Wüstentrip von Figuig nach Mengoub

Von Figuig aus gibt es nur zwei Richtungen, aus Norden kamen wir, müssen nach Westen. Die Hauptstraße führt hinterm Berg wieder zurück nach Bouafra um später erst nach Süden abzuknicken. Auf Maps.me gibt es ne kleine Verbindungsstraße, wahrscheinlich ne Piste. Die MarcoPolo Karte sagt interdit, im Buch steht sie mit GPS Punkten grob beschrieben. Einige Oueddurchquerungen mit Betonfurten sind angemerkt. Dazwischen Nomadencamps und unberührte Landschaft. Die Truppe kann sich diesen Exkurs vorstellen und am Eingang bei den Sendemasten werden unsere Daten aufgenommen. Wir befinden uns immernoch hart an der Algerischen Grenze, können zwischen zwei Bergrücken nach Westen schauen und starten unseren holprigen Weg relativ einfach und gemütlich.

Es werden einige Stops für Fotos eingelegt und irgendwie schafft es die Truppe sich zu teilen. Die letzten beiden bleiben an der verpassten Abzweigung stehen und Team Orange und die Zen Snail bekommen das Fehlen rechtzeitig mit und wollen umdrehen. Sie steuern auf eine Sackgasse bei einigen Hütten am Berghang zu. Die kurze Geschichte: Team Orange fährt sich im angetrocknetem Schlamm fest und mit Hilfe einiger Anwohner und Büschen aus der Umgebung sowie der Slackline und dem Hausmeisterwagen schaffen wir es ne Stunde später wieder weiter nach Westen.

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Die letzten Wochen hatte es mal geregnet, das sieht man gar nicht mehr, kann aber noch tückisch werden. Eine neu geschobene Piste verwirrt unsere Navigation, kann aber aus angesprochenen Gründen noch nicht benutzt werden. Reifenspuren gibt es nur auf dem ausgefahrenen Wegen daneben. Ein Versuch von mir wäre fast wieder in einer Bergung geendet.

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Das erste Oued steht an, ist trocken und die Betonfurt wie beschrieben befahrbar. Fotogen da wir sogar mal Kühe erleben. Hamburger Hausmeisterwagen als Testfahrzeug nun voraus auf den nächsten Kilometern.

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Das erste unbefestigte Oued folgt wenige Minuten später. Es sieht nicht schlimm aus und für den ziemlich tiefen Peugeot (Zen Snail) müssen wir ein paar Steine zur Seite rücken. Hier fahren sonst wohl nur grobstollige Armee-LKW durch. Klappspaten raus und Teamwork, darauf haben sich viele gefreut.
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Eigentlich dachten wir viel schneller voran zu kommen. Die Piste mit gesamt 50km war mit zwei drei Stunden eingeplant. Es stellte sich aber doch heraus, dass wir häufiger Hand anlegen mussten und auch schon über Umkehren nachdachten. Wir hatten einmal helfende Hände von einem aus dem Nirgendwo erschienenen Mann, der wie auch die Schlammhelfer für seine Kids mit Bällen und Puppen ausgestattet wurde. Dann trafen wir auf einen Armee-Pick-Up-Toyota der quasi Checkpoint auf halber Strecke war und uns erklärte, dass das Gröbste geschafft sei und er erneut unsere Daten abgleichen muss. Es gibt wohl in wenigen Kilometern ein Häuschen der Armee. Auf dem Weg dahin mussten wir noch mindestens zweimal zum Schaufeln halten und haben damit den Überblick verloren wie oft wir über frisch überspülte Wasserwege und Massen an Steinen gefahren sind und uns einen Weg dafür gebaut haben. Rampen für den tiefen Peugeot und den noch längeren Mofaträger und auch ich hab mit dem Gespann ein zweimal Zweifel gehabt ob ich den Anstieg auf der anderen Seite wieder hochkomme.

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Das größte Hindernis war dann direkt vorm Militärposten an der südlichen Bergflanke ein riesiges Flußbett mit einem steilen Aufstieg dahinter. Ein paar umstehende Nomaden und Viehhirten als Zuschauer gingen wir auch diese Furt an. Helfer gäbe es im Zweifel ja genug. Die Zen Snail als Fronttriebler war den Anforderungen nicht gewachsen und unser kanadischer Begleiter schon echt genervt von der Pistenerfahrung, nahm es aber trotzdem sportlich und mit Humor. Wir hingen ihn an den Haken, das Militär bekam ne Flasche Wein fürs Neujahr und weiter ging es auf der hoffentlich wie versprochen nun einfacheren Route.

