Blogarchiv 8.Dezember 2015 Katalonien/Besalu

So richtig angenehm sind die Temperaturen erst ab 10Uhr, vorher passiert bei uns selten was. Wenige Kilometer weiter haben wir ein erneutes Rendezvous mit den Zugvögeln und warten hierzu bei Internet und Strom mit Kaffee im Gegenzug.

Wir nehmen die augenscheinlich flachste Route am Wasser entlang durch die letzten Ausläufer der Pyrenäen. Ein Hirngespinst doch schnell Andorra nen Besuch abzustatten wurde mit 2400 Höhenmetern und Schneekettenpflicht sowie geringem Wow-Faktor und Wettervorhersage schnell ad acta geschoben. Der Tag heute wie auch gestern in der Sonne war schon fast unangenehm, auf jeden Fall ungewohnt warm. T-Shirt und barfuss ein Traum, aber mit der Sonne im Seitenfenster bei der Fahrt … naja irgendwas ist ja immer.

Ab Canet en Rossillen ging es die Nebenroute immer abwechselnd hoch und runter. ordentliche Steigungen hieß wenig Tempo, man konnte ne Menge sehen. Das war gut so und schön. Erinnert an Sardinien und Teile der Amalfi-Küste, hier nur nicht so hübsch bebaut.

Spanien nicht mehr weit, nochmal Fotos am Straßenrand. Und dann mit Cerbere der letzte französische Ort hinter uns. Eigentlich eine Schande die letzte Nacht in Frankreich auf nem Supermarktparkplatz verbracht zu haben. Aber wir haben ja alles selber in der Hand, also genau hier bleiben wir STOP. Ungewohnt mal nicht bis in die Dunkelheit zu fahren war unsere Tagesetappe auch keine 40km weit. Wir haben am Cap Cerbere einen schönen Parkplatz direkt neben dem Leuchtturm und gehen erstmal wandern. Hinterm nächsten Hügel schon sind wir im Nachbarland. Warum also nichtmal zu Fuß den ersten “Schritt” wagen. Der Aufstieg stellt sich doch als Kletterpartie heraus, den Sommer über im Flachland hat die Kondition nachgelassen. Ein schnöder Grenzstein und die untergehende Sonne zeigt uns das Terrain einer weiteren großen Kultur auf unseren Reisen. Das erste Mal Spanien nicht mit dem Flugzeug oder Boot bereist. Ein Abenteuer wird folgen. Wir freuen uns.

Die Nacht war sternenklar und mild die Straße hier stundenlang ohne Verkehr, keine weitere Beleuchtung außer der pulsierende Schein vom Leuchtturm, blieb also nur der tief stehende Mond der sich auf der Wasseroberfläche spiegelt. Unnötig zu erwähnen, dass viel mehr Sterne zu entdecken waren. Wir haben mal nicht ganz so lange geschlafen, denn dank einer sehr ausführlichen Karte (eine App mit Offlinefunktion und Routenplanung – maps.me sehr zu empfehlen) hat Christie eine weitere Idee verfolgt. Sie trägt hier verfolgbar unsere Route ein und hat beim letzten Fähnchen mehrere Höhleneingänge entdeckt. Na super, geht das schon wieder los, der Plan nochmal zu wandern war geboren.

Erneut den Hügel hinauf zum Grenzstein und ehemaligem Spähhäuschen, dahinter den Abhang hinunter sollen zwei Eingänge sein. Wir krabbelten ohne jeglichen Weg die immer steiler werdende Felswand hinunter, über Gestrüpp und Kakteen deren Früchte übrigens intensiv und säuerlich schmecken, aber zu viele Kerne haben. Weit sind wir gekommen, doch ne Höhle gab es nicht zu entdecken, muss wohl auf Meereshöhe sein. Also noch nen bissel in die andere Richtung marschiert und dann zurück, wollen ja weiter.

Der Friedhof direkt nebenan brachte das erste mal ungechlortes Wasser aus der Leitung, bekömmlich, lecker, also Kanister füllen und nach dem üblichen Morgenritual im Bus los. Nach weniger Kurven dann auch mit dem Gespann offiziell in Spanien. Das ging fast schon zu schnell also Parkplatz am Straßenrand und zu Fuß zur Dokumentation zurück.

Der Übergang mit Wechselstube wohl schon einige Jahre ausser Betrieb, die Markierungen auf der Straße aber immer noch reinweiß, sodass der folgende Camper verwundert vor dem STOP stehen blieb. Fotogen ist anders, das Frankreich Schild macht da mehr her, Hintergrund nebensächlich.

Wir passierten auf der anderen Seite das einfallslose Schild Espagna und rollten hinab ins Tal nach Portbou. Eigentlich exakt ne Kopie vom Ort Cerbere zuvor, riesiger Bahnhof, Yachthafen und an die Felsen geschmiegte Wohnhäuser im gleichen Stil. Was haben wir denn erwartet? Paella-Partys auf den Straßen und der Nachbarort muss abwaschen? Der hieß übrigens Colera und war dann auch schon wieder hinter uns.
Es geht langsam aber stetig voran. die Küste hier schon erwähnt eine ideale Motorradstrecke. Auf der spanischen Seite helfen zwei Tunnel weiter zu kommen. dann verlassen wir das Meer für einen Abstecher nach Westen. Figueres auf dem Plan, Heimatstadt von Salvador Dali. Ein ihm gewidmetes Museum direkt im Zentrum durch schmale Gassen zu erreichen ist allein von aussen ein Hingucker. Feuerrot mit Eiern auf dem Dach, seht selbst.

