Wintersonnenwende, Tag 66 ff, Kilometer 4523

Ras El Ma ist ein ist ein richtig beschaulicher Ort. Schlecht einzuordnen ob noch im Aufschwung der Bautätigkeit wegen oder ob die besten Zeiten schon zurück liegen, was die gigantische verfallende Strandpromenade zeigt. Es gibt einen Markt wie wir ihn mögen, klein und mit lokalen Händlern voll gutem Gemüse, frischem Fisch und Brot. Wir können uns vorstellen in der Nähe zu bleiben. Beim Strandspaziergang am Morgen allerdings gab es keinen alternativen Stellplatz zu finden. Östlich des Fischerortes liegt ein Naturschutzgebiet, das auch nicht zugänglich ist.

Wir mussten also 11km Richtung Saidia ziehen um hinter dem dauerhaft wasserführenden Qued Moulouya an den Strand zu gelangen. Der Abschluß des Naturschutzgebietes bildet ein kleiner Binnensee von Vögeln bevölkert. Daneben ein Parkplatz, dessen Zufahrt aber nicht sehr einladend aussieht. Also genau das was wir suchen.

Die Mercedes wühlen sich spielend durch den Schlamm, beim Fronttriebler Zen Snail hatten wir bedenken, er schaffte es aber auch fotogen auf festen Untergrund.

dsc_0265

Der Parkplatz auf den ersten Blick öde, nicht was wir für heute suchen. Eine kleine Gasse daneben führt etwas weiter hinten zwischen die Dünen. Dort sind wir gerade beim Parken als ein Uniformierter kommt und uns freundlich bittet doch den Parkplatz für die Nacht zu wählen und nicht im Naturschutzgebiet zu stehen. Dort stören uns nur zwei drei Zelte und die Hunde aus der Umgebung. Aber im Nachhinein war es doch ein hübsches Plätzchen. Wir bauten also unser Camp auf und erkundeten den Strand der hier fast unberührt ist. Wir haben noch den ganzen Tag vor uns und treiben Sport, spielen Boule mit sandgefüllten Tennisbällen die am Strand von La Linea gefunden wurden. Die Zeit vergeht und die Sonne brennt. Ein richtiger Sommertag wie wir ihn uns heute wünschten.

Zur Feier des Tages holen wir sogar die Surfbretter raus und paddeln mal etwas im recht wilden Wasser. Mit dem Hambörger hab ich also auch dafür nen Kameraden gefunden und es tut gut mal wieder im Wasser zu sein. Muskelkater am nächsten Tag ist das Ergebnis.

dsc_0269

Der Abend rückt näher und als wir unser Feuerchen in der Trommel entzünden stehen plötzlich zwei uniformierte junge Kerle neben uns. Gegen das Feuer haben sie anscheinend nix, nur dürfen wir hier nicht übernachten. Der Sicherheit wegen und die üblichen Palawer. Als Zusammenfassung der nächsten Stunde können wir behaupten dreimal unsere Pässe vorgezeigt zu haben, mit 7verschiedenen Leuten gesprochen und wir alle sorgfältig unsere Namen auf Papier gebracht zu haben. Die Mädels haben währenddessen weiter gekocht und Ende gut alles gut durften wir mit Ausnahme doch hier bleiben. Das Festmahl zur Sonnenwende und den Geburtstag mit Couscous, Suppe, Gebäck und Kuchen konnten wir dann ungestört genießen.

dsc_0273

Ok, wir wurden von einem hungrigen netten Familienverband Hunden belagert, die sich im laufe des Abends noch etwas zutraulicher neben uns gesellten. Atlas blieb lieber im Bus. Der geht gleich Morgen früh mit mir auf Erkundung wie üblich.

So kam es auch, dass wir kurz vor Sonnenaufgang erwachten und uns davon schlichen. Die Zeitumstellung, wenn auch nur eine Stunde macht den Meisten hier zu schaffen. Dazu die frische Seeluft und frühe Dunkelheit waren wir alle recht zeitig im Bett. Wir nahmen den Weg durch die Dünen und staunten nicht schlecht, was da in Mülltüten gewickelt vor uns lag. Zwei der Uniformierten von gestern Abend hatten also hier für uns Wache geschoben, einen weiteren traf ich später zum netten Plausch am Strand, der hier die ganze Nacht auf und ab marschierte. Da soll noch einer denken Marokko sei unsicher… Touristen sind hier das höchst zu beschützende Gut und knapp 30km von der algerischen Grenze entfernt gehen die lieber auf Nummer sicher.

img_4426

Ich hoffe zumindest, dass das Bier und der Tabak gestern Abend (die kleien Spende von uns) die Moral der Jungs etwas aufgebaut hat. Zuhause gibts dann sicherlich was zu erzählen… ne Gruppe europäischer Hippies am Strand bewacht zu haben. Die hauseigene Wache freut sich unterdessen über den leeren Strand und viel zu viel Sand zum buddeln.

