“Vulkan”Krater bei Rissani, Tag 85, Km 5579

Der Krater westlich von Rissani ist ein sehr ins Auge stechender vulkanähnlicher Berg der aber wohl “nur” durch Erosion entstanden sein soll. Eine Ecke als Einfahrt vom Militär weggesprengt wurde wohl zu Kolonialzeiten mal ein gigantisches Tor errichtet, was diesen Berg dann zu einer Festung umfunktionierte.

Wir erreichten ihn gegen 20Uhr und fanden einen LandCruiser mit italienischen Senioren vor, genügend Platz für unsere Truppe. Der Abend noch jung und wir hatten genug Holz für ein Feuer gesammelt. Windgeschützt wurde Dinner am Lagerfeuer serviert. Die Stimmung von den umgebenen Bergen ringsum eingefangen mal was total anderes. Der kurze Spaziergang noch am Abend hinauf zum Rand mit Weitblick über eine sonst flache Ebene und die Lichter der 15km entfernten Stadt eine tolle Aussicht und Vorfreude auf den morgigen Sonnenaufgang.

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So kam es dann auch, dass ich mich kurz nach 6:30, mit Hund wie üblich, auf den Weg machte und die Aussicht nach Osten genoss. Der Schimmer am Horizont machte die umgebende Mondlandschaft noch faszinierender. Bis auf die zwei Bäume unten im Krater konnte ich so weit das Auge reicht keine Pflanzen entdecken. Nur Steine und Sand. Was besonders auffällt ist das völlige Fehlen von Geräuschen. Kein Luftzug, was hätte der auch zum rascheln bringen sollen. Der Wiederhall von herabfallenden Steinen war bei diesem Anblick schon gespenstisch. Atlas hatte auch Respekt vor dem plötzlich endenden Untergrund.

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Wir machten also unsere Erkundungen rings um den Kraterrand, der aber keinesfalls Kreisrund ist. Eher ausgefranst und immer mal wieder von Mauern verstärkt. Die Ruinen einiger sehr alter Steingebäude sind nur noch durch die geometrische Anordnung der Geröllhaufen zu erkennen. Befestigungen und ich wäre nicht überrascht, wenn es hier noch unterirdisch weiter geht. Beim Blick nach Innen sieht man die schräg abfallenden Gesteinsschichten und man kann sich das Rätsel um diese Formation vorstellen, erst recht wenn man von oben den fast perfekten kreisrunden und flachen Wall einige Hundert Meter um den Krater herum erkennen kann. Keine zwei drei Meter hoch und auf den Bildern nicht zu sehen.

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Was aber gut sichtbar ist, ist jedes Fahrzeug, dass sich hier nähert. Angekündigt von Geräuschen sieht man danach die Staubspur, bis auch der Verursacher ins Bild rückt. Die Entfernung zur Hauptstraße 5-6Kilometer und dieser klappernde LKW hat wohl irgendwas in der Gegend zu erledigen.

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Wir lassen den Tag ruhig angehen. Der Krater ist kein Geheimtip, es kommen am Morgen deutsche Rentner die hier schon seit Jahren immer mal vorbei schauen. Es gibt viele alte Geschichten, so stellt sich heraus, dass dies eine Filmkulisse für “Die Mumie” und den letzten “James Bond” war.

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Ein beturbanter Marokkaner, der mit dem Fahrrad und nem Schmuckkästchen kommt, kann dazu auch noch mehr berichten. Interessanter aber sind seine Erzählungen zu den reichlichen Fossilienfunden in der Gegend. Er lebt hier schon sein ganzes Leben und ist ein ruhiger und netter Kerl. Verdient sich Geld mit bearbeiteten Fossilien und wird auch an uns einige Anhänger los. Einen Trilobiten hab ich beim Tauschen schon in Merzouga bekommen. Die kleinen geschliffenen Schnecken hier machen sich gut als Mitbringsel. Er zeigt uns in der Umgebung, dass hier mehr zu sehen ist als wir dachten. Auf einer Steinplatte direkt neben dem Camp sieht man locker 30-40 Fossilien und mit etwas Wasser beträufelt erkennt man sogar die unterschiedlichen Farben. Das Größte entdeckte Stück Zeitgeschichte ist Handteller groß und vollständig.

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Wir ziehen später weiter und fressen zu beginn mal wieder ordentlich Staub. Sonne hat nun zwar auch das Innere des Kraters erreicht, wir wollen aber noch weiter. Ein letzter Blick auf diesen tollen Ort.

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Wir fahren in Richtung Zagora durchs Tafilalet, überlegen es uns aber in Alnif anders und machen einen Abstecher über die Nebenstraße nach Tingehir zur Todra Schlucht. Es stand im Raum nochmal zur Düne Erg Chegaga und den Lac Iriki zu fahren, das wäre ein weiteres Abenteuer. Die Zen Snail hätte irgendwo camp bezogen und der Anhänger wäre auch nicht in den Buddelkasten mitgekommen. So aber haben wir alle zusammen die Berge auf dem Plan.

Bis Alnif ist die Umgebung ähnlich, dann nach Norden durch die Berge, wenn auch nur 50km ändert sich das Bild. Wir sehen viele Bienenhäuschen nur keine Blumen und kommen natürlich mal wieder langsamer voran. Für heute steht aber nur noch ein Hamamm auf dem Plan, der Sand muss weg. In Alnif wurden wir nicht fündig. In der Metropole Tingehir waren wir schonmal und bleiben vor der Einfahrt zur Todra Schlucht mit dem Konvoi stehen um mit nur einem shuttle ins Zentrum zu fahren.

Die letzten Kilometer dann bei Dunkelheit, kein Problem. Wir wissen wo wir hin müssen und kommen für die schöne Aussicht auf dem Rückweg nochmal bei Tageslicht vorbei. In der Schlucht die sonst von Touristenmassen und Händlern bevölkert wird ist am Abend gähnende Leere angesagt. Glück für uns und ne ruhige Nacht.

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Am nächsten Morgen dann die einzigen beiden Nachbarn gegenüber mit massig Hubraum und noch mehr Wohnraum auf dem Schattenparkplatz. Die Sonne kommt aber auch bei uns erst ab 10Uhr übern Berg und lässt die Nachtkälte langsam verschwinden. Wir befinden uns mal wieder auf 1500m Höhe und lassen uns nur wegen der Schönen Aussicht nicht die Laune verderben.
Man kann es bei der Kulisse schon erahnen, wir bleiben ne Weile, wollen Klettern und Wandern und finden sicherlich auch sonst Beschäftigung an einem der spektakulärsten Naturdenkmäler des Landes.

>>Gorge du Todra<<

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