Roadtrip Taznakht – Taliouine – Taroudannt

Wir verlassen den Stellplatz recht früh am Morgen. Heute steht Fahren auf der Agenda. Die Route führt raus aus dem Valley, auf die Hauptstraße Richtung Marrakesch die wieder mal gut frequentiert ist und zum Glück nur kurze Zeit später links ab nach Taznakht der N10 folgend. Im Gegensatz zu den letzten Tagen ist es langweilig und die Umgebung karg. Wir lassen die großen Berge schnell hinter uns werden aber dafür von vielen Kleineren begleitet. Macht uns auch nicht schneller und die Höhenmeter auf der Strecke summieren sich.

Inmitten der Einöde dann eine Tankstelle, doch auf den zweiten Blick echt Fehl am Platz. Gas Heaven und die nächsten 200Meilen wohl nix mehr.
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Die Tanke dann wahrscheinlich noch nie in Betrieb gewesen stellt sich als weitere Kulisse heraus. Der Stil erinnert sofort an Tarantino oder andere Verrückte. Ein paar Fotos folgen.

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Es sitzt sogar ein Marokkaner im Poncho rum, der wahrscheinlich weniger Aufpasser ist und eher auf nen Dirham von Touristen hofft. Wäre der Shop in besserem Zustand hätten wir was gekauft, nen ordentlichen Hamburger hätte auch niemand ausgeschlagen, so aber betritt niemand den Raum.

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Diese willkommene Abwechslung also vor dem ersten Stop in Taznakht, einem Zentrum des Teppichhandels. Leider heute nicht Souk-Tag und wir nur auf der Durchreise mit den üblichen Bedürfnissen. Obst, Brot und nen ganzen Sack guter günstiger Datteln. Am kleinen Wochenmarkt auch endlich der erste Stand mit Amlou und Honig. Die Preise jedoch noch zu hoch, muss warten.

Ab jetzt geht es zügiger voran, wir machen gut Strecke und sind kurz nach Mittag in Taliouine, der Safran Welthauptstadt. in der Umgebung hat sich die Bevölkerung auf den Anbau der Krokusse mit teurem Inhalt spezialisiert. Sehr arbeitsintensiv und nur im September bei der Ernte ertragreich. Aus einer Blüte kann man bis zu 3Stengel gewinnen, für 1g Safran sind schon viele hundert Blüten notwendig. Die Blumen werden bis zu 10Jahre alt bevor neue Zwiebeln gesteckt werden müssen. Interessant, aber erstmal Hunger.

Wir schlendern also durch die Stadt und suchen uns was zu Mampfen. Die Tajine hier für meinen Geschmack zu teuer, also beim Nächsten Bistro Suppen, Bohnen und Fleischpfannen mit Pommes geordert. Ein Festmahl und man glaubt es kaum, ein besonderer Geschmack. Die Einwohner lassen sich nicht lumpen und würzen hier mit ihrem Kulturgut. Lubia mit Safran… die besten Bohnen meines Lebens. Nun kann ich mir auch vorstellen, warum die Tajine etwas teurer war.

Jetzt muss nen Verdauungsspaziergang her. Hier gibt es eine Kooperative, die sich mit besseren Arbeitsbedingungen und Gemeinschaftslösungen des Safrananbaus befasst. Diese besuchen wir und lernen noch mehr über das antike Gewürz, welches nicht nur der Paella seinen Geschmack bringt.

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Natürlich muss solch ein Heiligtum in 1.Güte mit, auch wenn der Preis vielleicht überrascht. 5,-€ für das kleine Glas mit 1g Inhalt. Wer aber mal im Supermarkt schaut ist mit den 275mg Döschen auch nicht günstiger dran und bekommt minderwertige Ware aus dem Iran. Hätten wir einen 50g Beutel mitgebracht, wäre der Preis etwas verhandelbar. 150,- wollte aber keiner dafür ausgeben, und Händler sind wir nicht.

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In den Bergen rings herum soll man gut wandern können, für unser Empfinden sind wir aber noch zu hoch auf knapp 1000m und wollen weiter ins Warme. Die Abfahrt also kurz darauf und Taroudannt im Visier. Eine sehr sehenswerte und mal bedeutende Stadt gewesen. Da wir sowieso nur auf der Durchreise sein werden, können wir uns auch dort nen Schlafplatz suchen und abends die Gassen unsicher machen. Die Strecke nun von mehr grün begleitet, wir befinden uns im Sous-Valley und damit Hauptanbaugebiet für Orangen und Gemüse.

