Figuig die Oase im Osten.

Der erste Feiertag und wir hinterm Lenkrad, war anders gedacht aber die Dunstglocke im Tal lädt nicht zum Verweilen ein. Kurz darauf lichtet sich auch mit erreichen des Wüstenplateaus der Himmel und Sonne wärmt Herzen und Glieder.

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Wir passieren Mirja mitten im Nirgendwo und wundern uns über die Reihe gleicher kleiner Neubauhütten, Projekt Nomaden sesshaft machen? Wir sind nun definitiv und vollkommen in der Steppe angelangt. Kaum Bäume, niedrige Sträucher und der Horizont überall auf gleicher Höhe. Ab Ait Benimathar spüren wir wieder etwas Zivilisation und stoppen für kleine Besorgungen. Ein Syncro T3 mit deutscher Nummer auf selber Route ist quasi der erste andere Tourist den wir seit unserer Abfahrt vom Hafen gesehen haben. Richtige Entscheidung mal den Osten Marokkos zu besuchen.

Die nächste Etappe ist lang und weilig… Definitiv Wüste, die Straße schnurgerade und wenn mal mit nem leichten Knick gleich von etlichen Verkehrsschildern angekündigt. Die Karawane zieht mit 65km/h gen Süden. Die einzige optische Ablenkung ist der einmal wöchentlich fahrende Güterzug parallel zur Strecke. Bergbauregion und Standort einer gigantischen Solaranlage, sonst gibt’s hier nicht viel.

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Der Fotostop vom Titelbild dann ein Traum von Stille. Es gab am nächsten Tag noch ein ähnliches Motiv, wo mangels fehlender Parkmöglichkeiten direkt auf der sehr wenig befahrenen Straße Dehnungsübungen stattfinden konnten.

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Die Schneebedeckten Berge im Hintergrund lassen aber nix Gutes erahnen, die letzte Nacht in Tendara war schon frostig. Aus Erfahrung und dem Bestreben der Ordnungsmacht allen Touristen Sicherheit zu bieten wollten wir auf der Durchreise keine Umstände machen und parkten in Absprache direkt vor der Gendarmerie Royale. Reif am Morgen die Nacht war kuschelig.

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Das sah bei T-Shirt Wetter mittags in Bouafra schon besser aus. Geld wechseln und am einzigen Knotenpunkt hier im südöstlichen Zipfel des Landes auch genügend Besorgungen für die nächsten Tage erledigen.
Wir haben Zeit und beschließen den Abstecher nach Figuig zu machen. Der wirklich aller letzte Zipfel des Landes hat aber seit Grenzschließung an Bedeutung verloren. Zu Zeiten der Karawanen war diese Oase mit 200.000 Dattelpalmen ein Zentrum des Handels und historisch umkämpft. Schauen wir uns an, doch knapp 16km vorher checken wir eine kleine Oase mit Wasserlauf und entdecken hier unser Stellplatz Paradies.

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Der Tag schon wieder dem Ende nah lassen wir es heute mal drauf ankommen ob jemand was dagegen hat. Die Umgebung vielversprechend und über 500m abseits der kaum genutzten Straße nicht nur ruhig sondern auch “unsichtbar”.

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Die Nacht wie erhofft ohne Störung und der Sonnenaufgang am Morgen von roten Bergen im Hintergrund verstärkt. Kalt war es, der Ofen wird täglich am Abend und frühmorgens genutzt. Eine Stunde braucht die Sonne um die Gegend aufzutauen, danach alles im grünen Bereich. Es steht einiges auf der Erledigen-Liste. Wäsche waschen und Trinkwasser filtern, die Gruppe teilt sich auf und der erste Trupp nimmt die Stadterkundung mit dem Fahrrad in Angriff. 30km hin und rück plus ne Runde vor Ort. Ein ordentliches Pensum, wenn man noch die Größe der Oase über die sich die Stadt verteilt dazu rechnet.

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Die obligatorische Kontrolle des Militärs und der Polizei am Ortseingang ließ unsere Touri Radlergruppe aus der Wüste kommend komisch erscheinen. Bei deren Rückkehr bekamen wir natürlich prompt Besuch und wurden nach den restlichen Pässen gefragt. Der Stellplatz für uns weiter abgenickt und wir können bleiben so Lange wir wollen. Herzlich Willkommen in Fuguig.
Auch das Lagerfeuer wurde gestattet und wärmte uns diesen Abend unter wolkenlosem Himmel ohne Lichtverschmutzung mit Millionen Sternen. Ein Versuch das ins Bild zu bringen ist nicht ganz gescheitert.

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Wir können es also langsam angehen lassen. Das Motorrad zur Erkundung abgetakelt und Gruppe zwei später auch mit den Fahrrädern im Ort unterwegs. Nur die Anfahrt haben wir mit der Zen Snail und vier bikes auf dem Gepäckträger deutlich verkürzt. Mike heute unser Guide und war als einziger gestern schon hier. Erstaunlich wie viele Leute uns auch heute wohl erneut begegnen, er wird überall begrüßt. Hat sich rumgesprochen das Touris im Ort sind. Wir ordern an einem der wenigen Cafes zwei Tajine für später. Es gibt kein Restaurant und gestern war schon fast alles vergriffen.

Zwei Stunden sollten für die Erkundung reichen, wir starten mit der von mir ersten erblickten Kirche in Marokko. Umfunktioniert zum Büro für Administratives werden wir stolz durch die Räume und den kleinen Garten geführt. Ich darf auch in den kleinen Glockenturm klettern, vermisse aber Fenster zur Aussicht.

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Den Überblick am gleichen Ort wie gestern geniessen wir dann ebenfalls und fahren planlos durch die Gassen der Ksour und Palmenhaine. Dazwischen immer wieder kleine Felder und die bekannten Lehmmauern.

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Ganz planlos und dank GPS erfolgreich finden wir den sehr versteckten Eingang in eine fantastische Unterwelt. knapp 100 handgeschlagene Treppenstufen geht es unter dieser Ruine hinab zu einer warmen Quelle die durch ein in Stein gehauenes Becken mit klarem Wasser führt. Hamamm natürlich und zur Zeit unbenutzt.

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Im Schatten der Palmen und Gassen spürt man schon den Winter hier. Der Gang hier runter von feuchtwarmer Luft begleitet, ist das Ergebnis ein spontaner Ausbruch von Entzückung und Sitzprobe.
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In totaler Dunkelheit, nur durch Handylampen (den modernen Kerzen) erleuchtet erkennen wir auch einige Reste von Shampoo Verpackungen, das Hamamm wird neben zwei weiteren im Ort regelmäßig benutzt und gehört nun zu den Favouriten auf unseren Entdeckungen in Marokko. GPS Koordinaten sind dem Buch der Bücher zu entnehmen.

Den krönenden Abschluß dieses Tages brachte dann die Tajine mit Suppe vorab beim kleinen Imbiss mit Blick auf die Ortseingangsstraße. Wir hatten einen tollen Tag und gönnen uns diesen bezahlbaren Gaumenschmaus.
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Zurück am Camp ist es durch eine leichte Brise auch schon wieder frisch geworden. Heute kein Lagerfeuer und mal individuelle Abendgestaltung im Bus. Morgen ziehen wir weiter. Das letzte Foto widme ich dem klaren Wasser, das geschmacksneutral trinkbar erscheint. Die Filtrierung mit dem Osmosesystem hat es definitiv gebracht und hier umringt von staubiger Steppe sieht man deutlich, Wasser ist Leben. Danke Oase für diese tolle Kulisse.

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