Doch ich glaube historisch ist etwas anderes Grund warum man hier mal hergeschaut haben sollte. Die Festung, welche als zweitgrößte Europas gilt und etwas über der Stadt thront. Fast 17Uhr und der Sonnenuntergang hinter einem Berg der Pyrenäen war hübsch zu betrachten. Wir wollten wie so einige Fußgänger oder Jogger das imposante Ding umrunden. Und wie erwartet zog es sich ne ganze Weile im ZickZack einen Trampelpfad um die Außenmauer. Einige hübsche Ecken, doch in der Summe eher ein gigantisches und damals zweckdienliches Meisterwerk.

Wir erreichten unseren Bus bei einsetzender Dunkelheit ne halbe Stunde später, Jogging ist hier wirklich die bessere Alternative. Im Inneren waren wir nicht, kurze Winteröffnungszeiten und ein riesiges Filmset im Festungsgraben ließen keine Besuche zu. Figueres abgehakt weiter nach Westen.

In meinen Recherchen bin ich auf einen Ort gestoßen, der wie Kreuzberg für Berlin, Kalk für Köln oder der Kiez für Hamburg sein soll. Das typischste der Region komprimiert in einem Ort. Den Super-Katalonien-Ort sozusagen. Wir sind gespannt und fahren nach Besalu, keine 25km weiter westlich den Bergen entgegen. Mit einigen unruhigen Verfolgern die hügelige Landstraße mit Überholverbot zum Feierabend.

Wir stehen heute Nacht auf dem einzigen Parkplatz vorm Eingang zum Zentrum, zur Altstadt oder überhaupt zur Stadt, was die Karte so zeigt. Die letzten Meter ein hell erleuchtetes riesiges Gebilde, nach dem Essen gehen wir uns das mal genauer ansehen. Ich mag es abends und tagsüber die zwei Gesichter einer Stadt zu entdecken, wir bleiben heute hier.

Wir sind also in Besalu gelandet, nach Beschreibung des Internets das typisch katalanische Dorf im Mittelalterstil. Ein Traum, allein schon der Anblick der Brücke bei Nacht. So machten wir uns also dick eingepackt (hier im Inland auf 160m auch kalt wenn dunkel) auf den ersten Spaziergang.

nächster Tag:

Der Parkplatz für Menschenmassen ausgelegt beherbergte natürlich nur uns am Rande. Wir marschierten sogleich los um das Zentrum nun auch bei Tag zu bestaunen. Überall Erklärungstafeln und heraus geputzte Sehenswürdigkeiten, toll gemacht fast schon zu steril. Aber die Summe der Eindrücke überwältigend.

Abgeschirmt von zwei Flüssen strategisch günstig gelegen. Es führen beide z.Z. zwar wenig Wasser, der Pfad ist hier im Bett trotzdem zu Ende.

Und von unten kann man mit der Sonne im Rücken doch das imposanteste Panorama erstellen. Links im Bild erstrecken sich unter der Stadtmauer etliche Gärten, auch heute noch. Man kann sich gut hineinversetzen, wie das Leben vor einigen Jahrhunderten ausgesehen hat.

Ich würde behaupten wir haben jede Gasse durchkämmt und trotz Dezember war später gut was los, als die Sonne hoch stand und Temperaturen um die 20grad zauberte. Als Fazit auch, die Katalanen sind nen eigenes Völkchen, beharren auf ihrer Unabhängigkeit und Flaggen hängen aus jedem Fenster. Wenn das klappen sollte fragt sich nur ob Schotten und Bayern dann nachmachen, und als eigenes Land wären sie ja erstmal nicht in der EU, also brauchen sie eigenes Geld und überhaupt… Nicht mein Bier. Die Touritafeln sind auf catalan und spanisch sowie englisch beschrieben. Die hier besonders hübsch

Von der Fahrbahnbrücke mit Blick auf die Fußgängerbrücke aus dem 10.Jh. Turm mit Falltor etc wurden aber wohl nach dem zerstörerischen spanischen Bürgerkrieg 1939 wieder aufgebaut.

Mittagspause und Plan für Runde drei schmieden. Wir sind ja quasi im Süden angekommen, der Transit hiermit offiziell beendet und das Wetter passt auch. Zeit mal die Garage aufzuräumen und den Anhänger abzutakeln. Freiheit für die Zweiräder, heute kriegen aber nur die Fahrräder ne Ausfahrt. Hinterm Stadtkern verbirgt sich das modernere Besalu, auch mal gucken.

Naja, von gepflegten mittleren Wohnblocks über einen Supermarkt hin zu kleinen modernen Villen ist alles vorhanden. Übersichtlich aber kein Platz zum verweilen, also nochmal durch die Historie, letzte Runde, versprochen

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