Klettern um die Region Painted Rocks

Wie erwähnt sind wir nur noch in Begleitung der Zensnail an den Blauen Felsen in Tafraoute. Der Tierartztermin ließ Team Schoko (ehemals orange) gen Agadir ziehen. Sönke im Hausmeisterbus ohne Heizung wollte auch raus hier und hofft auf besseres Wetter an der Küste. Olli machte sich mit den Beiden auf den Weg in die Richtung um Besorgungen wie Gasflaschen füllen und Wäsche waschen auf nem CP zu erledigen. Christie fliegt in wenigen Tagen ab Agadir und ich treffe sicherlich nochmal einige Begleiter auf dem Weg nach Norden wieder. Der Witz ist, dass auch das schlechte Wetter verschwindet und sich ab und an die Sonne sehen lässt. Der Morgen verheißungsvoll, die restlichen Wolken hängen nur in den hohen Bergen. Atlas genießt seinen Morgenspaziergang und die stille Aussicht auf… nichts.

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Wenigstens einen schönen Sonnenuntergang wollen wir in dieser Region geniessen. Bis dahin steht Organisation der Garage auf der Tagesliste. Ich werde versuchen etwas Ballast an die Marokkaner zu verscherbeln.

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Immer wieder erstaunlich, was sich so im Heck ansammelt aber so komme ich auch mal wieder ans Kletterzeug heran welches zuletzt vor einigen Wochen in der Todra Schlucht benutzt wurde. Tafraoute ist auch zum Klettern ein Highlight auf der Marokko-Karte. Nicht weit von uns bin ich letztes Jahr mit Christie an einer Wand gescheitert und möchte gerne mit Mike als Vorstieg nochmal probieren dort oben anzukommen. Wir schwingen uns auf die Mopeds und fahren nach Aguerd Oudad um dort den Gipfel eines der Typischen runden Berge zu erklimmen. Die Wand von unten gesehen eine griffige Herausforderung, die Mike gewillt ist einzugehen. Die Höhe mal wieder grenzwertig, ein Plan B bei zu kurzem Seil existiert aber auch. Auf gehts’s.

Es ist eine Tortur und das sehr raue Gestein fordert bald Tribut in Form von Abschürfungen. Viele Möglichkeiten für gute Griffe oder Tritte gibt es doch nicht und die kleinen Absätze reichen meist gerade so für ein paar Finger oder Zehen. Mike packt es aber und genießt die Aussicht in dieser einmaligen Gegend. Beim Abseilen dann die Überraschung, mal wieder sind 50m Seil zu kurz und die Route damit weit über 27m hoch. Der Kleine Vorsprung rechts ist dann Ziel für Mike, während ich unten links nochmal nen Meter Seil gewinne. Jetzt gibt es keine Ausreden mehr, ich muss da hoch. Adrenalin macht sich bei den Bedingungen bemerkbar. Einmal abgerutscht, einmal meine Balance verloren weil der Handstein von der Wand gebrochen ist und eine für mich unüberwindliche Stelle dank Hilfe am Seil gemeistert. Mike motiviert mich und hat die ganze Arbeit nicht umsonst gemacht, ich erreiche den Gipfel und bin überwältigt. Ein Foto kann ich leider nicht bieten, mein Telefon hat sich unterwegs von der Schwerkraft überreden lassen. Hosentasche beim klettern war keine gute Idee, die Otter Box Sicherheitsschachtel um das iPhone jedoch schon. Der Sturz aus knapp 12Metern mit einigen Anschlägen an der Wand wurde ohne Defekt überlebt. Display heile, nur etwas gebogen sieht es aus, ich glaub heute ist mein Glückstag.

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Dieses Foto hier zeigt die Umgebung und einen vergleichbaren Gipfel den wir nach unserem Abstieg sehen. Die Mopeds warten unter uns und eine weitere tolle Ausfahrt durch die Ebene Richtung Blaue Felsen steht uns bevor. Ich liebe diese Gegend.

Hungrig zurück mit den Geschichten der Abenteuer im Gepäck erwarten uns unsere Mädels zum letzten gemeinsamen Essen. Auch die Zen Snail und unsere französisch/kanadischen Freunde werden weiterziehen und mal die Einsamkeit geniessen. Zum Abschied eine Schale Couscous und Christie kocht anscheinend immernoch für ne Armee. Danke mein Schatz für dieses gelungene landestypische Festmahl.

