Rissani und Merzouga, Wüste für Touristen. Tag 80 Km 5447

Die Nacht dort am Borj Yerdi war ruhig, es schaute am Abend ne Streife mit Taschenlampen vorbei, wir waren aber nach dem Essen schon alle zurück in den Bussen und keiner wurde mit Passformalitäten belästigt. Vorteil der Tourigegend. Der Sonnenaufgang wie seit einigen Tagen perfekt farbig an wolkenlosem Himmel. Die Nachtkälte wird uns noch ne Weile begleiten, erträglich wenn es mit den ersten Strahlen gleich wieder angenehme Temperaturen gibt.

Heute geht es in die Wüste… so war der Plan. Wir stoppen aber erstmal in Aoufouss einem recht unansehnlichem Ort vor Erfoud. Wir haben Zeit und gehen mal durch die Gassen hinter der Moschee. Die Menschen sind hier schon etwas aufdringlicher und unser Ausflug wird von einem Schwarm Kinder begleitet. Leben ungeschönt, Dreck und Müll zwischen den Palmen hinterm Ortskern. Bauschutt überall und verfallene Lehmgebäude mit Palmenholzgerüst neben betonierten Neubauten. Hier die Gang…

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Auf der Hauptstraße dann auch eine Horde bettelnder Kinder vor den Bussen zu sehen. Der Kontrast zwischen all den neuen Land Cruisern mit Touristen und den einheimischen Fahrzeugen hier wohl am deutlichsten.

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Erfoud steht als nächstes an. Wir haben entdeckt, dass zwei spezielle Gerichte aus dieser Region berühmt sind. Die Restaurants entlang der Hauptstraße im Ort sind aber gesäumt von Souvenirhändlern und die Restaurants daneben haben mit vergleichbar europäischen Preisen einfach nur ne Macke. Wir halten bei einigen und fragen nach dem Menu und Angebot, geben aber die Suche recht schnell auf und wollen nur noch Lebensmittel am Markt holen. Abseits der Hauptstraße und neben dem Soukplatz finden wir Platz und gegenüber einen einheimischen Imbiss bei dem normale Speisen zu normalen Preisen serviert werden. Es dauert zwar alles seine Zeit aber wir sind zufrieden und können auch die Spezialitäten Madfouna und Kalia probieren.

Der anschließende Souk-Besuch ist ruhig. Heute ist nur normaler Markt und keine Großveranstaltung. Bei den wirren Gassen wäre das hier in Erfoud auch ein Abenteuer. So aber finden wir reichlich Obst und Gemüse und sogar eine handverschweißte Tajine mit Griffen und Metallkäfig. Die Nächste Party am Lagerfeuer kann kommen.

Und mal wieder hat die Zeit wie gewohnt gegen uns gespielt. Wir stoppen nochmal bei den Ruinen vor Rissani und schon neigt sich der Nachmittag zum Abend. Sijilmassa heißt die wohl erste Stadt Marokkos und liegt heute als verfallene Lehmberglandschaft direkt vor dem Mechanikerviertel der Stadt. Wollten wir aber gesehen haben und sind erstaunt über den Zustand und die komplett fehlende Infrastruktur einer so wichtigen historischen Stätte. Kein Zaun, kein Wachmann nicht mal ein Schild das auf angemessenes Verhalten hinweist. Wir versuchen die schon ausgetretenen Wege zu nutzen und sind über die Größe der Anlage erstaunt, gigantische Aussenmauern müssen den Ort im 6.Jh beschützt haben.

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Wir haben keine Lust im Dunkeln in Merzouga anzukommen wenn es hier in der Nähe nen Hamamm gibt bleiben wir. So war es auch und die Frage des Stellplatzes war mit einem befahrbaren Weg zwischen die Ruinen schnell geklärt. Warum nicht in respektvollem Abstand in der Stille der ausgestorbenen Hauptstadt des Tafilalt übernachten. Noch nen exkurs in Geschichte, die Araber machten Sijilmassa zur zweiten islamischen Stadt in Afrika.

Das Hamamm war dann eher zweckdienlich als hübsch aber angenehm warm und irgendwie nur durch zwei von uns benutzt. Den Mädels werden wir für Morgen früh aber ein angenehmeres (sauberes) suchen und danach unseren Trip in die Wüste fortsetzen.