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Denkste, der Nachmittag schon in vollem Gange haben wir seit dem Schlamm laut GPS 12km in 5 Stunden geschafft. Ein Abenteuer und noch zwei weitere kleinere Oueds bremsten uns. Da wir auch immer mal ein Auge auf maps.me werfen und die Piste eingezeichnet ist kam dann der Supergau für die Nerven. Eine Gabelung und die wenigen Spuren anderer Fahrzeuge führen alle in die für uns falsche Richtung. Die Sonne steht tief und wir entscheiden hier zu übernachten, das OK haben wir vorsorglich schon eingeholt. Mal gucken wie es Morgen aussieht. Der Sonnenuntergang in totaler Stille… unser Feierabendbier ist heute verdient.

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Es wird schnell kalt aber egal, ohne jegliches Licht und bei Neumond (der noch nicht einmal aufgegangen ist) ist das die ultimative Chance Sterne zu beobachten. Das alleine war die Anstrengungen des Tages wert. Wer noch nie abseits der Zivilisation in einen wolkenlosen Nachthimmel geschaut hat, hat was verpasst.

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Ich brauche nicht erwähnen, dass wir eine extrem ruhige Nacht hatten. Am Abend kam der Posten nochmal zum gucken vorbei und ab dann hörten wir nichts mehr. Ein zwei ganz vereinzelte Lichter konnten als weitere Posten in den Bergen identifiziert werden, ansonsten gab es nur wenige Nomadenzelte in dieser Region und die haben nachts kein Licht. Der Morgen dementsprechend auch idyllisch. Das Titelbild ist der Sonnenaufgang am Schlafplatz.

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Diesen Anblick bei frostigen Temperaturen genossen wieder mal nur die Frühaufsteher. Wir bequatschten dabei das weitere Vorgehen und waren uns einig dass wir heute wieder eine Straße finden wollen. Keine Experimente, den kürzesten Weg hier raus. Mike nahm das kleine Honda Mofa vom Träger und fuhr beide Routen der Gabelung ab. Die in der Karte verzeichnete endete nach zwei weiteren Querungen trotz Betonfurt im Nichts. Die Piste verschwindet und steinige Landschaft übernimmt den Platz. Gut, dass wir gestern Abend nicht diese wählten.

Die andere ist zwar nicht besser was die Querungen angeht, aber machbar und optisch gut zu fahren. Breit und relativ frisch geschoben, wahrscheinlich die Neue Piste die im Buch von 2012 und auf den Karten noch nicht verzeichnet ist, wo die Flußbetten auch noch nicht betoniert sind, hier fährt halt normalerweise niemand durch.
Wir besprachen also das weitere Vorgehen und fuhren nord-westlich weiter, immerhin der kürzeste Weg Richtung Hauptstraße von Bouafra kommend. Es folgen nur noch die beiden erkundeten Oueds und mit der Routine von gestern ist das schnell erledigt. Wenn auch spektakulär und sehenswert. Ich freue mich diesen Sommer die Federn umgebaut zu haben.

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Der Rest als simpel. Die Umgebung wird flacher, wir verlassen das Tal an der Grenze. Etwas Sand kommt hinzu, hoffe nicht dass wir damit weitere Erfahrungen sammeln.

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dann geht es in der Ebene nur noch einige Kilometer mit gutem Tempo vorbei an vielen Nomaden und festeren Behausungen von Bauern und Viehwirten. Man sieht der Gegend den fruchtbareren Boden und den zurückliegenden Regen an. Kein Schlamm… bitte.

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Aber Ende gut alles gut, wir erreichen über weitere Gabelungen die schön schnurgerade und feste geteerte ebene Straße.

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Es ist noch nichtmal Mittag, die letzte Hälfte des Abenteuers war also schneller erledigt als gedacht, den Rest des Tages verbringen wir dann wie normal Reisende etwas langweiliger.

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Die Moral hat sich aber wieder auf Normallevel eingepegelt. Unser Gruppenanimateur versucht sich im Kamelreiten und wir stoppen noch an einigen Unfreiwilligen Stücken Standstreifen, da meine DieselFilter mal einen Wechsel nötig haben. Der Zivilisation entgegen aber kein Thema und mal gucken wie weit wir heute noch kommen.

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Die ganze Geschichte gibt es im nächsten Blog als bewegte Bilder, das Erlebnis muss man einfach mal als Video zeigen.

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