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Wir bekommen in der sonst echt ruhigen Gegend mal einen sehenswerten Nachbarn. Der Fahrer ein alter Hippie-Schweizer, das Gefährt ein Mowag der schweizer Post knapp 60Jahre alt. Die Technik des Allraders interessiert mich und fahrend sieht das echt witzig aus. Viel Gebastelt wurde an dem Gefährt, der Dodge Benziner musste einem englischen Perkins Diesel weichen, DüDo Getriebe bringt nun Vortrieb und die Sprengringfelgen halten einen Großteil der Federung… nämlich die Reifen. Langsam aber überall hin ist hier Thema.

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Unser Abend also wie geplant ganz in Ruhe und romantisch in der außergewöhnlichsten Höhle der Region. Einem Helmförmigen Stein auf dem Gipfel der Felsen neben dem Stellplatz. Mal wieder fragen wir uns wie sowas entstehen kann, war Wasser beteiligt, oder nur der Wind und Sand?

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Hier sitzen wir also mit einer Kerze und Flasche Wein, philosophieren und planen die nächsten Schritte, es gibt gut zu tun in der Heimat. Ballast loswerden um noch freier zu sein.

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Der Sonnenuntergang zwar nicht sehr fotogen aber in unseren Erinnerungen eingemeißelt. Der Weg zurück in totaler Dunkelheit nochmal eine Challenge. Wir haben vergessen das Heimbringerlicht “Today is a good day” einzuschalten. Die Taschenlampe leuchtet zwar den Weg aber nicht das Ziel. So wird es noch ne Nachtwanderung und auch ein Spaß.

Am Nächsten Morgen dann der Abschied und die Abfahrt aus dem Gebiet. Nochmal zum Brunnen um Wasser zu bunkern entdecken wir dort bekannte Gesichter. Zuletzt in Sidi R’bat verabschiedet sind der Landi und der rote Maghirus dort eingetroffen. Man sieht sich in Marokko immer zweimal wie die Erfahrungen zeigen. Viele Geschichten wurden in der Zwischenzeit geschrieben, die Truppe hat es bis zur Mauretanischen Grenze geschafft und ist nun auch langsam auf dem Rückweg. Wir ziehen mittags weiter nach Tafraoute, es gibt noch was zu erledigen.

Bei der Reparatur des letzten Reifenschadens an der Quellen in Fask habe ich nicht nur dankbar eigenhändig die Sprengringfelge mit neuem Schlauch bestückt und einen gigantischen Nagel aus dem Gummi gezogen, sondern auch die Radhäuser von Schlammkruste befreit. Dabei ist mehr abgegangen als mir lieb war und auf jeder Seite etwas Blech mit flöten gegangen. Diese Bereiche waren im Sommer bei der Restauration dort noch in Ordnung, naja ist halt altes Blech. Rost loswerden soweit möglich und mit Versiegelung Einhalt gebieten. Nur müssen die Löcher zu. Der Radkasten ist nicht durch, nur das zweite Blech darunter bietet nun schöne Taschen für Dreck und Feuchtigkeit was dann erst Probleme machen kann. Schweißen geht nicht, da der frische Innenausbau mit massig Isolierung nicht feuerfest ist. Ich höre mich also mal bei den bekannten Garagen in der Stadt nach Lösungen um.

Nummer eins Richtung Agadir will mit Polyesther kleben und ruft dafür 400,-Dh auf. Der Check in der Garage im Zentrum wo wieder mal Hippie-Busse lackiert werden macht mir mehr Hoffnung. Momo meint das hält nicht und will punkten, ich überrede ihn zum Nieten und will vorher noch Karosseriekleber zwischen den Blechen haben. Mehr Arbeit, höherer Preis aber sofort machbar. Und wir einigen uns auf eine Teilzahlung in bar und den Rest in Bier und Wein vergütet. WinWin für alle und die Mitarbeiter freuen sich auf das Feierabendbier. Echt ne entspannte Atmosphäre hier und die Arbeit an den anderen Fahrzeugen sieht gut aus, komplette Haupt und Hilfsrahmen abgekratzt und neu grundiert. Das waren pro LKW wohl zwei Tage Arbeit mit ner handvoll Helfern. Diese Schinderei steht bei meinem Bus im Sommer noch an und ich könnte fast schwach werden das machen zu lassen… aber erstmal eines. Radhäuser wieder dicht.

Die Ergebnisse an meinen Radhäusern mehr als zufrieden stellend und Mohammed (Momo) sehr zu empfehlen. Er bringt mir sogar noch zwei weitere Käufer für Bier und Wein, sodass meine Reparatur im Endeffekt bargeldlos von Statten ging, so mag ich es. An meinen Mechanikerkisten mit Werkzeug und Ersatzteilen war er nicht interessiert, ist halt auf Karosserie und Lack spezialisiert. Dafür fahre ich aber nach Ait Melloul und berichte über ein weiteres Abenteuer mit marokkanischen Mechanikern.

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