Es läuft bergab und der Sonne entgegen, haben heute schon 250km geschafft Wir wollen zentral stehen und haben einen Platz aus dem Buch angepeilt. GPS Daten eingegeben und im dreier Konvoi durchs Tor zur Medina… ein Spaß aber man braucht harte Nerven. Um uns herum nur Menschen und Roller, Esel und drängelnde PKW. Die Gassen werden immer schmaler und wir entscheiden nach einigen Runden die Suche aufzugeben. Das Gesehene weckte aber die Vorfreude und heute Abend gibt’s Snacks, das steht fest. Der kürzeste Weg heraus war nun der Wunsch und endlich draußen finden wir direkt neben der Mauer drei weitere Camper die wohl über Nacht bleiben. Nicht der ruhigste Platz aber gratis und zu Fuß ab ins Getümmel. So war auch schnell der Plan und wir irren ohne Ziel durch die Altstadt. Alle marokkanischen Männer sind gefühlt in und um die Cafes versammelt, Fußball läuft auf den Bildschirmen und anscheinend auch erfolgreich wie der Jubel am Abend zu hören lässt.

Bei uns mal wieder eine Schlemmerei mit Avocadoshakes und Sandwiches, Gebäck und fettigen Leckereien. Zum Glück nicht jeden Abend angesagt. Und das Beste an der ganzen story, wir frieren nicht mehr, das Klima deutlich milder mit 10grad mehr auf dem Thermometer. Herrlich.

Die Nacht ruhiger als erwartet bringt mich ein menschlicher Drang am Morgen mit Hund zum Erkunden der Umgebung. Nen Klohäuschen wäre jetzt toll, aber auch nen Busch ist nicht einfach zu finden. So entdecke ich aber die Stadtteile außerhalb der Medina und bin etwas überrascht, mir begegnen Marokkaner die joggen und Kinder mit richtigen Schulranzen. Die Moderne ist in der Provinzhauptstadt angekommen. Bei unseren Begleitern ist auch schon früh Bewegung angesagt. Wir haben gestern einen sehenswerten Platz und den Souk und Berbermarkt verpasst. Ein kleiner Ausflug am Morgen steht noch an.

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Die antike Mauer mit großzügigem Platz davor… mehr Optik mal wieder, von innen sieht man die Neukonstruktion vor der zerfallenden alten Mauer.

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Eine ganz andere Sicht der Gassen von gestern Abend. Geschäftig und schon wieder einsatzbereit. Der Platz dann nicht der Rede wert, auf dem Markt finden sich die ein oder anderen gesuchten Sachen. Taroudannt kann abgehakt werden, wir wollen heute Abend an der Küste sein und vorher in Agadir einkaufen. Los geht’s.

Das landwirtschaftliche Herz der Region ist abseits der Straßen gut zu erkennen, hier wachen Möhren und Kürbisse, viele PickUps kümmern sich um den Transport, auf den Feldern ist gut was los, alles Handarbeit. Und im Ergebnis frisches Gemüse zu günstigen Preisen.

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Wir kaufen lokal und beim Erzeuger, der Besuch im Marjane bei Agadir steht trotzdem auf dem Plan, gewisse Sachen bekommt man einfach nicht überall. Die Großstadt dann schon mit Speckgürtel ein Albtraum, wir beeilen uns und sind mit Mehl und Backpulver, Brühwürfeln und weiteren speziellen Sachen wieder fit für wochenlanges Landleben. Obwohl die nächsten Wochen eher Strandleben ansteht. Wir verlassen die Stadt und halten noch schnell an einem mir schon bekannten Markt bei Ait Melloul. Hier gibt es frisches Amlou genannt marokkanisches Nougat. Mandeln, Honig und Arganöl, das Kilo dann zwischen 60-100dH. Aber auch die günstige Variante mit Erdnüssen und Sonnenblumenöl kann sich schmecken lassen für 20-30dH. Die letzten Besorgungen und auf der Strecke südlich raus aus der Stadt noch schnell ne Suppe, heute Abend wird nicht gekocht, wir kommen wohl bei Dunkelheit am Strand an. Nicht so schlimm, ich kenn den Weg, wir fahren nach Sidi R’bat oberhalb der Fischergrotten.

Von der Hauptstraße aus noch 17km auf kleinen Wegen und den letzten Kilometer Piste finden wir nicht nur unseren Schlafplatz, sondern auch Olli in der Feuerwehr und Ralf im Landi wieder (Merzouga). Grob abgesprochen und doch zeitlich passend hatten die Beiden ihre Erfahrungen mit Schnee in der Dadesschlucht und Sand um Zagora. Viele Geschichten für die nächsten Tage.

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