Source Bleue und das Ziz Tal, SILVESTER

Am selben Tag nach der Wüste hatten wir also noch über 100km zur nächsten Stadt vor uns. Wir brauchten Lebensmittel und Sprit. Ausserdem wollen wir so langsam der Nachtkälte entkommen. Es zieht sich und die Gegend wird feuchter. Gut, dass wir nicht exakt an der Stelle aus der Wüste kamen wo die Karte es vorsah. Die Umgebung ähnelt zur Zeit eher einer Sumpflandschaft und wäre unser Ende gewesen.

Bouanane und Boudnib sind die beiden kleineren Orte vor dem angestrebten Ziz Tal. Im ersten Ort gab es einen Stop beim Mechaniker. Der Ersatzreifen musste wegen abgerissenem Schlauchventil an der Zen-Schnecke wieder gegen adäquates Rädchen weichen. Zum Glück hat auch der Peugeot 16Zoll Felgen und damit passen meine Schläuche. Der Stop war für die Kids des Ortes mal eine Abwechslung. Touris sehen die wohl selten und sind zurückhaltend aber interessiert. Einblick in die Schrauberbutze.

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An einen Einkauf brauchen wir in Bouanane aber nicht zu denken, frisches Gemüse eher Mangelware hier. Ne gemütliche Stunde bis in den Nachbarort, zum Glück gibt’s heute schon Mofas statt Eseln. Als wir also in Boudnib ankommen ist es auch schon wieder spät. Die letzten Kilometer hat sich die Landschaft geändert, etwas Hügelig, Palmen neben der Straße und Landwirtschaft ist auch zu sehen. Die Kehrseite wohl die gigantischen neu errichteten Palmen und Oliven Plantagen. Und hier reden wir von Kilometerlangen Zäunen an der Straßenfront und kein Ende bis zum Horizont. etliche Bagger im Einsatz um Gruben für Palmen auszuheben, hier wird ordentlich investiert, hoffentlich nicht nur das Wasser abgegraben.
In der Stadt ist es gemütlich, der zentrale Platz beherbergt alles was man braucht, nur keine Tankstelle. Die letzten Kilometer fuhr ich schon mit den Resten Frittenöl, es wird aber bald wieder kalt und dunkel.

Ich besorge also beim Mechaniker einen Kanister Diesel ungewisser Herkunft, teuer obendrein und algerischen Treibstoff bekommt man hier auch nicht mehr. Der Einkauf mit der Truppe in der Markthalle ist mal wieder ein Erfolg und Völkerverständigung pur. Es wird schon dunkel und wir beschließen in der Nähe zu bleiben, können also auch beim ImbisKarren an der Ecke wie alle Einheimischen ne Suppe und nen Brot ordern. Harira und Bissara, beides typisch nahrhafte Suppen und das Brot gefüllt mit Ei, Zwiebeln und Sauce, 85ct das Gedeck und satt.

Die Nacht mal wieder vor der Gendarmerie, keine Experimente, haben uns nach dem Tag alle Ruhe verdient. Den Papierkram erledige diesmal ich im hübsch repräsentativen Gebäude mit vielen Türmchen und einer gigantischen Mauer sowie zentralem Sendemast. Innen jedoch kahl und kalt. Die Geräuschkulisse der Serveranlage ist für meine halbe Stunde in der Kälte dort drinnen schon Folter. Auf dem Überwachungsschirm kann ich zumindest meinen Anhänger an der Mauer geparkt erkennen, sollte also sicher sein. Gute Nacht.

Wir haben den 31.Dezember und auch hier heißt das der Jahreswechsel steht an. Eigentlich wollten wir in der Wüste von Sanddünen umgeben sein, brauchen bis dahin aber noch ein paar Tage. Die Alternative wäre eine Palmenoase mit historischem Charme. Source bleue heißt der wohl berühmteste Campingplatz in Marokko und auf der Route nach Merzouga nur ein kleiner Umweg schauen wir dort mal vorbei.

Wir folgen also der N10 nach Westen bis Meski, wo sich der Weg nach Er Rachidia teilt. Der Ort liegt direkt an der Schlucht mit Blick auf das Oued Ziz und tausenden Palmen. Darin versteckt der alte Campingplatz auf dem auch Händler ihre Geschäfte haben. Die Quelle mal von der Fremdenlegion angelegt wohl der einzige Pool weit und breit.