dsc_0278

Hinter den östlichen Bergen sieht man die Sonne farbenfroh aufgehen. Solche Bilder brauchen wir viel häufiger. Dazu das Rauschen der Wellen und den Rest überlasse ich jetzt eurer Phantasie.

dsc_0290

In die andere Richtung wanderten wir bis zum Delta wo der Fluß ins Meer fließt. Mein Schatten steht lang und schreckt eine Gruppe Seevögel aus ihrem morgendlichen Sonnenbad auf.

dsc_0300

Und weil’s so schön ist noch eine andere Perspektive. Mit einer gigantischen Glühbirne welche ich am Strand fand wirkt das eingefangene Licht irgendwie künstlich auf jeden Fall künstlerisch.

dsc_0307

Der Tag verspricht bestes Wetter ohne eine Wolke, wir bleiben noch ne Weile und geniessen mit Sport, Yoga und Aufräumarbeiten. Der Platz wie erwähnt auf den zweiten Blick doch ideal für unseren Aufenthalt. Noch ne Nacht wollen wir aber den Aufpassern nicht zumuten müssen und starten gegen Nachmittag in ein weiteres Abenteuer. Doch erstmal raus aus dem Schlamm. Zur Abwechslung mal die anderen 407 im Portrait.

dsc_0322

dsc_0327

Wir überlegten erst die sehenswerte Region um Berkane zu besuchen. Das hieße aber viele Berge und nicht schneller in den Süden. Wir entscheiden uns also der Küstenstraße bis Saidia zu folgen. Ein gigantisches Tourismusprojekt ist hier aus em Boden gestampft worden. Etliche Hotels und Ferienvillen aber kaum ein Mensch zu sehen. Gut, dass wir auf der Umgehungsstraße bleiben. Vorbei an Ahfir können wir die algerische Grenze nun direkt sehen, die Übergänge sind seit 1994 geschlossen.

Wir sind auf günstigen Diesel aus und sehen etliche private Verkäufer am Straßenrand. Vor einigen Jahren soll man noch für 4dh den Liter bekommen haben. Wir halten an einigen Ständen und bekommen immer nur die Aussage, dass es marokkanischer Diesel ist und nur geringfügig weniger als an der Tankstelle kostet. Da fragt man sich warum sich jemand die Arbeit macht und woher der Sprit dann sein sollte. Die Kanister werden auf Eseln transportiert wenn das mal kein Schmuggel ist, Grenze offen oder geschlossen.

Wir passieren Oujda, mit 400.000 Einwohnern eine recht große Stadt aber als nicht sehenswert deklariert für uns also nur ne schnelle Durchfahrt. Wir finden nicht mal einen ansprechenden Gemüsesouk entlang der Hauptroute in den Süden. Die Kanister verkäufer werden weniger und wir haben es aufgegeben zu fragen. Tourimasche ist das auf jeden Fall nicht, hab Einheimische kaufen sehen die zahlen auch 250 für 30Liter Diesel.

Es zieht sich gemächlich aber stetig den Berg hinauf, wir befinden uns auf einem Hochplateau mit knapp 1000m und das die nächsten 500km. Haben einen Ort anvisiert um dort die Weichnachtstage zu verbringen, müssen vorher aber noch einkaufen. Es ist schon wieder dunkel und die letzte Stadt vorm Ziel wollen wir morgen Vormittag zum Einkauf nutzen. Wir suchen uns also eine abgelegene Stelle vor Jerada und sind schon von der Hauptstraße abgebogen. Die Umgebung hier dichter Wald, die Temperaturen kalt. Es gab schnell aufbereitete Reste zum Abendessen und wir entscheiden danach alle ruhig im Bus zu bleiben und wenig Licht zu nutzen. Gesehen haben muss uns aber trotzdem jemand, denn ne Stunde später stand die Polizei vor der Tür. Wir sollen weiter fahren. Mike schaffte es aber mit Charme und Abgabe all unserer Personalien den Schlafplatz für diese Nacht zu sichern. Mustafa heißt der nette und hübsch blau uniformierte, also kein Militär. Wir haben Nummern getauscht und sollen uns abmelden wenn wir morgen abfahren. Auch schickt er in der Nacht ne Streife vorbei und ist wie überall sehr um uns bemüht.

Die Nacht war ruhig und nach dem Aufstehen am Morgen kam der Chef selbst nochmal persönlich vorbei. Wir erzählen, wo wir herkommen und hin wollen und mit der nächsten Ortschaft Guefait befinden wir uns noch in seinem Distrikt, bekommen das ok dafür und haben hoffentlich dort Ruhe.

Advertisements

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s