig. Wir besitzen auch seit einigen Wochen etwas das perfekt zum Verzehr mit Brot passt. Die Herkunft ist aber wichtig und wir trafen einen Deutschen der einen Bauern kennt der noch auf traditionelle Weise produziert und nicht panscht, und dieser war sogar bereit gegen Kleidung und alte Telefone zu tauschen. Welch Luxus bei uns im Bus.

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Mein Morgenausflug war nicht die einzige Verzögerung für unsere frühen Kletterpläne. Nach dem Frühstück bekamen wir Besuch vom älteren DüDo-Treiber der sehr an der zeitgenössischen Suzuki interessiert war. Wie auch immer es kam, wurde ich einige meiner überflüssigen Ersatzteile los und er freut sich über vier neue Radbremszylinder und ein Foto der SP. Zuwachs in der DieselKasse. Seine belgischen Nachbarn leben auch simples vanlife und haben ihren Flachdach-DüDo mit einer Kuppel wie Team Schoko ausgestattet. Diese kann man jedoch öffnen und mit nem Rollo verdunkeln, coole Sache. Die Außendusche dann auch neu für meine Augen, ein Zelthersteller hat sich da was teuer bezahlen lassen.

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So tauscht man sich also aus und bleibt in Kontakt, die Kletterwand ruft. Die Routen haben wir zwar im letzten Jahr schon absolviert, aber immer wieder ne neue Erfahrung. Auf der Sonnenseite um die Mittagszeit schon nicht mehr angenehm und nach zwei drei Durchgängen werfen wir das Handtuch. Tolle Aussicht und eine weitere schöne Erinnerung.

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Wir verlassen danach unseren Platz und machen uns auf den Weg nach Norden. Christie fährt die Enduro vorneweg, das wird ein Spaß die nächsten Tage. Doch erstmal müssen wir unbedingt nochmal beim BerberBrotBäcker anhalten.

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Man erwirbt hier nicht nur leckeres und warmes Brot, sondern automatisch ein Stück des Ofens. Im Lehmofen wird ein Feuer gehalten, der Teigfladen dann direkt daneben auf die heißen Kiesel gelegt. Steinofenpizza aus der Vorzeit könnte man meinen. Ich hoffe nur daran hat sich noch niemand die Zähne ausgebissen.
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