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Das Buch erwähnt einigen Troubel und im Sommer noch mehr Kinder zum Badebesuch, doch wir parken erstmal oben und schauen uns das ganz in Ruhe an. Die Zufahrt wie beschrieben ziemlich steil und wären wir im grünen Gespann alleine würde ich da nicht runter wollen.
Der Platz von drei weiteren Deutschen Campern besucht, sonst wenig los, die Händler haben trotzdem volles Programm aufgefahren und man umwirbt uns jetzt schon. Der Betreiber versucht unsere Gebühr mit Bier und Wein zu verrechnen, die geforderte Menge trifft aber nicht annähernd meine Vorstellungen und wir kehren zur Besprechung mit der Gruppe zurück zum Parkplatz. Der Nachmittag schon angebrochen, heute ist Silvester, keiner hat mehr Lust weiter zu ziehen, wir tun uns den Spaß mal an, dürfen ein Feuer machen und bekommen einen einigermaßen sonnigen Platz zwischen all den Palmen (wo es schattig kalt wird)

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20Dh für den Bus, 10 pro Person und Strom inklusive, kann man nicht meckern, die Dusche nochmal nen 10er aber arschkalt, also keine Option. Wir dürfen ein Feuer machen und die 21° kalte Quelle kostenfrei nutzen…nein danke. Wir bauen unser Lager auf, besorgen Feuerholz, ich filtere Wasser mit der Osmoseanlage und die Küchenvorbereitungen starten auch langsam. Der Abend kann beginnen. Doch vorher werden zum Zeitvertreib so einige Besuche bei den umliegenden Souvenirhändlern gemacht. Es gibt Teppiche, Schmuck und Geschirr, Klamotten und Musikinstrumente. Da war noch ne Jelaba zum Geburtstag fällig und ne Trommel kann auch nicht schaden, Schüsseln sind immer von Nöten und so tauscht man sich kollektiv doch einiges zusammen. Wir haben alles was wir brauchen und ich mache mich lieber mit Atlas und dem Fahrrad auf die Gegend zu erkunden.

Die Palmenoase am Fluß ist in typischer Etagenwirtschaft bebaut. Unter den schattigen Wedeln wächst Gemüse aller Art, haben uns schon gewundert, wo die frischen wohlschmeckenden Möhren herkommen.

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Das alte Meski liegt auf der anderen Seite des Tales als Ruine idyllisch über den Palmen. Wir finden ne Stelle um mit dem Rad einigermaßen Trocken das Flüsschen zu queren und kommen rechtzeitig zum Sonnenuntergang auf dem Plateau an.

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Der Abend beginnt mit Besuch des Schleppers vom Restaurant oben, hat auch ne Trommel dabei und der Campingplatz erweckt zum Leben. Die armen Deutschen in der Weißware hätten sich bei unserem Anblick schon denken können, was hier zum Jahreswechsel ab geht. So unterschiedlich … Satellitenschüssel auf dem Dach und weit vor Mitternacht schon die Lichter aus… nicht mit uns.

Die ganze Aktion bekommt mit Besuch von drei britischen Backpackern noch eine weitere Steigerung, sie sind Musiker und haben Instrumente dabei. Es gibt also Drums und Gitarren, Mundharmonika und ein sehr erstaunliches Kinder-Blase-Klavier… dazu Gesang am Feuer und ein sehr gelungener Abend mit der buntesten Truppe die man sich hier vorstellen kann. Die Backpacker waren heute noch in Merzouga und sind dort von nem Marokkaner nach Meski eingeladen worden. So sitzen wir also alle am Wärme spendenden Feuer und um uns herum gefriert das Wasser in den Behältern. Echt erstaunlich und die kälteste Nacht die wir bisher erlebten. Zum Glück abgemildert durch den 500W Strahler und gratis Strom. Mit mehr sollte man hier nicht ankommen, die Leitungen geben nicht viel mehr her. Und auch unser ofenloser Hamburger kann sich mit unserer Heizdecke ne kuschelige Nacht machen. Die beginnt aber erst gegen 2Uhr.

Das Jahr endet unvergesslich mit guten Freunden vor gigantischer Kulisse und tollen Erinnerungen an 2016.

Es gab zwar Glühwein aber die Katerstimmung blieb aus. Es gab viel aufzuräumen und für die nächsten Etappen vorzubereiten. Wir wollen definitiv nicht noch ne kalte Nacht erleben und machen uns am Nachmittag an die Weiterfahrt. Der Abstecher in die Berge nach Norden fällt aus, jetzt nur noch in eine Richtung. Die Straße führt wenige Kilometer später die in die Schlucht und folgt den Palmen. Das Tal ist dort mit einem Aussichtspunkt gut zu überblicken.

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Das wissen auch alle Reiseführer und so haben wir den ersten Kontakt mit Schwärmen von Touristen die diese Hauptroute runter zum Erg Chebbi nehmen. Allrad SUV überwiegen nun im Straßenbild, meist nur der Fahrer heimisch. Wohnmobilkolonnen und überall gibt es Fossilienstände und Händler für Krimskrams. Der nächste Stop bei einem Geisir ist auch mit großem Parkplatz ausgestattet. Wir wollen heute aber nicht mehr weiter und suchen uns 500m abseits ne ebene Fläche zum Übernachten. Sonnenuntergang mal in sprudelndem Wasser. Der Boden in der Umgebung zeigt brodelnde Pfützen die von unten gespeist werden, das ganze Spektakel aber kalt und nicht zur Dusche zu gebrauchen.

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