Weihnachten in Guefait

Guefait ist sowas wie nen einheimischer Sommer Touri Ort. Es ist eine Oase umgeben von Steppe und mit etlichen Wasserquellen Anziehungspunkt für Menschen die ne Abkühlung benötigen. Jerada zuvor ist Provinzhauptstadt und wir erledigen unsere Einkäufe auf einem kleinen Markt neben einer Moschee. Eine Bergarbeiterstadt und hier kommen wohl nur wenige Europäer hin. Es ist Freitag und von oben wurde grad zum Gebet gerufen. Die Moschee muss randvoll sein. Die Gemüsepreise vor der Tür sehr in Ordnung und wir decken uns gut ein.

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Die Stadt ansonsten hochnormal wenn man das so behaupten kann. Häuschen hübsch und sogar verputzt, richtige Straßen und Bürgersteige und wenn auch alles in marokkanischem Standart.

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Die nächsten Kilometer ändert sich die Landschaft dramatisch. Keine Bäume und Sträucher, ab und an verdorrte Grasbüschel und niedere Pflanzen. Die Hügel in der Umgebung alle in sandigem Hellbraun. Dazu kein Wölkchen und die Sonne lacht. Wüstenfeeling pur.

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Wir passieren eine Ziegenherde und der kurze Fotostopp lässt uns auch gleich wieder die Küchenabfälle an hungrige Mäuler verteilen. In solchen Gegenden kommt nix in den Müll.
Dann plötzlich liegt Guefait vor uns, schlagartig grün und wie in einem Canyon ins Land geschlängelt. Ausschilderung fehl am Platz und wir fragen uns nach den Quellen durch. Es wird eine ziemlich schmale Gasse, von Schilf und Oliven zugewachsen, mal schaun, ob wir da auch wieder raus kommen. An Parkplätzen mangelt es nicht, scheint als wären einige Gärten hier zu anderweitiger Gelderzeugung umgewandelt, 10dH fürs Parken ist sehr in Ordnung.

Wir wollen auf solch einem Platz bleiben, der Kerl am Eingang winkt auch herein und in Absprache ist über Nacht und mit kleinem Feuer für unser “Noel” Weihnachtsfest auch ok. Doch dann kommt ein älterer Herr und meint, das geht hier nicht, nach einigem diskutieren und den Zauberworten Kommandante Mustafa von gestern werden wir höflich zum Warten gebeten. Mike als Gruppensprecher macht sich mit einem Kerl auf einer Mobilette auf den Weg zum örtlichen presidente und kommt auch erst nach einer Stunde aber immerhin mit positiver Meldung zurück.

Der Platz ist gesichert und die Geschichten drumherum mal wieder eine eigene Story wert. Ihm wurde stolz Haus und Hof gezeigt, der Ortsvorsteher hat viel über seine Familie erzählt und Bürokratie läuft hier etwas anders. Ich glaube ohne unser Zusammentreffen mit Mustafa zuvor wäre das hier anders gelaufen.

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Wir sind also diesmal von Schilfzaun umgeben und fühlen uns wie auf einem eigenen Campingplatz. Können uns mal richtig ausbreiten und das volle Programm auffahren. Sogar ein Klo steht uns zur Verfügung.

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Es gibt für Morgen (Weihnachten) noch ne Menge vorzubereiten. Doch alles zu seiner Zeit, erstmal erkunden wir die Gegend und sind sehr erstaunt, welch Paradies sich hier noch versteckt. Die Quellen zusammen machen das Qued Za in Richtung Barrage Hassan II erst zum Fluß. Drum herum Palmen und überall kleine Restaurants und mit Schilfgrad gebaute Hüttchen.

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Heute stehen noch Erkundungen an. Das interessanteste an dieser Oase ist das lauwarme Wasser, das zwar nicht mit den hot springs mithalten kann, aber zum baden angenehmer ist als kaltes Quellwasser. Wenn schon kein Hammam im Ort ist muss das halt reichen. Die Abendgestaltung heute etwas gemütlicher und individuell. Ein sternenklarer Himmel bedeutet hier im Osten aber auch eine kalte Nacht. Wird also schnell kalt bei Dunkelheit. Für Morgen heben wir uns das große Feuer auf.

Der nächst Tag also der 24.Dezember startet Wolkenverhangen. Die Nacht war kalt und klar, fast runter zum Gefrierpunkt. Die Kondensation der ersten Sonnenstrahlen hängt hier im Canyon also wie eine Glocke über uns und lüftet sich erst zum Nachmittag. Perfekte Weihnachtsstimmung könnte man behaupten. Nach Telefonaten auf jeden Fall kälter als in der Heimat, kurios. Die Mädels starten gegen Nachmittag schonmal mit Küchendienst. Holz stückeln fürs Lagerfeuer besorgt der Rest und alles begleitet von Weihnachtsmusik. Ein toller Abend und der beste Ersatz für die versäumte Familienfete den man sich vorstellen kann. Das Festmahl bringt Kohlrouladen, rote Beete Risotto, heimische Spinatpfanne und Möhren-Ingwer Suppe. Zum Abschluss Kürbiskuchen und Vanillekipferl, frohe Weihnachten.

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Wir wollten eigentlich noch nen Tag ausruhen und hier bleiben, der Himmel zeigt aber das gleiche Phänomen wie am Tage zuvor und wir wollen Sonne. Es wird also überall gepackt und gemeinsam abgewaschen.

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Ich hab gestern noch das Motorrad aus der Garage geholt und mit Mike zu einer Runde durch die Umgebung ausgeführt. Auf der Suche nach frischem Chobs (Brot) sind wir am einzigen Geschäft des Dorfes auf den Präsidenten der Region gestoßen. Der hat natürlich schon von uns gehört, eine Seltenheit hier ausländische Touristen zu haben. Ein kurzer Anruf von ihm und Mike wurde zur Bäckerei chauffiert. Ich unterhielt mich während dessen mit dem sehr stolzen und Zahlen um sich werfenden “Politiker”. Die Mobilfunktürme in der Umgebung ebenso wie das ehrgeizige Solarstromprojekt in der Nähe waren Thema. Der Ort selbst hat nur 400 Einwohner, 6000 zählen aber in den umliegenden Bergen zu seinem Bezirk. Das Wetter ist hier immer so im Winter, dafür aber auch im Sommer angenehm.

Er ließ uns wissen, dass wir so lange bleiben können wie wir wollen und wenn wir irgendwas brauchen sollen wir ihn fragen. Ich hoffe nicht, dass unsere verfrühte Abreise falsch aufgenommen wird. Den Parkwart haben wir reichlich belohnt und auch seine Kinder haben nun Weihnachten. Als Bonus bekamen wir letzte Nacht bis Sonnenaufgang sogar noch einen Streifenwagen direkt neben das Camp gestellt. Der Anruf von Mustafa am Morgen bestätigte, dass es seine Idee war und er von unserer Abreise gehört hat und uns viel Spaß in Marokko wünscht. Mal gucken wann er sich wieder meldet. Wir fühlen uns auf jeden Fall schon etwas unheimlich überwacht und ich glaube das wird sich auf den nächsten Etappen nicht ändern.

Die Aufräumarbeiten abgeschlossen, beide Moppeds wieder auf dem Anhänger und mehr Platz in der Garage verlassen wir den Platz wie vorgefunden und nehmen eine andere Route zurück zur Hauptstraße N17 nach Süden.

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