So kam es auch, dass die Busse am Morgen einen Schotterplatz neben der Hauptstraße einnahmen und dort warteten. Der kleine Franzose spielte shuttle und die Mercedes wurden von bettelnden Kindern umringt. Schlimm hier und nicht zu stoppen, Penetranz lohnt sich wohl sonst. Atlas geht im Auto ab und das Bellen hilft auch schon nicht mehr. Angriff ist die Beste Verteidigung und ich mache mir nen Spaß draus das in der Nähe liegende Fahrrad eines Bettelkindes zu stibitzen. Ablenkung und Ruhe für die anderen Beiden… wir hatten jeweils vor die Zeit mit Arbeit am PC zu nutzen.

So machte ich also einige Runden und hatte die Horde Kinder hinter mir. Einige Wenige verstanden französisch und ich drehte den Spieß um, wir konnten uns aber auf keinen Preis zum Rückkauf des Rades einigen. Also ließ ich das Ding wieder an seinem Platz liegen und wir konnten später mit den Bussen weiter als die Mädels im Shuttle zurück kamen.

Rissani war früher mal Tourizentrum bevor die Straße zu den Dünen erweitert wurde. Die Menschen hier sind also noch nicht zur Normalität zurück gekehrt und erhoffen sich Spenden von reichen Reisenden oder hoffen auf gute Geschäfte. Wir beeilen uns mit unseren letzten Besorgungen und finden uns hinter der Stadt schon in einer kargen Landschaft wieder. Merzouga keine halbe Stunde entfernt und die Dünen schon von Weitem zu sehen. Viel erstaunlicher aber die etlichen Herbergen und Camps die schon vom Straßenrand beworben werden. Auch einige beturbante springen förmlich vor die Autos um uns irgendwohin zu schleusen. Augen zu und durch.

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Der Ort ist nicht was wir uns als Stellplatz für die nächsten Tage vorstellen, wir checken kurz die Versorgungsmöglichkeiten und holen Wasser und finden recht schnell etwas südlich der Stadt die ersten kleinen Dünen die bis zur Straße reichen. Etwas abseits der Piste haben wir einen schönen Platz von Sand umringt gefunden und machen uns auf zum ersten Spaziergang.

Ein Buddelkasten für Erwachsene, wie es aussieht. Fuß- und Fahrspuren überall. Einsamkeit findet man hier nicht, wohin das Auge reicht Kamelkarawanen und Camps sowie Menschen die sich zur “grand dune de merzouga” aufmachen um den Sonnenuntergang zu sehen. Die Busse immer mal in Sichtweite geht es hügelig und sandig voran. Die Wellen um die 5-10m hoch und die Temperaturen angenehm bis warm. Wüstenfeeling.

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Der Anstieg zur großen Düne dann auf allen Vieren und mit nachgebendem Sand immer mehr Weg als gedacht. Die Aussicht über die Hamada hinter Merzouga und die Berge am Horizont idyllisch.

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Der Blick in die andere Richtung eher enttäuschend. Das Dünenfeld ersteckt sich nicht wie am Erg Chegagga zum Horizont, sondern endet in wenigen Kilometern noch vor der algerischen Grenze. Noch mehr Camps direkt im Schatten der Düne, dieser Sandkasten ist definitiv zu klein für die Besuchermassen. Ein Bild in diese Richtung hat es aber trotzdem auf meine Favouritenliste geschafft. Die ganze Truppe (bis auf mich hinter der Linse) mal im Portrait.

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Das Farbenspiel geht ganz schnell ins rötliche, danach wird es duster und kühl. Den letzten Anblick des schwindenden Tages mal mit Schoßwärmer.

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Der Spielplatz hier bietet aber mal andere Dimensionen, Weitsprung vom Dünenkamm mit ungeahnten Entfernungen und auch sonst der der Weg hinunter das größte Erlebnis wie mit sieben Meilen Stiefeln. Der weiche Sand ideal, nur ein körniges Vollbad will dann doch keiner nehmen. Wir finden die Busse wieder und haben einen tollen Platz, alles was wir brauchen und bleiben ne Weile. Die Spiele sind eröffnet, die große Düne im Hintergrund.

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